In der zweiten Ausgabe von "Live aus der Forster Straße" hat der Sänger wieder illustre Gäste, die Show langweilt leider trotzdem.

Forster Straße (dük) - Mark Forster bemühte sich gestern Abend, es in der zweiten Ausgabe der neuen Vox-Sendung "Live aus der Forster Straße" besser zu machen als letzte Woche und holte sich Tipps von Kai Pflaume und Laura Wontorra. Dennoch war die Show ermüdend.

Das Konzept blieb unverändert: Der 37 Jahre alte Sänger saß alleine im leicht modifizierten Studio (er hat jetzt ein Soundboard, mit dem er applaudieren und ausbuhen kann), schaltete prominente Gäste zum lockeren Plausch per Videochat dazu, machte Musik, kochte und verlor seine Wette. Sein Gegner in dieser Woche war Alvaro Soler, der bis zum Ende der Show ein spanisches Cover von Mark Forsters "Wir Sind Groß" schreiben sollte. Forster gab außerdem vor, dass das Cover die Wörter "Sierra Tequila" und "Speedy Gonzales" und ein Flötensolo enthalten sollte. Per Instagram-Voting entschieden seine Follower am Ende der Show über Sieger und Verlierer. Obwohl Forster ein sympathischer Moderator ist und er sich alle Mühe gab, die ständigen "Ähs" und "Sozusagens", aus denen seine Familie bereits ein Trinkspiel gemacht hat, zu vermeiden, gab das Konzept der aneinandergereihten Interviews mit den Gästen über den Bildschirm einfach nicht so viel her.

Kai Pflaume grinste über beide Backen in die Kamera und gab Forster Moderationstipps. Rea Garvey lobte Mark Forsters und Max Giesingers Cover der zugeschalteten Vicky Leandros in den höchsten Tönen und plauderte mit Forster über die verrücktesten Fangeschenke. LEA erzählte, wie es zur überraschenden Kollaboration mit Samra und Capital Bra kam. Sie sei ja nicht "die typische Gangsterbraut, bei dir würde ich eher in der Pause Englisch abschreiben", scherzte Forster. Fernsehkoch Alexander Herrmann zeigte dem Sänger ein alternatives Rezept für Nudeln mit Tomatensauce und Forster scheiterte mal wieder beim Nachkochen. Johannes Oerding schleimte sich mit Komplimenten zur Show ein und hörte sich Forsters Medley seiner Songs an.

Die langatmige Unterhaltung mit 4 Blocks-Schauspieler Kida Ramadan entwickelte sich zu einer peinlichen Breakdancenummer. Über Jürgen Drews lernte der Zuschauer, dass er privat gar nicht so ein Partymonster ist wie auf der Bühne. Was für eine Überraschung! Die Unterhaltung mit Comedylegende Otto Waalkes wäre vielleicht unterhaltsam gewesen, hätte man den Ostfriesen besser verstanden und wären die beiden auf eine kreativere Idee gekommen, als einfach nur stumpf sich übergebende Ottifanten und andere Tiere parallel zu malen.

Zugute halten muss man dem Moderationsneuling Forster, dass er die Gespräche diese Woche früher abkürzte als letzte Woche. Es gelang ihm aber leider nur selten, zum nächsten Gast überzuleiten, bevor es langweilig wurde.

Wer die Sendung bis zum Ende verfolgt hat, der kam immerhin in den Genuss eines coolen Covers von Alvaro Soler, dessen Latin-Version von "Wir Sind Groß" samt Flötensolo das Original von Forster vielleicht sogar übertrumpft. Es reichte zumindest aus, um die Wette haushoch gewinnen. Verlierer Mark Forster, der die Show mit einer schönen und zur aktuellen Situation passenden Darbietung von "Sowieso" abschloss, muss damit in der nächsten Ausgabe am Mittwoch um 20.15 Uhr auf Vox ein Cover von Julio Iglesias zum Besten geben.

Weiterlesen

laut.de-Porträt Mark Forster

Eine durchgestylte Künstlerbiografie klingt anders, da liegen sie bei Four Music völlig richtig. Dennoch unterschreibt der Quereinsteiger Mark Forster …

8 Kommentare mit 29 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    "Forster gab außerdem vor, dass das Cover die Wörter "Ulf Kabelitza" und "Speediconzal" und ein Flötensolo enthalten sollte."

  • Vor 3 Monaten

    Deutschland ist kulturell ein Entwicklungsland, gerade was das Fernsehen betrifft. Daß bekannte Sänger Fernsehmoderatoren spielen sollen, war eine schreckliche Idee aus den 70er Jahren der USA. Das hat sich glücklicherweise irgendwann erübrigt. 50 Jahre später kann man den Schwachsinn aber den Almans zumuten, was?

  • Vor 3 Monaten

    Fünf Minuten in der Forsterstraße sind zehn Jahre in der echten Welt, ehrlich. Ich bin bestürzt. Wer sich solch eine zahnlose, 4-lagig softe Skype-Sülze mit deutschen Kuschelpromis freiwillig in voller Länge reinzieht, der braucht DRINGEND einen Schnelltest auf TAWIL-19.

    Dem Forster kann man ja kaum böse sein – der ist ja so’n harmlos lieber Steiff-Teddy für Millennials, sicher kann man sich stundenlang richtig durfte mit dem im Flixbus unterhalten – aber er hinterlässt mit diesem Format einfach nur ein episches „WARUM?!“ für alle, die meinen, Fernsehen sollte in Zeiten von Streaming mal ein bisschen aus dem Brei kommen, um nicht komplett die Relevanz zu verlieren.

    Wow – Alvaro Soler, wahrscheinlich der Pop-Akademie Studienkumpel vom Mark, macht aus einem Retorten-Popsong von Forster einen Retorten-Latinpopsong in unter 60 Minuten. Gibt’s sicher ne Shuffle App für – Rumba-Bass, Offbeat-Gitarre – Latin’ize it! All in: über Solers musikalische Fähigkeiten sagt dass alles weit weniger aus, als über die Berechenbarkeit deutscher Popmusik.

    Und haha - der Delikatessen-Herrmann lässt den Mark kochen und der verkackt’s: 2020 im Fernsehen. Zünd den Knaller, irre! Hätte ja nie einer für möglich gehalten, dass Lieferando Forster da LIVE im Televisionsgerät eine „Besoffen-Kochen-Pampe“ hin klatscht, über die das lustige Küchen-Onkelchen nur beherzt schmunzeln kann. Grööööhl! Als würde man einem Hund die Decke über den Kopf ziehen und erquickt danebensitzen, weil’s halt ein Hund is und kein Raketenwissenschaftler.

    In der Forsterstraße leben Leute, die sich gegenseitig Minion-Memes schicken. Die hin und wieder eine „Sing mein Song“-CD kaufen. Vom letzten Urlaub auf der „Mein Schiff 2“ schwärmen. Die samstagabends Rooibostee aus Depot-Tassen schlürfen und „Darm mit Charme“ lesen. Erquickendes Völkchen halt.

    PS: Eines nehm ich dem Forster doch persönlich krumm - diese bieder-autopilotären Dorfrapper-Moves, die er Stakkato ballert, als gäbe es kein morgen. Au revoir!