Dass auch niedere Triebe hohe Unterhaltung hervorbringen können, beweist wohl kaum jemand so gut wie Morlockk Dilemma. Seit Anfang der 2000er legt der Leipziger sein Augenmerk auf die Trias aus Drogen, Sex und Gewalt. "Herzbube" macht da keine Ausnahme: Ob nun comichafte Selbstüberhöhung ("Du Solltest …

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  • Vor 11 Monaten

    der eiserne besen 2 war das letzte was ich auf Dauerschleife gehört habe :) kann jemand eine Empfehlung hier zu abgeben ?

  • Vor 11 Monaten

    Grundsätzlich ist Morlockk ja wirklich Einer von den Guten, aber es ist mir aufgrund der Stimme wirklich nur schwer möglich auch nur einen Track von ihm in voller Länge zu hören. :(

  • Vor 11 Monaten

    Besen 2 ist mehr Battle, hier sind es eher Geschichten, mehr boast als diss. Die Review ist ziemlich on point. Für mich eines der Highlights dieses Jahr, mag die Produktionen sehr. Vorabsingles stellen das Album auch ziemlich gut dar.

  • Vor 11 Monaten

    Der Savas-Part ist leider unter aller Sau. Der ganze Track hat keine Daseinsberechtigung auf dem Album und fühlt sich an wie ein Fremdkörper.

  • Vor 11 Monaten

    Mega Album. Morlockk entäuscht nicht.

  • Vor 11 Monaten

    Hat Morlockk die Musikpresse nicht dazu aufgefordert, seine Werke nicht mehr zu bewerten? Also inklusive Anschreiben an die jeweiligen Verlage.
    Erinnere mich da an einen post auf den Social Media Kanälen

    • Vor 11 Monaten

      so what? wer was veröffentlicht, muss damit rechnen, dass auch jemand öfefntlich seine meinung dazu sagt. wer das nicht will, darf sein zeug halt nur seinen drei kumpels geben.

    • Vor 11 Monaten

      ö-ff-entlich.

    • Vor 11 Monaten

      Trump: covfefe
      Dani: Hold my beer

    • Vor 10 Monaten

      Finde das Statement ziemlich schwach. Reviews nicht mehr zeitgemäß? Stimmt vll. insofern, als das man sich Empfehlungen inzwischen auch über nen Algorithmus anspielen lassen kann, ok. Aber was ist mit fundierten, kritischen Einordnungen, die sich auch noch lesen lassen? Das sollen in Zukunft also wirklich hölzern schreibende, verblendete 5/5-Fanhorden liefern? Bitte nicht!

      Mit seiner Kritik an Zeitdruck & Geldmangel in der Branche mag er ja Recht haben. Die Konsequenz, sich beleidigt zurückzuziehen, wenn mal ein paar Aspekte, die ihm als Künstler wichtig waren, unter den Tisch fallen, kommt mir dagegen albern und kindisch vor. Fällt bei der so umschleimten, medienkritischen Kundschaft aber natürlich auf fruchtbaren Boden...

  • Vor 11 Monaten

    Puuh, ich muss mich hier leider langsam, aber sicher auch auf die Seite der Skeptiker schlagen. Dilemma ist zwar nach wie vor technisch gesehen unangefochten die Nummer 1 hierzulande, auch beherrscht er immer noch angefangen bei klassischem Battle-Kram über Storytelling und witzige Song-Konzepte bis hin zu Streetrap so ziemlich alle Spielarten des Games. Auch die Gesamt-Attitüde könnte in meinen Augen nicht passender sein, der Sound ist auch immer noch sehr einzigartig. Nur packt mich der Kram nicht mehr so wie früher. Ich kann es mir teilweise ja selber nicht erklären, aber auch beim Durchhören der neuen Platte habe ich mich mehrmals dabei erwischt, dass schon wieder 3-4 Tracks an mir vorbeigezogen sind, ohne dass was nennenswertes hängenbleibt. Überhaupt habe ich vor Kurzem alle seine Solowerke revidiert und festgestellt, dass ich abgesehen von "Index Finest" nichts davon in voller Länge durchhören kann, ohne mich zu langweilen. Wahrscheinlich liegt es eher an mir als an ihm, aber ich kann das nun mal nicht ändern.

    Ach so, "Apokalypse Jetzt" ist trotzdem immer noch ein absolutes Überalbum und gehört in meine All-Time-Top-5. Und die Entwicklung, die Hiob seitdem durchgemacht hat, gefällt mir um einiges besser, "Abgesänge" bestes D-Rap-Album 2018.

  • Vor 11 Monaten

    Für mich sein bisher bestes Album. Weiter so .

  • Vor 10 Monaten

    Früher fraß Dilemma Tabletten um ruhig zu bleiben
    Heute nimmt er was für die Verdauung um dir in die Stube zu scheißen.

    • Vor 10 Monaten

      Ich spuck Verse auf Loops
      bis du unter der Erde ruhst
      in meinen Träumen fahr ich Kajak
      in nem Meer aus Blut

      War lange mein Lieblingspart von ihm. Immer noch weit vorne dabei.

    • Vor 10 Monaten

      Du redest von Schlampen, Champagner und Bank Ausrauben/
      Ich töte dich und fang deine Seele mit nem Handstaubsauger

      Ist eine meiner Lieblingslines. Aber davon gibt es viele.

  • Vor 10 Monaten

    Pro: Gewohnt ausgefeiltes Soundbild, gewohnt starke Raps, gewohnt liebevolles Gesamtkunstwerk mit stimmigen Skits und feinem ink-a-zoid-Cover.

    Contra: "Gewohnt": Tatsächlich habe ich hier auch erstmals ein ähnliches Problem wie bei der letzten Hiob-Scheibe. Irgendwie alles schon mal gehört. Ok, dieser 70er-Sound ist neu. Aber die anderen vermeintlichen Trademarks der Platte (Großstadtstudie, Sexgelaber, Biographie-Elemente) sind aus dem Dilemma-Universum eigentlich schon bestens bekannt (und passen mbMn auch nur begrenzt zueinander). Gut gemacht natürlich alles, aber die Platte erklärt sich aus meiner Sicht irgendwie nicht ganz so schlüssig wie manche ihrer Vorgänger, so vong Konzept her.

    Unterm Strich schon ein gutes Album. Reiht sich aus meiner Sicht aber eher auf den hinteren Plätzen seiner Diskographie ein. Highlights sind die Vorabtitel & Hiob-Feats.

    P.S.: Apokalypse Jetzt ist zwar auch bei mir weiter vorne angesiedelt, aber dass es so ungebrochen als Opus Magnum für Hiob und ihn gilt, finde ich schon überraschend. Wirkt aus heutiger Sicht doch über weite Strecken recht populistisch-wutbürgerlich. Ich habe auch den Eindruck, dass zumindest Dilemma das Album aus diesem Grund mittlerweile eher fremd ist, auch wenn er es (meines Wissens) so explizit nicht angesprochen hat in Interviews.

    • Vor 10 Monaten

      Ich würde sagen der Sound ist der bisherige Höhepunkt. Man hört, dass er sich in den letzten Jahren viel Zeit als Morlockko Plus verlebt hat. Und das Cover ist nicht nur unglaublich geil, es sieht auch so aus, wie die Platte klingt.

      Deine Contra-Punkte kann ich schon verstehen, es ist wenig Veränderung, mich stört die Stetigkeit nicht. Und ich würde das auch nicht als contra sehen, aber im großen und ganzen probs für deine Einschätzung.

      Weswegen ich eigentlich schreibe: populistisch-wutbürgerlich auf Apokalypse Jetzt? Meinst du sowas wie Bastard Homosapiens oder Robbespiere? Gibt's noch andere Stellen?

    • Vor 10 Monaten

      "BRD", "Steinewerfen" & vor allem "Mutter der Huren" fallen mir sonst noch ein. Mit "über weite Strecken" habe ich wohl ein bisschen dick aufgetragen :D Ich finde das Album (und nicht zuletzt auch die angesprochenen Tracks) ja eh selber gut. Glaube aber, dass man das heute nicht mehr so aufziehen würde, ähnlich wie auch manches Kabarett-Programm aus den 0er-Jahren aus heutiger Sicht stellenweise Stirnzunzeln hervorrufen würde, weil so manche früher linksalternativ besetzte Theorie/Erzählung/Plattitüde Einzug in den postfaktischen Alt-Right-Kanon gefunden hat.

      P.S.: Fast noch besser als das eigentliche Album gefällt mir die Remix-Sammlung Postapokalypse Jetzt, die aus dem ein oder anderen soliden Track einen Hit bastelt (z.B. aus dem im Original doch recht sperrigen "Kugeln", das so eingägig präsentiert sogar noch ein bisschen zynischer kommt: https://www.youtube.com/watch?v=lpyQnoJqmrQ).

    • Vor 10 Monaten

      Das ist eh ein superinteressantes Phänomen. Dass der Nullerjahre (semi-) Untergrunddeutschrap gespickt mit AFD/Truther/Reichsbürgerinhalten ist. Schon allein wie Prinz Pi auf jedem Album behauptet, die Amis hätten die Türme selbst gesprengt oder die Mondlandung gefaked.
      Bei Morlockk und Hiob würde ich diese Inhalte nicht so ernst nehmen. Hiob hat mal in einem Interview gesagt, dass ihnen beim recorden absolut klar war, dass sie haufenweise halbseidene Verschwörungstheorien ins Mic rappen und sie sich darüber ziemlich amüsiert haben.

      Nach zwei Durchläufen find ich Herzbube besser als erwartet, aber nicht annähernd so groß wie Abgesänge. Wie schon öfter erwähnt ist Morlockk halt ein bisschen zur eigenen Karrikatur verkommen und mit dem Flow den er seit ein paar Jahren fährt, werde ich nicht warm.

    • Vor 10 Monaten

      das tmhs2 album war voller kruder weltansichten, aus heutiger sicht. (Handeln, Genozid-Show, Engel) Als 17-jähriger hab ich das einfach bling abgefeiert.

    • Vor 10 Monaten

      Stimmt, TMHS2 ist auch so ein Fall. Handeln, brrr.

      Wenn für Dilemma & Hiob der Spaß-am-Bullshit-Joker gilt, würde ich ihn Pi aber auch geben (siehe zB die Transformers-Anspielung aus dem Intro, Engel fällt für mich auch darunter). Irgendwie auch ganz witzig, dass bei ihm die Illuminaten Teil des (positiven) Widerstandes gegen die böse Obrigkeit sind, während sie zB bei Kollegah ja eben die symbolisieren :D Die Genozid-Show sehe ich dagegen neben dem Regenmacher und der schönen neuen Welt doch recht eindeutig als Teil einer Dystopie-Reihe, ist mbMn sogar die stärkste Seite des Albums.

      Bei beiden Alben glaube ich, dass hinter den großteils sicher auch bewusst übertriebenen Darstellungen schon auch eine „echte“ Wut auf die Konsens-Gesellschaft steckt, mit der man heute vorsichtiger/präziser wäre. Bei H&D halt mit noch mehr Stoßrichtung „Krieg den Palästen“ und bei Pi Anti-Amerikanismus, den er sich, wie manches andere, wahrscheinlich bei Justus abzugucken versucht hat (unterstelle ich).

    • Vor 10 Monaten

      Also bei hab ich das auch, das Gefühl, dass der da ein bisschen übertreibt, hat ja auch eine ganze mix-cd mit dem Titel Illuminati rausgebracht nach tmhs 2. Hat auch in Interviews gesagt, dass er auf so Verschwörungstheorien steht, aber halt auch weiß, dass die größtenteils Quatsch sind.

      Bei Apokalypse Jetzt sehe ich aber gar nicht so sehr, wo das, was die sagen so halbseiden sein soll. Klar, manchmal überspitzt, aber für mich war das immer hinweisen auf existierende Probleme... Hab das Album aber auch schon ein halbes Jahr nicht mehr gehört und entsprechende Tracks noch nie kritisch betrachtet. Habt ihr Beispiele für so Aussagen von Apokalypse Jetzt?

      Bei Justus findet man übrigens zumindest auch bei mindestens einem Track krude Verschwörungstheorien, aber so stark überzeichnet, dass jeder merken sollte, dass das Quatsch ist ("Auch Stalin lebt noch und tarnt/ sich als Gregor Gysi seid gewarnt/Justus weiß wovon er spricht"). Antiamerikanismus hab ich bei Justus nie gesehen, aber "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" wird von DoubleJ auf einem Track zitiert.

    • Vor 10 Monaten

      Genau, „Friede den Hütten, Krieg den Palästen und den USA, dem großen Satan aus dem Westen“ heißt es da ;) An anderer Stelle auf Neue Wahrheit „ich bin dagegen, dass Nordamerika den Rest der Welt regiert“. Schwer zu belegen natürlich, aber ich bilde mir ein, dass diese Haltung Anti-USA bei ihm der ernst gemeinte Kern hinter den sonst teils absurd überdrehten Verschwörungstheorien war.

      Zurück zu „Apokalypse Jetzt“:
      Naja, es gibt da halt mehrere Aufrufe zum Auf-/Widerstand gegen „die da oben“ darauf. Mal implizit (und sehr schön poetisch verpackt; Steinewerfen), mal explizit (Robespierre) und mal wie bei Pi gut überzogen mit diverser Verschwörungssoße (Mutter der Huren). Und auch wenn „die da oben“ bei den beiden nicht die links-grüne Meinungsdiktatur sondern Reiche und Konzern-Lobbyismus meint und damit sicher näher an der Realität kratzt als es 2019 Alt-Rightler tun: Aus heutiger Sicht hat das für mich schon mindestens Geschmäckle. Wie gesagt meine ich auch bei Dilemma in Interviews eine gewisse Distanz zu dieser Schaffensphase herauszuhören.

    • Vor 10 Monaten

      Okay, bei Mutter der Huren hast du auf jeden Fall Recht, da ist sehr viel fragwürdiges Zeug dabei, vielleicht ist das jenes Stück, über das Hiob im erwähnten Interview sprach.

    • Vor 10 Monaten

      Steinewerfen hat mMn ein wundervollen Text, einen direkten Aufruf sehe ich darin nicht. Auch keinen indirekten. Eher so eine Art Storytelling. So Wie z.b. Galgenberg.

    • Vor 10 Monaten

      Und Robbespiere kratzt nicht nur an der Wahrheit, es beschreibt, wenn auch überspitzt, den Jetzt-Zustand. Geldadel ist der neue Adel, Geld birgt politische Macht, mit politischer Macht wird dafür gesorgt, dass mehr Geld angehäuft werden kann.

    • Vor 10 Monaten

      Nochmal zu steinewerfen: zusammen mit den anderen Tracks wie Robbespiere oder BRD wirkt das natürlich schon wie eine Aussage, "es gibt auch einen anderen Weg"

    • Vor 10 Monaten

      Bzgl Justus haste Recht, hatte die folgende Line nicht mehr im Kopf. Hatte Pi nicht irgendwann Mal fast genau die gleiche Line?

    • Vor 10 Monaten

      Ja, auf Schöne neue Welt war das (der Titel von TMHS2, auf den ich oben verweisen wollte, war natürlich Die fabelhafte Welt der Anarchie, Pardon):

      „Wir haben den großen Satan im Westen vergessen.
      Es hieß: Friede den Hütten, Krieg den Palästen [...]“

      Würde ich als bewusste Referenz werten, ganz allgemein hat er bei Justus‘ Mixtur aus Verschwörung, Battle und Conscious aber schon sehr genau hingeschaut. Lyrisch trotz einiger toller Bilder natürlich nicht rangekommen, sollte klar sein.

      Den Text von Steinwerfen finde ich btw lyrisch auch ganz großes Kino - nicht, dass wir uns da falsch verstehen (auch der Track kommt in der Postapokalypse-Version mMn noch stärker: https://m.youtube.com/watch?v=OOI_2qao1ow). Als neutrale Beschreibung kann ja ich ihn allerdings nicht verstehen, aber das hast du ja im Prinzip auch schon eingeräumt.

      Zu Robespierre: Ok, spätestens hier spielt dann vermutlich die eigene politische Position mit rein :D Dass Geld eine (zu große) Rolle für die Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Lebens hierzulande spielt, will ich gar nicht wegdiskutieren (mangelnde Bildungsdurchlässigkeit dies, Arm-Reich-Schere das). Was mir bei Begriffen wie Geldadel als Beschreibung des Jetzt-Zustandes halt schon dringend fehlt, ist dass du heute eben nicht wie im Absolutismus qua Geburt zu einem Leben an der Peripherie verdammt bist, sondern sehr wohl vielfältige Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten hast, die damit leichtfertig beiseite geschoben werden. Und das Kapital ist halt auch nicht an allem Schuld, was den Menschen so an Blödsinn einfällt...

    • Vor 10 Monaten

      Diese "vielfältige Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten" werden im Text ja auch thematisiert ("Sie sagten Leben ist ein Geschenk mach was draus
      Spiel nach den Regeln und du wirst Präsident oder ein Astronaut"), und ja, für einige ist sozialer Aufstieg möglich, und die Trennung ist weniger scharf, als sie es zu Zeiten des Blutadels war, aber es gibt immer noch diese Trennung und es ist keinesfalls so dass der durchschnittliche Mensch niederer Geburt mehr als astronomisch kleine Chancen hat so reich zu werden wie der Spross einer Geldadelfamilie. Hinzu kommt dann noch, dass für jeden, der es schafft, da hin zu kommen, der Wohlstand der anderen, die es nicht geschafft haben, schrumpft. Das ist einfach eine Konstellation, bei der man sich schon Gedanken machen kann, ob das noch lange gut geht.

    • Vor 10 Monaten

      Postapokalypse jetzt ist tatsächlich sehr empfehlenswert.

    • Vor 10 Monaten

      Nujoa, „thematisiert“ im Sinne von „bestritten“, das schon :D Dass die soziale Durchlässigkeit in Schland zu wünschen lässt, sehe ich ja sowieso auch. Aber:

      „Nix is mit Lexus fahren
      Zeug ein weiteres Zahnrad,
      leg dich in den Pressholzsarg“

      Nein, das ist einfach nicht das Problem. Luxus ist, gerade dank durchoptimierter Herstellungsprozesse, heute nahezu allgegenwärtige Massenware. Vielleicht keinen Lexus, aber auch in den meisten ärmeren Haushalten findest du hierzulande ne Karre, Rechner/Smartphones, Glotze, zu viele Klamotten, fast jeder macht Urlaub. Gewürze, Obst oder sonstige Lebensmittel aus aller Welt liegen erschwinglich im Supermarkt bereit. Die Situation in Sachen privates Glück durch Konsum ist mit Absolutismus & Co also schonmal überhaupt nicht vergleichbar.

      Dazu kommt die politische Ebene: Es gibt strengen Arbeitsschutz, sogar Mindestlohn, ein (natürlich nicht perfekt) funktionierendes Sozialsystem, Renten, Krankenkasse, verpflichtende Schulbildung für alle, Versicherungen, Gewerkschaften, Betriebsräte, diverse gemeinnützige, Sport- oder Freizeitvereine, subventionierte Kultur- und Bildungsangebote und du kannst fucking Wählen gehen oder dich sogar selber äußern und engagieren, Demokratie eben. Alles wertvolle und mühsam erkämpfte Errungenschaften, die man ignoriert, wenn man von „Geldadel“ spricht.

      Klar, ist nicht unbedingt die Erwartung an so einen 3-Minüter ein komplexes Problem vollständig und abwägend von allen Seiten zu betrachten. Und ein wahrer Kern steckt ja auch hinter dieser überspitzten Darstellung. Der tritt aber in den Hintergrund, wenn die dabei außer Acht gelassenen Aspekte, zuvor Konsens, dann Gegenstand der politischen Verhandlungen werden. Und genau diesen Preis zahlt der Track und mit ihm das Album mMn aus heutiger Sicht.

    • Vor 10 Monaten

      "Luxus ist, gerade dank durchoptimierter Herstellungsprozesse, heute nahezu allgegenwärtige Massenware."

      Diese Sichtweise ignoriert vollkommen das Problem der (relativen) Armut. Klar, uns geht es gut, im Vergleich zu Entwicklungsländern. Aber dir sollte auch klar sein, dass das einen von Armut gebeutelten Menschen hier wenig Trost gibt. Natürlich geht es uns besser als zu Zeiten LouIs XVI, aber das ändert nichts daran, dass ein kleiner Teil der Menschheit auf Kosten der anderen ein so viel freieres und luxuriöseres Leben führt.

      "Vielleicht keinen Lexus" Da sagst du es ja selbst, der Großteil wird sich halt keinen Lexus leisten können, während einige wenige für einen Lexus relativ zu ihrem Vermögen so viel zahlen wie der Rest für eine Busfahrkarte. Wie oben auch schon erwähnt, den Armen in Deutschland geht es verglichen mit den Armen in der dritten Welt hervorragend, aber trotzdem sind die hier noch arm. Auto gebraucht gekauft, Angst, ob das nochmal über den tüv geht. Angst, den Job, den man hast und der einen fertig macht, zu verlieren, wenn das Auto nicht mehr geht. Nie gelernt mit Geld umzugehen, Handyvertrag, Schulden. Angst vor Wohnungssanierungen, Angst vor dem Briefkasten. Das ist alles Leid, dass sich verhindern oder mindern ließe, hätten nicht weniger als 2 Prozent mehr als 50 Prozent.

      "du kannst fucking Wählen gehen oder dich sogar selber äußern und engagieren, Demokratie eben"

      Ich mit 0 € Vermögen mit einem Umfeld mit 0 € Vermögen:
      -Kann wählen gehen, aber welche Partei? Welche Partei vertritt meine Interessen? welche Partei vertritt im Endeffekt wirklich meine Interessen.
      -Kann Partei beitreten oder gründen. Minimale Chance in vielen Jahren von Bedeutung zu sein.

      Ich mit 100M€ Vermögen mit einem Umfeld mit 100M€ Vermögen:
      -Kann wählen gehen
      -Kann Politiker verschiedener Parteien relativ unkompliziert treffen und kennenlernen
      -kann Politiker bestechen
      -kann Verlag kaufen und meine Meinung publizieren lassen
      -kann Lobbyarbeit bezahlen
      -kann Werbeagentur beauftragen, eine Kampagne durchzuführen
      -kann mit Umfeld zusammen Politik erpressen

    • Vor 10 Monaten

      Mooment, dass Armut oder allgemein Ungleichverteilung hier kein Problem wäre, habe ich doch auch gar nicht behauptet. Ich will nur darauf hinaus, dass

      1. die Schere weit weniger krass klafft als im 18. Jhd,

      2. die Lebensqualität auch am falschen Ende dieser Schere um ein vielfaches höher liegt als seinerzeit

      und deshalb

      ein (impliziter) Vergleich, es sei heute ja im Prinzip so wie damals, nur eben mit Geld statt Geburtsrecht, unzulässig und, wie ich finde, auch gefährlich ist, weil es (u.a.) undemokratischen Kräften das Wort redet.

      Das steht ja gar nicht zwangsläufig im Widerspruch zu deinem Beitrag. Ich widerspreche aber natürlich trotzdem (stellenweise) gerne,weil es Spaß macht ;) (auch wenn wir uns spätestens damit schon weit vom Album wegbewegen)

      "Aber dir sollte auch klar sein, dass das einen von Armut gebeutelten Menschen hier wenig Trost gibt."

      Stimmt. Das lässt sich aber auf jede Gesellschaftsform übertragen und kann damit, zugegeben kühl betrachtet, kein Argument für die Bewertung unserer sein.

      "Das ist alles Leid, dass sich verhindern oder mindern ließe, hätten nicht weniger als 2 Prozent mehr als 50 Prozent"

      Verhindern glaube ich nicht, mindern unterschreibe ich. Deine Bedenken, ob die von dir genannte Verteilung (vor allem mit Tendenz Polarisierung) noch lange gut gehen kann, übrigens auch.

      "Ich mit 0 € Vermögen mit einem Umfeld mit 0 € Vermögen:
      -Kann wählen gehen, aber welche Partei? Welche Partei vertritt meine Interessen? welche Partei vertritt im Endeffekt wirklich meine Interessen."

      Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht (nicht nur jetzt bei dir, sondern schon allgemein). Warum wird - mein Eindruck - häufig so getan, als hätten Arme/Geringverdiener überhaupt kein richtiges politisches Sprachrohr? Es gibt doch sehr wohl Parteien, die ein viel stärkeres sozialpolitisches Profil haben als andere: Die Linke und selbstverständlich auch die SPD. Wenn mir die Ungleichverteilung der gößte Dorn im Auge ist, kreuze ich halt besser bei denen.

      "Ich mit 100M€ Vermögen mit einem Umfeld mit 100M€ Vermögen:
      -Kann wählen gehen
      -Kann Politiker verschiedener Parteien relativ unkompliziert treffen und kennenlernen
      -kann Politiker bestechen
      -kann Verlag kaufen und meine Meinung publizieren lassen
      -kann Lobbyarbeit bezahlen
      -kann Werbeagentur beauftragen, eine Kampagne durchzuführen
      -kann mit Umfeld zusammen Politik erpresse"

      Wählen, treffen, kennenlernen, Lobbyarbeit - Check. Das gilt für Interesssensverbände wie Gewerkschaften aber auch. Die haben nicht selten sogar eigene Druckerzeugnisse und Kampangen ;)

      Bestechen - noja, Korruption ist, soweit ich weiß, ein Straftatbestand. Heißt nicht, dass es nicht vorkommt, klar, aber mir fiele auch nicht ein, wie sich das gänzlich verhindern lassen sollte. Bei Erpressung dasselbe Spiel.

      Prinzipiell gebe ich dir ja Recht, dass Geld ein wichtiges Machtinstrument ist. Es ist nur nicht das einzige.

    • Vor 10 Monaten

      "Mooment, dass Armut oder allgemein Ungleichverteilung hier kein Problem wäre, habe ich doch auch gar nicht behauptet."

      Aber wenn du davon redest, dass für jeden Luxus drin ist und es viele Partizipationsmöhlichkeiten für die Gestaltung unseres Zusammenlebens gibt, dann marginalisiert das m.E. schon bestehende Probleme (auf die du natürlich auch eingehst, aber es bleibt trotzdem noch ein Geschmäckle)

      "1. die Schere weit weniger krass klafft als im 18. Jhd,"

      Interessanter Punkt, 18 Jhd. ist lang und bedeutsam, da in dieses ja der Beginn der Industrialisierung liegt und damit auch der Beginn des Geldadeltums, wenn ich das Mal jetzt vereinfachend so nennen darf. Und da fand auch ein Wandel der Lebensumstände statt, bei dem es erstmal gefühlt schlechter wurde (Stichwort soziale Frage), bevor es besser wurde. Besser ist es heute ohne Frage, deswegen hast du mit 2. Recht. Aber weniger Klaffen? Ich weiß nicht, glaube ich zumindest nicht einfach so.

      und deshalb

      "ein (impliziter) Vergleich, es sei heute ja im Prinzip so wie damals, nur eben mit Geld statt Geburtsrecht, unzulässig und, wie ich finde, auch gefährlich ist, weil es (u.a.) undemokratischen Kräften das Wort redet."

      Ich würde sogar so weit gehen und Adel des Mittelalters bis zum Absolutismus mit dem Großkapital (ich bevorzuge Geldadel, weil das Wort bzw. die Nutzung des Wortes durch u.a. Stalinismus negativ konnotiert ist) vergleichen und dabei feststellen, es gibt schon große Ähnlichkeiten. Große Machtfülle bei wenigen Menschen, undurchsichtig für den Rest, zu einem gewissen Grad Konkurrenz untereinander aber Zusammenhalt gegen äußere Kräfte.

    • Vor 10 Monaten

      Bezüglich "undemokratischen Kräften das Wort rede[n]":
      Auch eine kaputte Uhr geht zwei Mal am Tag richtig. Und in Deutschland könnte es auch durchaus demokratischer sein. Womit ich auf keinen Fall Bürgerentscheide meine, sondern dass man sich um Dinge kümmert, die du und ich unter anderen angesprochen haben.

      "Stimmt. Das lässt sich aber auf jede Gesellschaftsform übertragen und kann damit, zugegeben kühl betrachtet, kein Argument für die Bewertung unserer sein."

      Ich verstehe hier nicht genau, wie du das auf jede Gesellschaftsform übertragen willst, bzw was genau.

      "Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht (nicht nur jetzt bei dir, sondern schon allgemein). Warum wird - mein Eindruck - häufig so getan, als hätten Arme/Geringverdiener überhaupt kein richtiges politisches Sprachrohr? Es gibt doch sehr wohl Parteien, die ein viel stärkeres sozialpolitisches Profil haben als andere: Die Linke und selbstverständlich auch die SPD. Wenn mir die Ungleichverteilung der gößte Dorn im Auge ist, kreuze ich halt besser bei denen."

      Ja ne. SPD ist vielleicht im Parteiprogramm für den kleinen Mann, aber in der Realität sieht es anders aus. Da ist der wirtschaftsliberale Flügel/Teil sehr mächtig und macht auch so Politik. Beispielsweise auf Landesebene in NRW unter Steinbrück. Beispielsweise Riesterrente. Beispielsweise Agenda 2010. Beispielsweise Aussetzen der Kapitalertragssteuer. Beispielsweise... Das sind nur die, an die ich mich aus dem Stand erinnere. Passiert ja nicht ohne Grund, dass sich so viele von der SPD abgewendet haben.

      Dann ist da noch die Linke. Da sind einige komische Leute drin, und was die teilweise im Wahlkampf von sich gegeben haben ist auch absurd. Dann gibt es noch ein paar Punkte in ihrem Programm, die ich für falsch halte, bezüglich NATO etc. Und leider war bis jetzt fast jedes Rote Morgen durch Blut gefärbt...

      "Wählen, treffen, kennenlernen, Lobbyarbeit - Check. Das gilt für Interesssensverbände wie Gewerkschaften aber auch. Die haben nicht selten sogar eigene Druckerzeugnisse und Kampangen"

      Gewerkschaften sind ein gutes Stichwort. Die waren Mal sehr wichtig für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter und Angestellten, aber im Grunde sind sie antiquiert und haben nicht mehr wirklich die Macht, die sie früher hatten, sie sind in das System eingewachsen und es gibt viele Probleme mit ihnen, die wir individuell besprechen müssten, falls du mir da nicht zustimmen solltest. Kurz gesagt, die haben nicht den gleichen Machtumfang wie "die Gegenseite", und, noch wichtiger, sie sind "gezähmt".

      "Bestechen - noja, Korruption ist, soweit ich weiß, ein Straftatbestand. Heißt nicht, dass es nicht vorkommt, klar, aber mir fiele auch nicht ein, wie sich das gänzlich verhindern lassen sollte. Bei Erpressung dasselbe Spiel."

      Ja, Bestechung und Erpressung sind verboten, aber auch schwer nachzuweisen. Und das Parteispendensystem ist auch nicht gerade... Naja, koscher. Und dann gibt es da noch die implizite Bestechung... " Wir könnten uns ja durchaus vorstellen, die Fabrik hier zu bauen, aber die Rahmenbedingungen in Irland sind zurzeit einfach besser. Wir werden dass demnächst entscheiden" erfüllt nicht den Straftatbestand der Erpressung.

    • Vor 10 Monaten

      Worum es mir bei diesem Luxus-Ding ging: Unsere Gesellschaft ist, so sehe ich das, viel stärker von Überfluss als Mangel geprägt. Im Zweifel eben auf Pump finanziert.

      Natürlich ist das erstens auch ein Problem, weil das falsche Vorzeichen den Kopf fickt, weil irgendwann die Rechnung kommt und zweitens eine grob pauschale Aussage: Ausnahmen gibt es sowohl in Bezug auf Luxusgüter, die unerreichbar bleiben (zB der angesprochene Lexus), als auch wirklich Bettelarme, die an der Alles-Jederzeit-Verfügbar-Kultur nur sehr eingeschränkt teilnehmen können, keine Frage.

      Ich halte diese Pauschalisierung/Vereinfachung (oder auch Marginalisierung, wie du es vll. nicht ganz zu Unrecht nennst) aber für notwendig, um überhaupt halbwegs pointierte Aussagen über unsere heutige Gesellschaft, im Vergleich zu (ua historischen) Alternativen, treffen zu können. In diese Richtung geht auch der Abschnitt von wegen „Gesellschaftsform“: Ja, wems jetzt dreckig geht, der wird sich schwerlich davon trösten lassen, dass es in anderen Systemen schlechter wäre/war. Das kann man aber immer sagen —> kann (so) nicht als Argument gegen unser System hier und heute sprechen.

      Auf die weiteren Punkte gehe ich später noch ein, versprochen, jetzt ruft erstmal die Arbeit.

    • Vor 10 Monaten

      Weiter gehts.

      Stichwort Geldadel: Ich will mich eigentlich gar nicht so sehr an dem Begriff aufhängen. Schwierig finde ich den Vergleich dahinter, insbesondere wenn er, wie in „Robespierre“, die vermeintliche Lösung des Problems gleich mit andeutet. Nach dem Motto, damals haben Aufstand, Umsturz & Guillotine geholfen, warum nicht auch heute? Da verorte ich auch die Verbindung mit den undemokratischen Kräften, nicht bei der bloßen Kritik an Ungleichverteilung und damit verbundenen Problemen.

      Deinen aufgezählten Parallelen würde ich nicht widersprechen, sie aber mit dem Verweis, dass sie bis auf die Machtkonzentration für sehr viele Gruppierungen gelten, und vor allem den Unterschieden, die ich weiter oben schon mal angeführt habe (rund um Demokratie), relativieren wollen.

      Beim Klaffen der Schere habe ich mich vll. ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt, zumindest gemessen an meiner Quelle „Überbleibsel aus dem Geschichtsunterricht“ :D Sauber aufeinander umrechnen lassen sich die Vorteile aus gefestigtem höheren Stand, unbehelligt von Bürgerrechten und ähnlichem, und materieller Macht vermutlich sowieso nicht. Ich glaube zwar, dass insbesondere die verfassungsmäßigen Vorteile das Heute homogener machen sollten, weil das aber sowieso schon durch Punkt 2, bei dem wir uns ja sowieso einig sind, abgedeckt wird, ziehe ich Punkt 1 zurück.

      Stichwort SPD&Linke: Ich will ja auch gar keine (gezielte) Wahlwerbung abgeben, ich habe mit beiden Parteien durchaus meine Probleme ;) In Bezug auf das, was wir hier besprechen, grenzen sie sich nach meinem Empfinden aber schon deutlicher von der Konkurrenz ab, als es insbesondere der gebeutelten SPD oftmals bescheinigt wird.

      Beim Thema Gewerkschaften müsste ich erstmal noch ein paar Hausaufgaben machen, glaube ich, kein Widerspruch da also vorerst. Kannst aber gerne trotzdem ein paar Ausführungen dazu raushauen, wenn du Bock hast, dann hab ich schon mal nen Anhaltspunkt :)

      Alles rund um indirekte (& illegale) Vorteile durch Geld: Ja, da werden bestimmt nicht wenige Schweinereien laufen, das glaube ich schon auch. Bei vielen Sachen (zB Deinem sehr hübschen Fabrik-Beispiel) bräuchte es halt größere internationale Solidarität. Die wäre überhaupt bei sehr vielen Dingen hilfreich. Dafür wiederum müssten aber erstmal die Menschen anders denken & entscheiden, sprich: wählen.

    • Vor 10 Monaten

      "Worum es mir bei diesem Luxus-Ding ging: Unsere Gesellschaft ist, so sehe ich das, viel stärker von Überfluss als Mangel geprägt. [...]"

      Da bin vollkommen bei dir.

      "Ich halte diese Pauschalisierung/Vereinfachung (oder auch Marginalisierung, wie du es vll. nicht ganz zu Unrecht nennst) aber für notwendig, um überhaupt halbwegs pointierte Aussagen über unsere heutige Gesellschaft, im Vergleich zu (ua historischen) Alternativen, treffen zu können."

      Aber ist das nicht ein bisschen whataboutism? Muss man den Status quo mit der Vergangenheit abgleichen, wenn etwas falsch läuft? Passiert weniger Scheiße, nur weil früher mehr Scheiße passierte? Ich mein es ging ja bezüglich des Songs darum, ob die darin getätigten Aussagen zu plakativ sein (Zahnrad, Pressholzsarg, Rasen mähen, Nektar reichen) und ob diese zu sehr Wasser auf die Mühlen von Arschlöchern sind. Ich bin nach wie vor der Meinung, die aussagen sind überspitzt, aber auf eine weise, wie das Kunst nun mal macht. Pointiert. Verkürzt, ja. Aber im Grunde richtig. Und da sehe ich dann auch keinen faden Beigeschmack, nur weil irgendwelche Spinner einen Teil der Aussagen ebenfalls vertreten.

      "Stichwort SPD&Linke: Ich will ja auch gar keine (gezielte) Wahlwerbung abgeben, ich habe mit beiden Parteien durchaus meine Probleme ;) In Bezug auf das, was wir hier besprechen, grenzen sie sich nach meinem Empfinden aber schon deutlicher von der Konkurrenz ab, als es insbesondere der gebeutelten SPD oftmals bescheinigt wird."

      Wenn du dir mal anschaust, wer in den letzten Jahren in der SPD die Zügel in der Hand hatte, dann wirst du sehen, dass der Großteil der wichtigen Personen (Steinbrück, Gabriel, Schmidt, Zypries, Schulz, Steinmeier) dem Seeheimer Kreis zugerechnet werden, welcher nicht zu unrecht als "rechter Flügel" oder korrekter Konservativer Flügel der SPD gesehen wird. Der Seeheimer Kreis ist eine der drei Hauptströmungen in der SPD und momentan auch meiner Meinung nach die dominierende Strömung. Zitat von Wikipedia, weil ich es auch nicht besser schreiben könnte, jetzt:
      'Der Seeheimer Kreis konzentriert sich vor allem auf Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik. Er erklärt, dass der Sozialstaat sich nach den finanziellen Möglichkeiten richten müsse, propagiert das so genannte „Fördern und Fordern“ in der Sozialpolitik sowie die Leistungsgesellschaft, weist auf die Staatsverschuldung hin, betont, dass man „pragmatisch handeln“ müsse und Reformen nötig seien. Der Globalisierung stehe der Seeheimer Kreis „aufgeschlossen“ gegenüber. Überdies betrachtet dieser Kreis den demografischen Wandel als zentrales Aufgabenfeld und ist bereit, in der Sozialpolitik Wege zu gehen, die abseits sozialdemokratischer Traditionen liegen können. Diese Ausrichtung steht nicht im Widerspruch zum Parteiprogramm der SPD, ergibt sich aber auch nicht zwangsläufig daraus und ist insofern ein Sonderstandpunkt. '

      "Alles rund um indirekte (& illegale) Vorteile durch Geld: Ja, da werden bestimmt nicht wenige Schweinereien laufen, das glaube ich schon auch. Bei vielen Sachen (zB Deinem sehr hübschen Fabrik-Beispiel) bräuchte es halt größere internationale Solidarität. Die wäre überhaupt bei sehr vielen Dingen hilfreich. Dafür wiederum müssten aber erstmal die Menschen anders denken & entscheiden, sprich: wählen."

      Gar nicht so sehr anders denken, ich glaube die meisten Leute finden vieles, dass wir blöd finden, ebenfalls blöd. Aber wen soll man wählen?

      Gleich noch was zu Gewerkschaften

    • Vor 10 Monaten

      Zu Gewerkschaften habe ich tatsächlich sogar mal etwas "persönliches", dass ich hier lasse, was ich sonst eher nicht tue. Vorab, ich bin mir bewusst, dass meine eigene Erfahrungen nicht unbedingt Rückschlüsse auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten zulassen.

      Ich hatte vor einigen Jahren mal einen Minijob in der Systemgastronomie. Zwei Jahre lang habe ich da gearbeitet. Bin dort gelandet, um mir was dazu zu verdienen, weil ich mir noch nicht zugetraut habe, mich auf bessere Nebenjobs zu bewerben. Ich komme nämlich eher vom falschen Ende der Schere, bedingt durch Geburt.

      Ich habe dort in der Küche gearbeitet und in den zwei Jahren natürlich auch viele Leute kennen gelernt, ein Teil war wie ich Minijobber, Studenten etc. Ein anderer Teil war noch immer am falschen Ende der Schere, während ich diese schon hochkletterte (das falsche Ende der Schere hochzuklettern ist übrigens weitaus schwieriger als das richtige Ende hochzuklettern, was für ein wundervolles Bild). Es gab damals auch schon einen Tarifvertrag für die Systemgastronomie, aber der ist ja nur relevant, wenn eine Gewerkschaft existiert. Weil der Tarifvertrag ja zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber geschlossen wird. Nun hätten ich oder beispielsweise Vinoud ja der Gewerkschaft beitreten können und einen Betriebsrat gründen. Das Problem dabei ist nur, dass dort alle, die nicht im Management waren, mit Zeitverträgen beschäftigt waren. Bis auf zwei Ausnahmen. Und wenn du dann mit deinem Zeitvertrag forderst, dass du beim Ankommen stempelst und das Umziehen zur Arbeitszeit zählt, sicher, dann wirst du das wohl bekommen. Nur ist dann natürlich nicht sicher, dass du in weniger als sechs Monaten eine Verlängerung bekommst.

      Du kannst auch fordern, dass Arbeitsschutzrichtlinien strikt befolgt werden, aber willst du das wirklich tun, wenn du nur einen Zeitvertrag hast? Natürlich hat der Gesetzgeber da etwas, um diese Praxis zu verhindern: Nach zwei Jahren auf Zeitverträgen bist du automatisch ab dem ersten Tag des dritten Jahres unbefristet. Ja, das wäre schön. Aber der Franchisenehmer hatte da etwas, um diese Praxis zu verhindern: Für jedes seiner Restaurants eine eigene Firma und dann musste jeder nach zwei Jahren in eines der anderen Restaurants.

      Ich war ja nur eine Aushilfe, laut Vertrag zum Ersatz für Urlaub und Krankheit, zum einspringen. Dass ich genauso wie die Teilzeit- und Vollzeitleute wöchentlich eingeplant wurde war sicher nur aus Versehen. Ich war laut Vertrag angestellt für Hilfsarbeiten. Dass ich nach etwas mehr als einem Jahr mit zwei relativ neu angestellten Kollegen die Nachtschicht am Wochenende machen musste, war sicher nur Zufall. Fehlplanung. Jedes Wochenende, zwei Mal. Ich hatte keine Weisungsbefugnis, aber wenn einer mal nicht gemacht hat, was ich sagte, was häufiger mal bei Neuen passierte (qualitativ haben die dort natürlich nicht die besten Arbeitnehmer, was nicht böse gemeint ist), dann bin ich halt zum Schichtleiter, meistens der assitant manager, damit er meine Weisung erteilt.

      Hab dann wie gesagt nach zwei Jahren aufgehört, weiß gar nicht, wie es mit mir weiter gegangen wäre. Meine Gründe waren der Stress, alles was ich danach gemacht habe, war nicht mal ansatzweise damit zu vergleichen, die schlechte Bezahlung (hab vor Mindestlohnzeiten mit 7,50 die Stunde angefangen, sehr viel mehr als 8 nochwas waren es am Ende nicht) und meine Abneigung gegenüber dem damaligen Manager, der ein halbes Jahr vorher kam (und kurz nach meiner nicht-Verlängerung gefeuert wurde, weil er extremst unfähig war und das gut laufende System seines Vorgängers unbedingt ändern musste, was dem Laden einiges an Gewinnen nahm, und mit den Mitarbeitern furchtbar umgegangen ist. Verfickte 6 Stundenschichten. Immer und Immer und Immer. Bei 6 Stunden muss man keine Pause geben. Pausen sind erst verpflichtend bei einer Arbeitszeit von über sechs Stunden. Arbeite mal sechs Stunden am Stück in einer Küche eines gut laufenden Fast-Food-Betriebs! Viele Vollzeitleute, die teilweise weite Arbeitswege hatten, bekamen auch oft 6-Stunden-Schichten. Und hatten dann am Ende des Monats zu wenig Geld. Trotz 5/6-Tage-Woche.

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      Nun, das waren jetzt Ausführungen, die zum Teil auch die mangelnde Wirksamkeit von Gewerkschaften und Arbeitsschutzgesetzen aufzeigen sollen, aber dir auch die Lebensumstände am anderen Ende der Schere verdeutlichen sollen, da ich die Vermutung hege, dass du mit dieser nicht so viele Berührungspunkte hast (könnte mich auch irren).

      Genereller zu Gewerkschaften hab ich auch noch einige Gedanken, aber auch jetzt erstmal was vor.

    • Vor 10 Monaten

      Ich fange mit deinem ersten Post an, weil ich mir für Nr. 2 noch ein bisschen mehr Zeit nehmen möchte. Vorweg schon mal vielen Dank für deine Offenheit darin! Fand ich zum Thema spannend zu lesen und weiß das wirklich zu schätzen, zumal es ja offenbar auch nicht die angenehmsten Erinnerungen sind.

      Abschnitt „whataboutism“:
      Aus meiner Sicht nicht. Den historischen Vergleich bringt ja nicht die Kritik (in diesem Fall meine) ins Spiel, sondern das Kunstwerk selber. Wie gesagt auch mit ausdrücklicher Betonung des Lösungsansatzes (Galgen setzen, Elois fressen und natürlich der Titel selber). Dass sie dieses Deutungsangebot macht, muss sich die Nummer vorwerfen lassen, Überspitzung hin oder her. Und weil die Überschneidungen mit den genannten Arschlöchern also nicht in einer zufälligen Beiläufigkeit, sondern einem Wesenspunkt dieser Arschlochhaftigkeit liegen, hat das für mich eben schon einen faden Beigeschmack.

      Antwort zu den Seeheimern vielleicht auch besser in der nächsten Folge ;) Ich bin einfach ein zu gemächlicher Tipper....

    • Vor 10 Monaten

      Also, der Seeheimer Kreis:
      Fühlt sich ein bisschen schräg an, Kahrs (übrigens "mein" SPD-Direkt-Kandidat in Hamburg-Mitte) & Co zu verteidigen, weil das bestimmt auch nicht meine Heimat in der SPD wäre. Zumindest nach allem, was ich über die weiß (was, wie du gleich merken wirst, so furchtbar spektakulär viel auch wieder nicht ist). Die Seeheimer sind der rechte/konservative und wirtschaftsnähere Flügel der SPD, soweit ja sowieso unstrittig. Nicht ganz so klar scheint mir hingegen zu sein, was das im Unterschied zu anderen, kern-konservativ-bürgerlichen Parteien bedeutet. Wie gesagt, so richtig im Thema bin ich nicht, aber ich bin z.B. gerade mit Hilfe von Onkel google über etwas gestolpert, das aus meiner Sicht schon nahelegt, dass es deutliche Diskrepanzen zum in der Union denk- und sagbaren gibt:

      Ich meine dieses Positionspapier der Seeheimer von Anfang des Jahres (https://www.seeheimer-kreis.de/fileadmin/u…). Darin u.a.: Explizite Problemstellung von "Verteilungsfragen", Erhöhung des Mindestlohns, Abschaffung von Leih- und Zeitarbeit "in ihrer jetzigen Form".

      Klar, jetzt könnte man sagen: Sind ja erstmal nur Lippenbekentnisse und ist bzgl. folgender Maßnahmen auch nicht (immer) sehr konkret. Aber dem kann man dann ja argumentativ auch eh nicht mehr begegnen. Ich persönlich fand auch, dass mit Schulz der letzte Kanzlerkandidat der SPD (ein Seeheimer) mit einem ziemlich linken SPD-Programm in den Wahlkampf gezogen ist.

      Mein Eindruck ist: Ein Richtungsflügel, wie es ihn in jeder größeren Partei, insbesondere einer (wohl ehemaligen) wie der SPD, nicht weniger, aber vor allem auch nicht mehr. Dazu werden sie aber, so empfinde ich es in meinem Umfeld zumindest, aber zunehmend häufig gemacht. Zu den neoliberal-bürgerlichen Kaperern und Aushöhlern der einst stolzen SPD. Eine Art Dolchstoßlegende light (ein historisch natürlich unpräziser und überzogener Vergleich, wollte wegen der Ironie nicht drauf verzichten :D ). Außerdem kann ein politischer Zusammenschluss, dem FW Steinmeier entstammt so verkehrt gar nicht sein ♥ (Ich bin mir bewusst, dass er einer der Architekten der Agenda 2010 war, mit deren FOlgen ich übrigens auch schon meine eigenen Erfahrungen sammeln durfte. Dazu aber dann demnächst mehr). Sollte sich übrigens außer uns beiden noch jemand durch diese Textmonster kämpfen und etwas sinnvolles beizutragen haben, bittegernejederzeit :) Ich habe ja eh schon eingeräumt, dass mein Wissen da eigentlich recht löchrig ist, um Ergänzung ist also gebeten!

    • Vor 10 Monaten

      *Volkspartei hinter (wohl ehemaligen);
      das aber vor zunehmend häufig raus usw
      :O Ich bitte um Nachsicht.

    • Vor 9 Monaten

      Ja, die richtig nervigen Fehler entdeckt man immer erst hinterher, ich kenne das :D

      Zum Positionspapier:
      Das ist natürlich "nur" ein Positionspapier, wie du ja auch schon sagst. Weiter ist es sehr aktuell, und die Einordnung in den historischen Kontext ist bei der Interpretation von derartigen Quellen ja überaus wichtig, wie ich aus dem Geschichtsunterricht mitgenommen habe. Auch der Seeheimer Kreis, so meine Lesart, wird mittlerweile verstanden haben, dass die Wähler (und Mitglieder) der SPD in Scharen weglaufen, und dass sie daran nicht ganz unschuldig sind. Da ist eine Neuorientierung auf alte Werte der Partei nicht verwunderlich.

      Wenn man sich dann mal im Detail anschaut, woran die SPD in den letzten Jahrzehnten politisch mitgewirkt hat, dann ist dieser Vorwurf, den du ansprichst, schon ein bisschen gerechtfertigt. Da wurden einfach Positionen vertreten und Entscheidungen getroffen, die nicht dem Charakter der Partei entsprachen. Beispielweise Riester-Rente. Oder Senkung des Spitzensteuersatzes von 53% auf 42%. Oder bereits angesprochene Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne, was ich irrtümlicherweise "Aussetzen der Kapitalertragssteuer" nannte. Oder natürlich die Agenda 2010.

      Jetzt nochmal allgemein zu Gewerkschaften. In der Vergangenheit wichtiges Instrument der Verbesserung der Bedingungen für die Arbeiter. Heute leider teilweise handzahm gegenüber den Arbeitgebern. Oder mehrfach vorhanden für die gleiche Berufsgruppe. Und als Konzept antiquiert. Stammen immerhin aus einer Zeit, als das Volk noch nicht an der Macht war, da war Tarifautonomie noch was gutes. Die Arbeiter konnten sich organisieren und versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Aber auch nur "gut" im Sinne von "besser als vorher" oder "besser als nichts". Wie in der persönlichen Geschichte bereits geschildert, erreichen Gewerkschaften längst nicht mehr alle Arbeitnehmer. Und kämpfen auch nicht für alle Arbeitnehmer. Gewerkschaften sind zu einer Institution des Systems geworden (System meine ich übrigens nicht negativ konnotiert oder kritisch, sondern sachlich. Es ist immer ein System, egal wie es läuft.). Mit Karrieremöglichkeiten und "unnötiger" Arbeit.

      Und das alles betrifft ja nur die Festangestellten, für Zeitis und Leiharbeiter sieht das alles ja noch mal viel viel schlimmer aus. Ich weiß nicht, in wie weit du mit der Praxis der Leiharbeit vertraut bist, jedes Mal, wenn ich davon höre oder lese (bspw. Schlachthöfe), bin ich erstaunt, dass es mitten in Europa noch so zugehen kann.

      Zum Track und dem historischen Vergleich mache ich mir zur Zeit noch Gedanken. Und ja, der geneigte Leser darf gerne seine Meinung kundtun. Ich bin immer glücklich über fundierte Meinungen, ohne Input von außen ist doch jeder Mensch festgefahren auf seine einmal erdachten Wahrheiten. In diesem Sinne bin ich auch für deine Meinung sehr dankbar.

    • Vor 9 Monaten

      Zu der Sache mit Gewerkschaften:

      Klingt für mich so, als sei gar nicht mal so sehr mangelnder Verhandlungserfolg der Gewerkschaften das Problem, sondern Wirkungsbereich und Durchsetzung. Würde sich zumindest mit meinen bisherigen Erfahrungen decken (Hintergrund: Technik/Industrie, wobei ich auch noch nicht lange berufstätig bin). Ich habe zB mal ein Praktikum auf einer Werft gemacht. Um die fest angestellten und nach Tarif bezahlten Monteure hat man sich da eher keine Sorgen machen müssen. Arme Schweine waren aber die osteuropäischen Leih-Schweißer (Dass man die durch die Bank männlichen Arbeiter quasi anhand ihrer Nationalität und/oder Wurzeln ihrem Arbeitsbereich zuordnen konnte, ist noch mal ne andere Geschichte, war echt ne Zeitreise teilweise), die erstens viel schlechter bezahlt und zweitens von Ihrem Subunternehmer nur tageweise nach Bedarf auf die Werft geschickt wurden (andernfalls natürlich unbezahltes Rumhocken fern vom sozialen Umfeld und örtliche Sprachkenntnisse). Aus anderen Bereichen hört man da ja auch Gruseliges (Fleisch hattest du angesprochen, Saisonarbeit in der Landwirtschaft ist noch so ein Klassiker). Da ist auch mMn auf jeden Fall die Politik gefragt, mit Gesetzen und Kontrollmechanismen gegenzusteuern.

      Beim Thema Arbeitsschutz war es bei mir bisher tatsächlich überall so, dass der AG da hinterher war und auch sein musste, nicht zuletzt weil man die Leute manchmal vor sich selber schützen muss. Beispiel aus der angesprochenen Werft: Schweißarbeiten in nem Ponton, die einzelnen Kammern nur über je einen schmalen Deckel zugänglich. Die Arbeiter haben die aufgestellten Ventilatoren von der Öffnung weggeschoben, weil der Luftzug bei der Arbeit nervt. Nach ner gefühlten Ewigkeit endlich Pause, raus aus den vollgequalmten Dreckslöchern an die frische Luft. Und als erstes natürlich -> Kippe an -.- Soll nicht heißen, dass es nicht auch hier gezielte Umgehung und Ausbeutung gibt (siehe zB deine Gastro-Erfahrung), gegen die man Mittel und Wege finden muss, aber oft genug sind auch die Menschen selber die Deppen.

      Und ähnlich sehe ich das halt beim Thema Wählen: Ich kann ja von der Politik einer oder mehrerer Parteien enttäuscht sein, wenn es dafür bestimmte Gründe gibt. Z.B. von der SPD, weil sie mir zu wirtschaftsfreundlich unterwegs war/ist, legitim. Wenn ich es wegen dieser Enttäuschung aber aufgebe, die Parteien zu vergleichen, Unterschiede (die es gibt!) festzustellen und abzuwägen, fortan alles als eine Soße ansehe und in mir es in einer pauschalen Anti- oder "Hauptsache Anders"-Haltung bequem mache, bin ich der Trottel, nicht die Politik. Klar, machst du nicht, ist auch eher ne allgemeine Aussage von mir jetzt. Aber ich finde dein "wen soll man wählen?" geht schon zumindest auch in die Richtung, dass aus der bestehenden Partei-Palette halt keine Angebote an die besprochene Wählerschicht kommen, was aus meiner Sicht so nicht stimmt. Dass auf der Suche nach der größtmöglichen Übereinstimmung Abweichungen und ggf Kompromisse auftauchen, liegt eben in der Natur der Sache. Dieser Aspekt der Wählerverantwortung kommt mir aber wie gesagt allgemein in der öffentlichen Debatte manchmal zu kurz.

    • Vor 9 Monaten

      Ach so, eig. wollte ich noch kurz meinen persönlichen Hintergrund mit unterbringen, weil du es angesprochen hattest und es für meinen Blickwinkel ja auch nicht ganz unwichtig ist: Du hast schon nicht ganz unrecht mit deiner Vermutung, hinsichtlich meiner Startbedingungen (Familiensituation, Bildungschancen usw.) bin ich sicher privelligiert, wenn auch nicht direkt reich, aufgewachsen. Und auch mein Freundes- und Bekanntenkreis ist dbzgl. homogener als ich selber gut finde. Nichtsdestotrotz sind auch ein paar wirklich enge Freunde dabei, die mit ziemlichen Rucksäcken ins Leben gegangen sind und die leider zT auch noch mit sich rumschleppen. Und weil ich nach dem Studium ein paar Monate arbeitslos und auf Hartz angewiesen war, habe ich diese Situation inkl. mentalem Zubehör (zumindest zeitweise) auch schon am eigenen Leib erfahren (ohne das mit Langzeitarbeitslosigkeit und/oder gleichzeitiger Verantwortung für Kinder/Partner gleichsetzen zu wollen).

    • Vor 9 Monaten

      "privelligiert", genau. Scheint wohl doch nicht ganz so weit her gewesen zu sein mit den Bildungschancen :D

  • Vor 10 Monaten

    Für mich bis jetzt Deutschrap-Album des jahres.