laut.de-Kritik

Fesselt den Hörer mit ergreifendem Liedgut.

Review von

"Jeden Morgen um die Uhrzeit / Treff ich einen Mann im Park / Ein Eichhörnchen fütternd / Es frisst ihm aus der Hand." Schon die ersten Zeilen von "Schlangenlinien" verraten, dass Niels Frevert nicht zu der Sorte deutscher Songwriter gehört, die unentwegt über ihre Sorgen jammert. Stattdessen bauen seine Texte auf die ständige Beobachtung der kleinen, vermeintlich unspektakulären Dinge im Leben.

"Zettel Auf Dem Boden" erzählt von Sehnsucht, Freundschaft, Frustration und Liebe. Über welchen Teil des Lebens Frevert auch sinniert, er spricht stets in Bildern und verpackt seine Botschaften in detailverliebten Erzählungen über sein Umfeld. Während das "Blinken Am Horizont" als Metapher für eine weit entfernte, geliebte Person steht, handelt es sich bei "Ich Würde Dir Helfen, Eine Leiche Zu Verscharren, Wenns Nicht Meine Ist" um eine überaus charmante Freundschaftserklärung.

Die Instrumentierung der Stücke setzt weitgehend auf bewährte Mittel. Akustikgitarre, Bass, Piano und Drumset bleiben fast dauerhaft präsent und bilden einen wunderbar luftigen Rahmen für Freverts melancholischen Tonfall. Auch der ausgiebige Streichereinsatz fügt sich perfekt ein, ob mit herzerwärmend sanftem Cello ("Frustrationstoleranz, Herr Frevert"), begleitenden Violinenteppichen ("Schlangenlinien") oder als melodieführendes Element ("Bis Mich Jemand Hört").

Hier und da gesellen sich sachte Blechbläser hinzu, die das Geschehen mal mehrstimmig und atmosphärisch ("1m² Regenwald", "Zürich"), mal mit dezenten Soloeinlagen in bester Till Brönner-Manier ("Wohin Hat Es Deine Sprache Verschlagen", "Küchensee") unterstützen.

Der Hamburger fesselt den Hörer durchgehend mit interessantem und ergreifendem Liedgut, weshalb man sich an seiner ungefährlichen Stimme nicht weiter stört. Die Stücke transportieren allein in punkto Melodie und Text derart viel Emotion, dass man sich nichts Passenderes vorstellen könnte, als Freverts etwas facettenarmen aber durch und durch authentischen Gesang.

Tief schwermütige Songs wie z.B. das eröffnende "Schlangenlinien" oder das von Bongos untermalte "Küchensee" wechseln sich mit durchaus beschwingten Momenten ("Bis Mich Jemand Hört") ab. Freverts sanfte Melancholie zieht sich dabei als roter Faden durch das komplette Album.

Am Ende steht mit "Eines Flüchtigen Tages Treffen Auf Der Straße" anders als der sperrige Titel vermuten lässt ein leises, trauriges Schlusslied. In trauter Zweisamkeit mit seiner gezupften Gitarre beschert Frevert mit zerbrechlicher Stimme den letzten der zahlreichen berührenden Momente des Albums. "Alles was ich tun kann / Ist nichts außer warten / Bis der letzte Krümel Tee / Richtung Boden der Tasse / Taumelt und versinkt."

Niels Frevert hat mit "Zettel Auf Dem Boden" eine wunderbare Platte für die anstehende kalte Jahreszeit geschaffen. Sein viertes Album eignet sich mit seiner melancholischen aber wohltuenden Grundstimmung bestens für dunkle Winterabende, die man vorm wärmenden Kamin verbringt.

Trackliste

  1. 1. Schlangenlinien
  2. 2. Ich Würde Dir Helfen, Eine Leiche Zu Verscharren, Wenns Nicht Meine Ist
  3. 3. 1m² Regenwald
  4. 4. Frustrationstoleranz, Herr Frevert
  5. 5. Bis Jemand Mich Hört
  6. 6. Blinken Am Horizont
  7. 7. Wohin Hat Es Deine Sprache Verschlagen
  8. 8. Zürich
  9. 9. Küchensee
  10. 10. Eines Flüchtigen Tages Treffen Auf Der Straße

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