laut.de-Kritik

Nach der zehnten Ballade wünscht man sich die Wucht, die nur Strom erzeugt.

Review von

"Schön, dass ihr hier seid", begrüßt Xavier Naidoo sein Publikum in der Frankfurter Festhalle. Am 2. Dezember 2017 spielte er dort im Rahmen der "Nicht Von Dieser Welt"-Tour ein Konzert, das er nun auf einem Doppelalbum herausgebracht hat. Wirklich Not tat das nicht. Es sei denn, der 48-Jährige braucht dringend etwas Weihnachtsgeld.

Naidoo trat nicht mit seiner regulären Band auf, sondern in einer Akustikbesetzung mit Percussions, Klavier und Gitarre. "Danke Fürs Zuhören 2" ist bereits die dritte Akustik- und siebte Live-Platte des bekanntesten deutschen R'n'B- und Soul-Sängers. Damit hat Naidoo drei Live-Alben mehr als Herbert Grönemeyer veröffentlicht. Und der Bochumer hat immerhin sechs Studioplatten Vorsprung.

Dass der Mannheimer eine beeindruckende Stimme besitzt, zeigt er auf Songs wie "Bitte Hör Nicht Auf Zu Träumen" unter tosendem Applaus. In der Kommunikation mit seinem Publikum verhält sich Naidoo zurückhaltend, aber freundlich. Kumpelmäßig fragt der Sänger, wer ein Träumer ist. Das komplette Publikum so lässt es das Geschrei vermuten.

Nach mehr als 20 Karrierejahren hat Xavier Naidoo seine Songs ins Unterbewusstsein der Deutschen gebrannt. "Danke Fürs Zuhören 2" unterstreicht das. Millenials flitzen die Nostalgierutsche runter, wenn sie Songs wie "20.000 Meilen", "Wo Willst Du Hin" oder "Sie Sieht Mich Nicht" hören. Die jüngsten Eskapaden des 48-Jährigen sind da schnell vergessen.

Zwei Stunden Xavier Naidoo in akustisch erfordert dennoch eine hohe Aufmerksamkeitsspanne. Nach der zehnten Klavierballade, die mit dezenten Schlaginstrumenten unterlegt ist, wünscht man sich die Wucht, die nur Strom erzeugt. Da hilft es auch nichts, wenn Naidoo die Songs teilweise auf sieben oder gar acht Minuten ausdehnt.

Sohn Mannheims und Gitarrist Alex Auer darf am Ende des zweiten Drittels Solo ran. "Sing It Loud" sticht als emotionales Singer-Songwriter-Stück aus der Tracklist heraus. Es spricht für Naidoo, dass er das Scheinwerferlicht seinem Mitmusiker überlässt. Ursprünglich erschien das Lied auf Auers Platte im Duett mit Naidoo.

"Wettsingen In Schwetzingen", das 2008 gemeinsam mit Söhne Mannheims unter dem "MTV Unplugged"-Banner erschien, bietet das spektakulärere Akustikprogramm. Beinharte Fans werden sich trotzdem über dieses überflüssige Doppelalbum freuen und Naidoos Geldbeutel füllen. Die Zielgruppe ist groß. 200.000 Menschen besuchten die "Nicht Von Dieser Welt"-Tour.

Trackliste

  1. 1. Wo Willst Du Hin?
  2. 2. Bitte Hör Nicht Auf Zu Träumen
  3. 3. Phrasen Für Dich
  4. 4. Der Kreis
  5. 5. Wir Haben Alles Gute vor uns
  6. 6. Wenn Du Es Willst
  7. 7. Mut zur Veränderung
  8. 8. Halte durch
  9. 9. 20.000 Meilen
  10. 10. Mach Dir Keine Sorgen
  11. 11. Oh My Lady
  12. 12. Sie sieht mich nicht
  13. 13. Bei Meiner Seele
  14. 14. Alles Kann Besser Werden
  15. 15. Nimm Mich Mit
  16. 16. Sing It Out
  17. 17. Alle Männer müssen kämpfen
  18. 18. Söldnerlied (Drogen und Gold)
  19. 19. Stille
  20. 20. Hört, Hört
  21. 21. Ich Kenne Nichts (das So Schön Ist Wie Du)
  22. 22. Kleines Lied (Kinderlied)
  23. 23. Ich brauche Dich
  24. 24. Dieser Weg

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5 Kommentare mit 42 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Eine ungehörte 1/5 ist hier natürlich Pflicht!

  • Vor 2 Jahren

    Debütalbum gefeiert aber alles danach als grausam empfunden!
    Muss man auch erstmal hinbekommen!
    Obwohl.....Elvis, ja bei Elvis ist das auch so! Leider haben wir nicht 1977 und Xavier hat die 42 auch schon überschritten....

  • Vor 2 Jahren

    macht komische muzik aber ist sonts in ordung mag inteviews mit ihn gern

  • Vor 2 Jahren

    Ich sags immer. Der war mal gut. Das doppel Album Zwischenspiel/Alles für den Herrn kram ich immer mal wieder gerne raus. Wofür Herr Naidoo heute steht und die unfassbar grottischen Alben die er macht lassen mich sprachlos zurück. Wo willst du hin sang er mal... Ja lieber Xaver, wo willst du hin?

  • Vor 2 Jahren

    Soso. Ironisch wird angemerkt, dass Xavier Naidoo sein Publikum nach Banalitäten fragt. Bei anderen Künstlern findet man es dennoch geil, wenn auf ein "Hallo Berlin!" lautes Gejohle ertönt. Der Mensch Xavier Naidoo mag polarisieren. Das sieht man schon daran, wie unsachlich und selbstherrlich die Mehrheit im Kommentarbereich ein Album kommentiert, das diese offensichtlich nicht gehört hat. Von einem Musikredakteur hätte ich mir jedoch mehr erwartet.

    Allen an der Musik interessierten Mitmenschen kann ich nur empfehlen, sich ein eigenes Bild zu machen. Denn nachdem ich bei einigen der neueren Alben von Xavier Naidoo auch so meine Probleme mit der musikalischen Qualität des Gebotenen hatte, finde ich dieses Album endlich mal wieder sehr gelungen. Die Liedauswahl könnte man als "best of" bezeichnen, die Abmischung empfinde ich als sehr gelungen und die Live-Atmosphäre erzeugt oftmals ein wohliges Unplugged-Feeling. Das gibt selbst den bekanntesten Liedern eine neue Qualität, ja es macht einfach Spaß, alte Klassiker so neu zu entdecken. Und ja, nach zehn Balladen muss ich auch mal wieder etwas mit mehr Drive hören. Aber man muss die über das Album verstreuten Balladen ja auch nicht alle direkt hintereinander hören. Das klingt so eher nach gezielter Selbstgeißelung und nicht nach einem offenherzigen Hörerlebnis.

    Im Endeffekt halte ich dieses Live-Album für durchaus gelungen. Wirklich Neues bietet es jedoch nicht. Das ist bei Mitschnitten von Touren der wenigsten Künstler jedoch zu erwarten.