Porträt

laut.de-Biographie

Heavyball

Heavyball aus Nottingham sehen sich selbst als Kleinstadthelden. "Small Town Hero" heißt ihr erster veröffentlichter Song im Juni 2012, und da liegt es nicht fern, Bronski Beats "Smalltown Boy" zu covern. Das taten schon viele, wie Dido oder Paradise Lost, doch Original-Sänger Jimmy Somerville sagt, das Cover von Heavyball gefalle ihm am besten: "It's the best cover version of 'Smalltown Boy' I've ever heard".

Einflüsse vieler Helden verarbeitet das Quartett. Doch Coverversionen sind dabei sonst nicht unbedingt ihr Ding. Ska aus der TwoTone-Welle, New Wave, Indie Rock, klassischen 50er-Rock'n'Roll und eine Prise Brit-Pop fusionieren Heavyball zu ihrem eigenen Stil und nennen ihn: New Tone!

Die typische Rock-Besetzung mit zwei Gitarren (Lead und Rhythm), Bass und Schlagzeug behalten sie bei. Drei der vier Mitglieder stehen zudem am Mic, und mitunter klingt das auch nach Soul: Big Face (Leadvocals, Guitar), Habs (Drums) und Johnny Iball (Bass). Der Vierte im Bund, Stone Cold Frosty, spielt die Leadgitarre.

Zwei sind Brüder, was man ihnen auch ansieht. Alle vier sehen so aus, wie man sich auf dem Festland Engländer vorstellt. Gefrustet von der Langeweile über oft wechselnde Jobs beschließen die Geschwister Big Face und Habs, mit bürgerlichem Namen Salisbury, mal auf den Putz zu hauen. Sie tun sich anno 2011 mit Bassist Johnny zusammen, erst mal als Liveband. Als sie 2014 auf Tom Frost a.k.a. Frosty finden sie in ihm einen stilistisch wichtigen Impulsgeber. Frosty gibt John Frusciante, Jimi Hendrix und The Clash als Inspiration an.

Heavyball haben auf "When Can You Start?" (2017) viele Songs rund um Alkohol und das Thema Trinken. Wie kommt es dazu? Im Interview sagt Big Face: "Wenn ich zurückschaue, merke ich, dass wir einige Songs übers Trinken gemacht haben - ja, mindestens die Hälfte. Das ist kein Zufall, glaube ich. Denn das ist ein zentrales Thema in unserem Leben".

Johnny Iball präzisiert: "Ich glaube, das Thema unseres Albums ist, dass man trinkt, um dem immerselben Trott im Job zu entfliehen. Es geht darum, wie du dich fühlst, wenn du einen Job hast, den du nicht magst - und wie du dich wie in einer Falle fühlst. Für uns ist das ja eine praktische Lösung, in einer Band mitzumachen, und für uns ist Musik Flucht. Dagegen haben viele Leute doch gar keine andere Option, als etwas trinken zu gehen, auszugehen".

Die anderen lachen, Heavyball sei beides, Musik und Alkohol. Mit The Beat teilten sie sich die Bühne, als Vorgruppe für The Selecter traten sie auf - und dann auch für eine so völlig andersartige Band wie die Kaiser Chiefs. Sich selbst ordnen sie durchaus der Ska-Szene zu. Doch weil die Heavyballs ihr Storytelling mit anderen Einflüssen anreichern, etwa den Westernfilmen des Regisseurs Shane Meadows, kommt eben nicht die Fortsetzung von Bad Manners & Co. heraus, sondern ihre eine eigene Schublade.

So sei im Song "Office Party" auf dem zweiten Album ein Country-Riff in den Strophen verarbeitet, betont Frosty. Im Refrain des Songs "After Dark" beziehen sie sich auf Johnny Marr von The Smiths. Doch, meint Big Face, ein roter Faden sei ihnen schon wichtig. Sie wollen nicht in jedem Song ein anderes Genre spielen, sondern spielen einen Heavyball-Marken-Sound.

Besonders auf dem ersten Longplayer, "Black Eye Diaries" (2015), etwas poppiger angelegt als der zweite, erklingt der New Wave-Stil der späten 70er und frühen 80er. Das Album besteht aus den Singles, die sie von Frühjahr 2012 bis Mitte 2015 herausbrachten. Darauf finden sich auch die vom Surf Sound gezeichneten Tunes "Surfin' In Skegness" und "Automatic Hit Machine".

Den Brexit nennen sie "Brexile On Mainstreet" und rechnen mit Problemen rund um Visa und Erschwernissen auf Tournee - sie sind gegen den Aussteig aus der EU. Und doch, wann immer sie aus ihren Nine-to-Five-Jobs in irgendwelchen Supermarkt-Ketten, an der Krankenhausrezeption, als geduldiger Gitarrenlehrer oder Plastikfenster-Verglaser herauskommen, wollen sie auf Tour - auch aufs Festland.

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