3. Mai 2013

"Ich träume davon, in Nordkorea zu spielen"

Interview geführt von

Im Gespräch mit laut.de beleuchtet der südkoreanische Pianist seinen Werdegang und outet sich als Britpop-Fan."Hello, this is Yiruma! How are you?" Die Stimme des südkoreanischen Pisanisten klingt am Telefon höflich, mit einem ruhigen Tonfall ausgestattet, und äußerst warmherzig. Anlass des Gesprächs ist der anstehende Auftritt in Berlin.

Yiruma, nach meinen Informationen ist dies dein erster Deutschland-Besuch. Wie gefällt es dir hier?

Ich war schon einmal da, letztes Jahr! Für die TV-Show "Willkommen Bei Carmen Nebel". Aber diesmal ist es für mein erstes eigenes Showcase in Berlin. Ich persönlich bin wirklich erstaunt, wie viele Leute hier mich und meine Musik kennen. Das ist nicht selbstverstänndlich, dass ich hier in Europa auf so viel positive Resonanz stoße, gerade als südkoreanischer Musiker. Was aber sicher auch der Verbindung meines Liedes "River Flows In You" zum Film "Twilight" zu danken ist. Die Aufnahme hier in Deutschland ist mir gegenüber ungeheuer herzlich, ich fühle mich sehr wohl.

Du bist ja bereits als Jugendlicher sehr früh mit der Familie nach London übergesiedelt. Was gab den Anstoß zur Beschäftigung mit klassischer Musik?

Nun, in London sind die Möglichkeiten zu einem Studium in der Richtung viel besser als daheim. Auch meine Schwester hat mich sehr beeinflusst, die sich in der ganzen Materie schon weit mehr auskannte, und mich da quasi einführte durch Konzertbesuche und ähnlichem. Meine Eltern lieben sowieso die Klassik, von daher war ich von Anfang an im richtigen Umfeld, sodass meine Neugierde nicht überraschend geweckt wurde. Meine Schwester spielte schon Piano, als ich mich noch im Vorschulalter befand. Das hatte mich fasziniert, und wollte das auch unbedingt können. So bekam ich bereits mit fünf Jahren Unterricht. Das hat mir von Anfang an viel besser gefallen als die Kindergartenbesuche! lacht

Fiel die Umstellung von Südkorea auf Europa schwer, gerade, wenn man noch ein Heranwachsender ist? Denn kulturell sind das gewichtige Gegensätze.

Ja, die Unterschiede sind tatsächlich sehr groß. Und es waren ganz harte Zeiten zu Beginn, daran erinnere ich mich sehr gut. Es hatte etwas von einem echten Kulturschock. Die Sprache war fremd, alles Vertraute, an das man sich sonst halten konnte, war fort. Ich war zunächst völlig außerstande, mich einzufinden. Meine Eltern zeigten sich sehr bekümmert deswegen, waren aber natürlich immer die ganz große Stütze. Und allmählich fand ich mich immer besser in die neue Umgebung hinein. Doch das nahm viel Zeit in Anspruch, mehr, als ich zunächst dachte.

Kann man sich dennoch irgendwann heimisch fühlen?

Aber ja. Das geschieht allerdings in Etappen. Als ich älter wurde, besuchte ich gern unterschiedlichste Musikclubs. Die Musik ist eine universelle Sprache, die überall verstanden wird, das hat sehr geholfen. Ich hatte später eine Freundin, die ebenfalls Musik studierte. Sie bat mich, für sie einige Sachen zu komponieren. Auch wenn da noch immer Sprachprobleme bestanden, war die Musik einer der Wege, untereinander eine gemeinsame Sprache zu finden, und miteinander zu kommunizieren.

"Ich sehe mich als einfachen Piano-Spieler"


Du spielst Klavier ja nicht im ausschließlich klassischen Sinn. Wo stufst du dich und deine Musik ein?

Ich bin da sehr vorsichtig, und scheue da auch womöglich zu große Worte. Ich sehe mich nicht als Pianisten im herkömmlichen Sinn, sondern eher als einfachen Piano-Spieler. Gut, ich bewege mich im klassischen Bereich, aber im Gegensatz zu einem ganz reinen Pianisten dieser Sparte fehlen mir gewisse Fähigkeiten, um die ich sie sehr beneide. Ich versuche, dennoch etwas ganz Eigenes zu kreieren, fort von manchen Vorgaben, einfach mein eigenes Ding.

Beim Hören fallen mir einige Einflüsse wie z. B. Chopin auf, liege ich da richtig?

Oh ja. Chopin, Schubert, da habe ich eine Menge Favoriten, deren Arbeit ich sehr bewundere. Da ist nicht nur einer, der über allen steht, und den ich bevorzugt schätze. Was ebenfalls verhältnismäßig jüngere zeitgenössische Musik einschließt, etwa Edward Elgar. Zudem mag ich gerade romantische Musik sehr gern.

Woraus beziehst du die Inspiriationen zu deinen Liedern?

Manchmal ist das schon lustig, wo oder wobei manch Titel seinen Ursprung fand. Es gibt da keine besonderen Rituale. Eine Idee kann mir beim TV-Sehen kommen, oder während eines ausgedehnten Spaziergangs, während des Radiohörens - es muss nicht zwangsläufig Stille um mich herum sein. Da sind schon mitunter seltsame Situationen. Filme, Bücher ... eigentlich kann alles eine Inspiration darstellen.

"Ich habe mich auch an Hip Hop probiert"


Spielen Pop, Rock oder Jazz eine Rolle bei deinen Vorlieben?

Oh ja. Ich liebe sogar Rockmusik, mag Jazz in der Art, wie Keith Jarrett ihn spielt. Travis schätze ich sehr, und Richard Ashcroft. Wahrscheinlich habe ich mich zwangsläufig zu einer Art Fan von Britpop entwickelt. Ich bemühe mich, möglichst Vieles zu hören ... und versuche, manches auch zu mögen. lacht Ich habe sogar versucht, selber Rocksongs zu schreiben, mich sogar einmal an Hip Hop probiert.

Hip Hop? Das erscheint sehr entfernt von dem, was auf den Platten zu hören ist.

Aber ja! Das war auch mehr ein besonderes Experiment, als ich einmal wieder in Südkorea war. Dort arbeitete ich bei einem Kollaborations-Projekt mit einem dortigen Hip Hop-Musiker zusammen, eine ganz spannende Erfahrung. Das ist auch sehr wichtig für mich, und etwas, das ich gern mache: der Austausch mit anderen Musikern, um den eigenen Horizont zu erweitern. Es gelingt nicht immer, aber ich bemühe mich! Man muss gemeinsam kommunizieren, gemeinsam interagieren. Ideen entwerfen, sie prüfen lassen. Das hilft mir sehr bei der Arbeit an den eigenen Titeln.

Wie denkst du über die angespannte politische Lage zwischen Nord- und Südkorea, wie ist deine Einschätzung für die Zukunft?

Es ist eine ganz furchtbare Situation, eine schreckliche. Ich persönlich bin überzeugt, dass meine Hoffnung auf eine friedliche Lösung wahr werden wird. Schon immer träumte ich davon, auch einmal in Nordkorea ein Konzert geben zu können - und eines Tages wird es so sein, das fühle ich. Das wünsche ich mir sehnlich, davon träume ich schon immer. Die Musik kann hilfreich dabei sein, dass die Menschen zusammenkommen. Auch wenn es nicht direkt vergleichbar ist, befand sich ja auch Deutschland 1989 in einer besonderen Situation, die gänzlich ohne Gewalt gelöst wurde. Dieses Beispiel gibt Mut, und stärkt in mir die Hoffnung auf ein friedlich geeintes Korea.

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