laut.de-Kritik

Der alte Knabe steht noch ordentlich im Saft.

Review von

"I was born in Louisiana and at the age of two my mama told my papa our little boy has got the blues."

Der von Buddy Guy beschriebene Vorfall ereignete sich vor 77 Jahren. Am Zustand des Musikers hat sich seitdem wenig bis gar nichts geändert. Eine ziemlich gute Nachricht für diejenigen, die dem ollen Onkel Blues von Zeit zu Zeit gerne einmal über die Schulter schauen.

Vom ersten Ton des prototypischen Bar-Schunklers, als der sich der Titeltrack offenbart, bis zu den letzten Klängen von "Come Back Muddy" verbreitet das neueste Album des Blues-Grinsepeters eine herrlich antiquierte Atmosphäre. Mit einigen Gästen an seiner Seite schüttelt der Veteran ein locker und leicht klingendes Album aus dem Ärmel. Ein wenig gesetzter wirkt er dabei zwar, aber böse grummelnde Nummern hat er ebenso parat. Zum Beispiel, wenn er in einem Boogie-Rumpler wie "Wear You Out" mit ZZ Tops Billy Gibbons über staubige Highways cruist. Hier dudelt Guys Stratocaster im Verbund mit Billys typischen Gitarrenlicks ganz famos.

Auf seinem gefühlt hundertsten Album thematisiert Buddy die ewig gleichen Blues-Geschichten, immer ein wenig schizophren. Wenn er in "Backup Mama" den ollen Tunichtgut mimt, klingt der fremdgehende Schlingel durch: "I got a backup mama if mama number one is not around." Im folgenden "Too Late" schmollt er: "I'm tired of your deceivin' and I can't stand your creepin' I'm gone." Man möchte ihm den Spiegel vorhalten. Musikalisch lässt Guy speziell in Letztgenanntem nichts anbrennen, mit Kim Wilson unterstützt ihn ein begnadeter Blues Harp-Spieler.

Etwas opulenter geht es zu Werke, wenn sich Joss Stone an seine Seite stellt. Raus aus dem Club, rein in den Konzertsaal. Streicher verleihen dem Backbeat-Schunkler samt Honkytonk-Klavier einen etwas mondäneren Anstrich, während sich die beiden gesanglich gegenseitig anflirten.

An der einen oder anderen Stelle könnte das Soundkostüm ein wenig mehr Dreck vertragen: Die Songs wirken fast durchgehend sehr glatt produziert. Man wünscht sich mehr Riff vom Schlage "Whiskey, Beer & Wine", das derbe vor sich hin raunzt. Die auftauchenden Bläsersätze wirken dagegen etwas deplatziert, wie in "Crying Out Of One Eye".

Guy wünscht sich mit einer Träne im Knopfloch zwar Muddy Waters zurück ("Come Back Muddy"), aber den kann er auch gerne in Frieden ruhen lassen. Auch mit 79 Jahren steht der alte Knabe Buddy noch ordentlich im Saft.

Trackliste

  1. 1. Born To Play Guitar
  2. 2. Wear You Out feat. Billy Gibbons
  3. 3. Back Up Mama
  4. 4. Too Late feat. Kim Wilson
  5. 5. Whiskey, Beer & Wine
  6. 6. Kiss Me Quick feat. Kim Wilson
  7. 7. Crying Out Of One Eye
  8. 8. (Baby) You Got What It Takes feat. Joss Stone
  9. 9. Turn Me Wild
  10. 10. Crazy World
  11. 11. Smarter Than I Was
  12. 12. Thick Like Mississippi Mud
  13. 13. Flesh & Bone feat. Van Morrison
  14. 14. Come Back Muddy

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1 Kommentar

  • Vor 7 Jahren

    Der verstaubte Glamour guter alter Zeiten zeigt sich hier in jeder Sekunde. Einmal die Zeit baumeln lassen und ohne Umschweife direkt aus dem Herz spielen. Buddy und Co. sind vom aussterben bedroht und ich freu mich wenn es solch gute Lebenszeichen gibt.