laut.de-Kritik

Treibend-sehnsüchtiger Break-Beat aus Texas.

Review von

Du fährst durch Landschaften, egal ob mit dem Schnellzug durch menschenleere Natur oder mit der S-Bahn über die Pulsschlagadern der Großstadt hinweg. Es gibt Platten, die können dieses Gefühl, das man in diesen Momenten manchmal bekommt, aufsaugen und es konservieren für Dich. Dieses Gefühl von Erhabenheit, wenn diese Landschaften an Dir vorbeihuschen und Du Dich dennoch untrennbar mit ihnen verbunden fühlst. Dieses Gefühl, dass, wenn Du die Weite jenseits des Fensters siehst, diese ganzen Dinge und wie sie an Dir vorbeilaufen, sich auf einmal auch Deine Gedanken weiten, Dein Kopf ist auf einmal nicht mehr fix, sondern nimmt selber Fahrt auf zu einer Reise durch Assoziationen und Tagtraumbilder.

"You Are Beautiful At All Times" von Yppah ist so eine Platte. Joe Corrales, ein 24-jähriger Spund aus Texas, zeichnet auf seinem Debüt zwölf instrumentale, elektronische Skizzen, die akustische, "echte" Instrumente mit mal fiepsiger und mal wummeriger Frickelei verbinden. Bevor Corrales in einer Turntablist-Group war und verquere House- und Hip-Hop-Sounds mischte, spielte er zehn Jahre lang Gitarre und Bass in verschiedenen, kleinen Rockbands. Das hört man der Platte an: stets ist der Bass ein dicker, massierender Grund und Boden für das umeinander Kreisen von akustischen Gitarren und gebrochenen Beats.

Der Opener "Ending With You" beginnt mit einem ebensolchem schweren Basslauf, dazu ein hektisch - treibendes Schlagzeug, es nimmt Fahrt auf und dann setzt Corrales einen unheimlich sehnsüchtigen Gitarrenlauf obendrauf und hebt ab zu einem filmisch-epischen Sound, der aber stets fiepst und flirrt und dazu kickt wie Sau. Es ist Break-Beat Musik mit größtenteils analogen Mitteln, dies verleiht den Stücken auf dem Album eine große Wärme und diese immer dichte, menschliche, nie gänzlich kalte Atmosphäre.

Zwar dekonstruiert Corrales immer wieder seine feingliedrigen Soundcollagen, baut Störgeräusche und sich selber loopende und zerhackte Passagen ein, dass es eine Freude ist; aber auch die vermeintlich fiesesten Bass und Beat-Gewitter werden auf diesem Album immer wieder aufgehellt durch eine akustische Gitarre, die sich aus den dunkleren Passagen herausschält. Es ist ein beständiges Hin und Her zwischen sphärischem Schönklang und dessen rhythmisch-tanzbarem, Drum'n'Bass-lastigen, bisweilen düsteren Unterbau.

"I'll Hit The Breaks" kommt mit verschleppten, hip-hoppigen Zwischenpassagen daher, "Again With The Subtitles" geht richtig nach vorne, "What’ s The Matter?" erinnert in seiner Entspanntheit wiederum an Stücke von LTJ Bukems EARTH-Reihe. "The Subtitles That Count" wird von einer durchgedrehten Harfe auf Speed dominiert, "Good Like That" erinnert mit seinem fernöstlichen Klängen ein wenig an die Thievery Corporation. Um Abwechslung braucht man sich bei der breiten musikalischen Sozialisation von Joe Corrales also auch keine Sorgen zu machen.

Was jedoch bleibt, ist ein heftig nickender Kopf, ab und zu ein sich in den Break-Beats windender oder tanzender Körper und der Blick aus dem Fenster auf die Weite mit weit aufgerissenen Augen. "You Are Beautiful At All Times" ist wirklich voller Momente von gebrochener Schönheit, voller Schnipsel und Flächen, voller Bässe und Beats, doch über all dem schwebt eine melancholische Ruhe, genau diese Ruhe, die man bei den vorbeisausenden Landschaften verspürt.

Trackliste

  1. 1. Ending With You
  2. 2. I'll Hit The Breaks
  3. 3. Again With Subtitles
  4. 4. The Subtleties That Count
  5. 5. We Aim
  6. 6. What's The Matter?
  7. 7. In Two, The Weakly
  8. 8. Almost In That Category
  9. 9. Good Like That
  10. 10. Cannot See Straight
  11. 11. It's Not The Same
  12. 12. Longtime

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2 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 11 Jahren

    Oooh mein Gott! WAS zur Hölle ist DAS? Nach Lemon Jelly und Death in Vegas hat nun Yppah ein musikalisches Verbrechen begangen. MUSIK BESTEHT AUS MEHR ALS ZWEI ARKODEN!

    Diese :wusrt: hört sich an, als ob hier ein paar Jungs aus der Oberstufe ein bisschen was auf die Beine gestellt haben, vorher in ihrem Leben aber noch nie eine Gitarre gesehen haben. Selbst das Schlagzeug ist erbärmlich gespielt. Es ist traurig, aber so ist es.

    KAUFT EUCH DIESE CD AUF KEINEN FALL! Wer diese Musik gut findet, sollte sich lieber mal bei Genre-Größen umsehen oder Charts hören. Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen, da ich diese CD nicht noch einmal hören will. Sie ist einfach schrecklich!

  • Vor 10 Jahren

    Großartige Rezension zu fantastischer Pladde.
    Der Ironie Modus ist bei mir aber aus.
    Also echt jetzt, die Rezension trifft voll ins schwarze.

    Bald soll das nächste Album fertig sein, "Telecine".
    Lasst uns warten auf Großes