laut.de-Kritik

Verführerisches von der Femme Fatale des Deep-House.

Review von

Für das wichtigste Release des Jahres auf seinem Label Rekids hat Matt Edwards alias Radio Slave alles in die Waagschaale geworfen und eine bis ins letzte Detail choreographierte Marketing-Dramatik entwickelt. Häppchenweise werden die Fans mit Neuigkeiten zum Release versorgt. Seit Wochen sorgt das Debütalbum von Nina Kraviz deshalb für Gesprächsstoff.

Und steht einmal nicht die Musik im Blickpunkt, zieht die Russin vor allen Dingen die männlichen Fans mit ihrem Aussehen in den Bann. Ohne Zweifel ist Nina Kraviz gerade mit Nachdruck dabei, ihren Platz als Femme Fatale des Deep House einzunehmen.

Eine Rolle, die der hübschen Russin wie auf den Leib geschneidert ist. Denn seit ihrem ersten Release, der 2009 auf Jus Eds Label Underground Quality veröffentlichten EP "First Time", setzt Kraviz im Gegensatz zu vielen anderen Produzenten auch auf ihre Stimme als Instrument. Dass ihre Qualitäten als Sängerin umstritten sind, ficht sie ganz und gar nicht an. Sie bleibt ihrem Stil treu und macht ihren mit zarten Intonation ins Mikrofon gehauchten Sprechgesang zum Markenzeichen.

Es ist dieser Gesang, der aus Tracks wie "False Attraction" Juwelen von ganz besonderer Güte formt. Vieles auf "Nina Kraviz" erinnert an die frühen Border Community-Releases von James Holden und Nathan Fake. Auch die beiden Briten haben es vorzüglich verstanden, die Zuhörer mit der ungewöhnlich assoziativen Atmosphäre ihrer Tracks gefangen zu nehmen. Wir meisterhaft Nina Kraviz das Spiel mit den Sounds beherrscht, zeigt sich auf den beiden Instrumental-Nummern "Ben" und "The Needle", einer feinsinnigen Hommage an die wohlige Geräuschkulisse, die eine Nadel beim Abtasten einer Platte entstehen lässt.

Die Russin stellt ihr im Vergleich zu den frühen Releases deutlich verbessertes Sounddesign einmal mehr ganz in den Dienst einer emotionalen Intensität in den Tracks, die ihresgleichen sucht. Mit dieser Herangehensweise bei Komposition und Produktion hebt sie sich auch ganz bewusst von den oftmals viel zu funktional auf die Tanzfläche hin konzipierten Stücken ihrer überwiegend männlichen Kollegen im House- und Techno-Geschäft ab.

So erstaunt die Feststellung, dass sich unter den 15 Tracks des Albums kein einziger offensichtlicher Clubhit findet, nur auf den ersten Blick. Lediglich die bereits im Vorfeld veröffentlichte Maxi "Ghetto Kraviz" macht eine Ausnahme von dieser Regel. Ansonsten geht Nina Kraviz ihren Weg mutig und scheinbar gänzlich unbeeindruckt vom Hype um ihre Person und ihre Musik. Wenn sie diesen auch in Zukunft mit ähnlicher Konsequenz und Ausdauer beschreitet wie bislang, verheißt das noch viele spannende Releases.

Trackliste

  1. 1. Walking In The Night feat. Hard Ton
  2. 2. Aus feat. King Aus On The Mic
  3. 3. Ghetto Kraviz
  4. 4. Taxi Talk
  5. 5. False Attraction
  6. 6. Working
  7. 7. Choices
  8. 8. Love Or Go
  9. 9. Best Friend
  10. 10. 4 Ben
  11. 11. Turn On The Radio
  12. 12. Petr
  13. 13. The Needle
  14. 14. Fire

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1 Kommentar

  • Vor 10 Jahren

    verdammt gutes house album mit genug tiefe und experimentation. auch muss man sagen, dass kraviz es sehr gut hinkriegt ihre eigenen gesangsparts zu integrieren, ohne in den 08/15 house tralala abzudriften. ich war anfang ein wenig verwirrt, dass das album so ruhig ist, aber es passt.