laut.de-Kritik

Zwischen Neo- und Neon-Chanson.

Review von

Lud Zeebee in der Vergangenheit gern einmal auf ein elegant funkelndes Tanzparkett, widmet sich die aparte Österreicher 2010 den leiseren, nachdenklicheren Tönen in einem Kosmos aus sanften, mitunter verspielt wirkenden Elektro-Klängen. Die Grundausrichtung des Albums macht der Titeltrack gleich klar: verschleppt treibt der Beat auf der sphärischen Zeebee-See, begleitet von klagenden Meeres-Violinen und der Suche der Sängerin nach ihrem ganz persönlichen "Captain of my heart".

Man ahnt bereits hier, dass diese Reise nicht so bald endet: die Themen der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau nehmen weiterhin den ersten Platz ein. Das alles aber nicht verklärt-romantisierend oder womöglich schnippisch-kühl, sondern mit Blick auf die Dinge dahinter und dazwischen inszeniert. Würde Griechenlands großer Dichter Homer heute leben, und dieser Tage an seiner "Odyssee" arbeiten - eine Rolle der sagenhaften Sirenen würde er sicher mit Zeebee besetzen. Es ist schier unmöglich, sich ihrem betörenden Gesang zu widersetzen.

Nicht nur im Titel geht es auf "La Belle Nation" auf eine Reise in unser Nachbarland, doch statt klischeehaft frankophile Sound-Effekte einzubauen, arbeitet das Arrangement vornehm zurückhaltend mit französisch eingefärbten Tupfern. Eine Sprache, die dem verführerischen Klang von Zeebes Stimme sehr zugute kommt, unterlegt mit dezenten Drums und leise um die Ecken taumelnden Piano-Akkorden. Neugierig trippelt später das "Rehlein" in einer chilligen Sixties-Lounge.

Im eindringlichen "Sensibility" gibt Zeebee in Begleitung eines Schiffer-Akkordeons die Nachts wartende Schöne, irgendwo am Hafen, unter einer einsam leuchtenden Laterne. Ein markanter Bass unterlegt den Glitter-Blues von "You Do Me Wrong", in dem Zeebe eine besonders eindringliche Performance abliefert. Die Elektro-Chanteuse greift mit der Wahl ihrer Zutaten auf "Be My Sailor" mondäne Stil-Themen der Vergangenheit auf.

So entsteht beim Hören vor dem geistigen Auge das Bild einer mondänen Diva, die in einem Club klassischer Prägung ihr Publikum unterhält, doch mit fassadenhafter Gestrigkeit hat die Künstlerin nichts zu schaffen. Die Elemente der Vergangenheit dienen ihr lediglich als Scharnier. Trotz der elektronischen Ausrichtung wirkt die Atmosphäre nie kühl oder berechnend, sondern intim, zart und fragil. Zeebee bietet Neo- und Neon-Chanson gleichermaßen, fein abgeschmeckt mit Dub-Elementen, viel Hall und einer Prise Trip Hop.

Für die Produktion von "Be My Sailor" zeichnet Klaus Waldeck verantwortlich, mit dem sie bereits für dessen vielbeachtetes "Ballroom Stories" zusammenarbeitete. Zeebee 2010: noch immer nicht so richtig in eine Schublade zu stecken, dafür tanzt sie einfach zu schwer fassbar in ihren angenehm versponnenen, musikalisch mit vielen Sound-Facetten ausgestatteten Spiegelwelten.

Trackliste

  1. 1. Be My Sailor
  2. 2. Jealous
  3. 3. La Belle Nation
  4. 4. The One I Am
  5. 5. In Peace We Live
  6. 6. Educating Me
  7. 7. Rehlein
  8. 8. Please
  9. 9. Sensibility
  10. 10. You Do Me Wrong
  11. 11. Fairy Tale

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