Sozialkonservative Duma-Delegierte fordern lautstark ein Verbot von Emo-Webseiten und -Outfits. Schwarze Scheitel und Kajalstift seien ein "dangerous teen trend".

Moskau (mma) - Als Berater des sozialkonservativen Abgeordneten Yevgeny Yuryev kennt Alexander Grishunin den russischen Volksfeind ganz genau. Nein, er meint nicht Autonomiebestrebungen oder widerspenstige Journalisten.

Der Gegner ist zwischen 12 und 16 Jahre jung, malt sich die Fingernägel schwarz an, trägt einen gefärbten Seitenscheitel, "der das halbe Gesicht verdeckt", dazu schwarze oder pinke Kleidung, Nietengürtel und Piercings im Gesicht. Weshalb Grishunins Vorgesetzter Yuryev zusammen mit zwei Kollegen einen Anti-Emo-Gesetz-Entwurf in die Duma eingebracht hat.

Das Papier sieht vor, Emo-Outfits in Schulen und öffentlichen Gebäuden unter Strafe zu verbieten. Außerdem sollen zugehörige Websites vom Netz genommen werden. Begründung: Die ehemalige Underground-Bewegung ("a dangerous teen trend"), die in den letzten fünf Jahren auch in Eurasien zahlreiche Anhänger fand, fördere gerade unter weiblichen Jugendlichen Depressionen und sozialen Rückzug.

Staatliche Handlungsfähigkeit in Gefahr

Auf Internetseiten tauschten Emo-Fans untereinander Fotos ihrer selbstzugefügten Schnittwunden aus. Darüber hinaus würden in der Szene Drogenmissbrauch und verfrühter Sex gebilligt. In letzter Konsequenz ermutige Emo zur Selbsttötung. Daher gelte es zügig zu handeln.

Im Moscow Times-Interview beschreibt Grishunin die Emo-Kultur als "geistige und ethische Krise" der russischen Jugend, ja, die Handlungsfähigkeit des Riesenstaats scheint gar in Gefahr. "Die Gesetzesvorlage soll dafür zu sorgen, dass im Jahr 2020 ein regierungsfähiges Staatsoberhaupt in Moskau sitzt."

Mögen demonstrierende Emo-Addicts noch so sehr auf Selbstbestimmung und Freiheit bei der Kleiderwahl pochen - der Volkskörper muss vor defätistischer Schwäche geschützt werden. Zu diesem Zweck halten es betreffende Duma-Delegierte für durchaus legitim, Emo-Fans und gewalttätige Skinheads über einen Kamm zu scheren.

Emo = Skinhead?

Mitinitiator Igor Ponkin verbittet sich jedoch den Vorwurf des blinden Pauschalurteils. "Natürlich gibt es auch solche, die einfach nur die Musik hören. Wir gehen aber gegen diejenigen vor, die sich selbst verletzen, umbringen und das auch noch bewerben." Recht so! Auch laut.de fordert: Keine Chance den toten Selbstdarstellern!

Ein Schreiben des Erziehungsamts von Novgorod an seine Schulleiter nährt Hoffnung auf ein baldiges Ende der schwerst subversiven Emo-Bewegung. "Der Traum jedes Emos ist es, mit aufgeschnittenen Pulsadern in einem Bad aus warmem Blut zu sterben", befand man darin schon 2007. Tatsächlich wird es allerhöchste Zeit, dass sich nach Hetzjagden in Mexiko und Chile weltweit aufrechte Kulturschützer gegen die verschwörerische Kajalliga zur Wehr setzen. Wer jetzt nicht handelt, macht sich mitschuldig!

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208 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Also ich bin seit 3 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Die wirklich psychisch krank ist. Genauer gesagt, ADHS und schwere Depressionen. In dieser schweren, wenn auch sehr schönen Zeit hat unsere Beziehung mehr Täler als Höhen durchgemacht. Ich werde ihr auch immer treu bleiben.

    Eben aus diesem Grund kann ich nicht verstehen, wieso Jugendliche (genauer gesagt: Emos) alles daran setzen eine psychische Erkrankung auszubrüten. Vor allem Dingen, wenn sie erst mal down sind, dann muss ja auch jemand die etwaigen Behandlungs- und /oder Rehabiltationskosten tragen. Nur das Schlimme ist, dass das dann wieder der öffentlichen Hand zur Last fällt.

    Ich wünschte mir eine solche regorose Gesetzesinitiative nicht nur in Russland sondern auch bei uns in Deutschland.

  • Vor 8 Jahren

    was is das hier für eine komplette scheiße, jeder
    soll selbst entscheiden wie er sich kleidet, welche musik
    er hört und auch ist es das recht jedes Menschen über sein
    leben ganz alleine zu bestimmen, wenn sich regierungen schon
    anfangen in solche privaten dinge einnzumischen wird das bald keine freie gesellschaft mehr sein, aber was soll man von einem land wie russland schon erwarten das am liebsten ja die homosexualität wieder verbieten würde, einfach ZURÜCKGEBLIEBEN, und nicht mehr...