laut.de-Kritik

Den West Coast-Bombast von 2014 hört man hier nur noch als Referenz.

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Vor etwa einem halben Jahrzehnt waren DJ Mustard und Mike Will Made It die dominanten Namen der Hip Hop-Produzenten-Front. Dass sie nun mit "Stay Dangerous" von YG ein ganzes Album im Jahre 2018 verantworten, sorgt für einen der seltsameren musikalischen Anachronismen des Rapjahres.

Das liegt vor allem an YG, der nach dem durchschlagendem Erfolg von 2014s "My Krazy Life" ein wenig ins Schwimmen zu geraten scheint, wo er sich musikalisch verorten will. Den West Coast-Bombast, den er 2014 mit DJ Mustard erschaffen hat, spürt man hier nur noch als Referenz. Zwar fallen immer noch Shoutouts an 2pac oder Ice Cube, musikalisch ist das Tape aber mehr Atlanta als Compton.

Ein wenig nachvollziehbar ist es ja schon auch, immerhin ist die kontemporäre Westküste derzeit eher fragmentiert. Weg ist die kurze Revival-Phase um diese Zeit, die mit "Good Kidd, Maad City" und "Documentary 2" von The Game eingeleitet schien, heute heißen die zeitgenössischen LA-Stars SOB x RBE oder Buddy. Untergrund-Namen, bestenfalls. Nichts, auf dem ein A-Lister wie YG seinen Zeitgeist fußen lassen kann.

Deswegen klingt "Stay Dangerous" wohl auch wie das Album, das zwar auf Tracks wie "Suu Whoop" Sachen wie "I ain't with that pink haired blood shit" veräußert, dann aber doch die Features von Quavo oder Young Boy Never Broke Again heranzieht. Musikalisch spielt das Tape ausgerechnet eher dann stark auf, wenn YG auf charakterstarke Gäste aufbaut.

Zum Beispiel ist "Handgun" mit A$AP Rocky, einer der wenigen Tracks, bei dem Gang-Affiliation zu mehr als bloßer Ästhetik verwendet wird. Ein Track, der durch YGs manischen Stimmeinsatz und Rockys extravagantes Cool zu einer regelrecht militärischen Drill-Hymne heranwächst. Auch "Too Brazy" mit Sacramento-Aufsteiger Mozzy vermittelt Streetrap-Härte, ohne zu sehr in pure Phrasendrescherei auszuarten.

Dagegen stehen einige Songs, die sich recht schnell als schamlose Filler identifizieren lassen. "Pussy Money Fame" und "Bulletproof" bleiben weitestgehend ereignislos, die Produktion spielt irgendwo im kontemporären Medioker, der Rap windet sich dank Bloods-Klischees und Phrasen um alles Substantielle.

Sich auf vergangene Zeiten zu besinnen, das hilft dem Projekt aber noch weniger als der schamlose Opportunismus in Tracks wie dem Autocrooner "Slay" mit Quavo oder dem müden Atlanta-Trunkruttler "666" mit YoungBoy Never Broke Again. Im Mittelteil stellt sich eine üble Phase 2013-Throwbacks ein, in der auch DJ Mustards in schlimmste Gewohnheiten zurückfällt.

Unweigerlicher Tiefpunkt ist die Nummer "Too Cocky", auf der Mustard einen archaischen "My N*gga"-Type-Snapbeat auspackt, während YG eine Hommage auf Right Said Freds "I'm Too Sexy" zum Besten gibt. Wer auch immer das abgesegnet hat, möge in der Hölle schmoren. Besser wird es nur bedingt, wenn "Big Bank" mit 2 Chainz, Big Sean und Nicki Minaj einen Track ausgräbt, der 2012 sicherlich ein Riesen-Hit gewesen wäre. Die Klimper-Synths, die uninspirierten Parts und bis auf 2 Chainz' kongeniales "Big shit like a dinosaur did it" völlig austauschbaren Lyrics klingen heute aber nicht nur langweilig, sondern völlig aus der Zeit gefallen.

Zumindest pendelt das Album mit "Bomptowns Finest" auf einem Highlight aus. Der Track, der am ehesten noch im Vibe von "My Krazy Life" stattfindet, zeigt nicht nur eine der musikalisch tiefschürfendsten Performances der Platte, sondern auch einen YG, der zu mehr im Stande ist als stumpfer Glorifizierung von Gang-Gewalt. Eine Facette, die im "Pussy Money Fame"-Trott des Projekts bis dahin deutlich zu kurz gekommen ist.

"Stay Dangerous" versucht etwas zu sehr, dem eigenen Titel gerecht zu werden. Statt die Goldvene von "My Krazy Life" weiter zu erkunden, versinkt es in einer kommerziellen Anbiederung, die sowohl im Adaptieren von aktuellen Trends wie im Reanimieren von Mustards und Mike Wills 2013-Hit-Formel scheitert. Charakter, Authentizität und Micskill von YG können in Anbetracht von so leerem Songwriting nur bedingt viel retten, so dass abgesehen von ein paar soliden Tracks ein relativ unbeeindruckendes Album entstanden ist.

Trackliste

  1. 1. 10 Times
  2. 2. Bulletproof (feat. Jay 305)
  3. 3. Handgun (feat. A$AP Rocky)
  4. 4. Suu Whoop
  5. 5. Cant Get It In Kanada
  6. 6. Too Cocky
  7. 7. Big Bank (feat. 2 Chainz, Big Sean & Nicki Minaj)
  8. 8. Power (feat. Ty Dolla $ign)
  9. 9. Slay (feat. Quavo)
  10. 10. 666 (feat. YoungBoy Never Broke Again)
  11. 11. Too Brazy (feat. Mozzy)
  12. 12. Pussy Money Fame
  13. 13. Deeper Than Rap
  14. 14. Free The Homies Interlude
  15. 15. Bomptown Finest

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