laut.de-Kritik

Post-Punk mit wummernden Synthesizern.

Review von

"Choirs To Heaven" ist die zweite Platte von Lea Porcelain. Entgegen dem fragil klingenden Namen steht der Post Punk des Wahlberliner Duos durchgehend auf einem soliden Fundament. Ein kräftiges Schlagzeug drängt die Songs immer weiter nach vorne, während Gitarren alle Luft zum Atmen nehmen.

Die Vorabsingle "Ohio" steht dafür beispielshaft. Simpel, aber bedrohlich stampft das Schlagzeug vor sich hin. Klingt es in den ersten drei Sekunden noch nach Old School Hip-Hop, lenken sphärische Synthesizer den Song schnell in Richtung Interpol.

Sänger Markus Nikolaus singt mit beinahe traumwandlerischer Sicherheit von der kommenden Eruption der Monotonie. Diesen Gefallen tut ihm die Gitarre im Refrain, die voller Nervosität in den Song hineinprescht und ihn vollständig übernimmt. Die klaustrophobische Enge des Songs weckt Assoziationen zu den verworrenen Sprachbildern Matt Berningers, dessen Isolationsprosa Pate für den Song stehen. Seine Zeilen "I never married, but Ohio don't remeber me" klingen aus der Lyrik Lea Porcelains heraus. "And I'm thinking of you / in a different city / because Ohio / is ready to blow up."

"Future Hurry Slow" hingegen wartet mit einer gänzlich unerwarteten Referenz auf: Coldplay. Also die frühen "Parachutes"-Coldplay, nicht die Kollabo-mit-den-Chainsmokers-Coldplay. Zu Beginn verzehren sich die Gitarre und Nikolaus gleichzeitig nach Liebe, ihnen wohnt die zuckersüße Melancholie des "Scientist" inne.

Immer wieder tauchen auf dem Album die titelgebenden Chöre auf. Sie vermischen sich mit flächigen Synthesizern zu sphärischen Arrangements, die dem Album eine spezielle, transzendierende Qualität verleihen. "For Everything You Are" beginnt atemlos und angepisst, mit einem wummernden Synthesizer und prominenter Percussion. Doch immer wieder wird diese Prägnanz von Interludes unterbrochen, in denen ebenjene sphärischen Arrangements zu kurzen Reflexionspausen einladen.

Die Wandlungsfähigkeit des Albums überrascht immer wieder. Der Titeltrack "Choirs To Heaven" verweist mit seinen zirkulären Drum-Mustern, den garstigen Gitarren und den langgezogenen Vocals auf "Painted Ruins". Erdiger wird es in "Shoot The Moon". Die Band ergeht sich in einer Untergangsfantasie, möchte den Ozean abbrennen, um eine neue Existenz zu finden. Immer wieder prescht eine Indie Rock-Revival-Gitarre der Extraklasse hervor, während das Schlagzeug stoisch in die Lücken spielt und ein Chor im Hintergrund kehlig einstimmt.

"Choirs To Heaven" ist ein starkes Zweitwerk für Lea Porcelain. Dem treibenden Post Punk ihres Debütalbums "Hymns To The Night" fügen sie anfangs überraschende, doch unheimlich stimmige Facetten hinzu. Die technophilen Beats auf "Pool Song" integrieren sich so nahtlos wie Kid A-Synthesizer auf "Sink Into The Night" oder die tanzbar-zappelnde Indie-Gitarre in "For The Light".

Trackliste

  1. 1. Consent Of Cult
  2. 2. 100 Years
  3. 3. Pool Song
  4. 4. For Everything You Are
  5. 5. Future Hurry Slow
  6. 6. Choirs To Heaven
  7. 7. For The Light
  8. 8. Sink Into The Night
  9. 9. Shoot The Moon
  10. 10. Ohio
  11. 11. Just A Dream

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