laut.de-Kritik

Nur der übliche Postpunk-Hype aus Britannien?

Review von

Unverkennbar die Vorliebe fürs Schwermütige, und doch herrlich hoffnungsvoll zugleich: Songtitel wie "Death" oder "To Lose My Life" lassen Unheimliches vermuten und erinnern bisweilen an Joy Division und Co. Klanglich geht es bei White Lies bei genauerer Betrachtung aber um einiges freundlicher, kraftvoller und vor allem erbaulicher zu, als es Texte oder Cover auf den ersten Blick vermuten ließen. Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Brown spielen lediglich mit Klischees und Etiketten.

Mit ihrem Debüt traten sie eine schier unaufhaltsame Hype-Lawine im UK los. Dass die Zeilen aus Caves Feder oft von den dunkleren Seiten des Lebens erzählen, heißt nicht, dass hier ein Hang zum Morbiden zelebriert wird. Als "emotional und intensiv" beschreibt der Bassist den Erstling, mit "deprimierend" könne er sich dagegen ganz und gar nicht anfreunden, heißt es im Interview. Stücke, wie "Death" oder "A Place To Hide" stützen diese Ansicht, indem sie mit großen, perfekt gesetzten Melodien triumphieren. Harry McVeighs eindringliche und warme Stimme tut ihr Übriges.

Bass und Gesang buhlen um die Aufmerksamkeit des Hörers, bis sich Synthesizer-Wellen unaufhaltsam und gewaltig dazwischen schieben. "Unfinished Business", das den musikalischen Reifeprozess markiert, eröffnet mit theatralischem Keyboardspiel, baut sich bedächtig auf und entfaltet ab der Mitte volles Potenzial. White Lies lassen ihre Stücke kontinuierlich wachsen und spielen so gekonnt mit Spannung und Neugier.

Spätestens ab dem Refrain wickeln die im New Wave, Pop und Alternative fußenden Nummern dann aber ganz um den Finger. Bestes Beispiel: "Farewell To The Fairground", das Anfangs eher zurückhaltend scheint, sich alsbald aber zum heimlichen Highlight der Platte mausert. "Nothing To Give" schließt hier an, stimmt sphärisch ein und dreht die Instrumentierung erst im letzten Viertel voll auf. Dass auch die ruhigeren Passagen wahrlich pompös wirken können, stellt dieser Track einmal mehr unter Beweis.

Gelegentlich geraten die Lyrics etwas zu kitschig, siehe "Fifty On Our Foreheads": "The moonlight licked the face of danger". Dafür entschädigen dramatisch angelegte Liedstrukturen und prächtige Melodieführungen. Manch einer mag den Briten mangelnden Variantenreichtum vorwerfen. Man kann "To Lose My Life" aber auch einfach für eine Kohärenz und Dichte loben, die schon jetzt Vorfreude auf den Zweitling schürt. Sicher keine musikalische Revolution, aber ein würdiges Hype-Thema.

Trackliste

  1. 1. Death
  2. 2. To Lose My Life
  3. 3. A Place To Hide
  4. 4. Fifty On Our Foreheads
  5. 5. Unfinished Business
  6. 6. E.S.T.
  7. 7. From The Stars
  8. 8. Farewell To The Fairground
  9. 9. Nothing To Give
  10. 10. The Price Of Love

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14 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    das is eines der besten alben, die ich je in meinem leben gehört habe.
    da stimmt so gut wie alles; ein top hit nach dem anderen.
    auch die 3 bonus songs sind einfach überragend (was man sonst eher selten hat).
    ein absoulut komplettes album, welches eher die laune hebt statt sie zu mindern.

    Hätten mindestens 5/5 Punkte sein müssen!

  • Vor 12 Jahren

    ...believe the hype!

    Finde auch das die Platte sehr gut ist. Manches davon höre ich seit Tagen rauf und runter.

    Texte voller Melancholie und Lebensbejahende Klänge treffen sich und gehen eine sehr hörenswerte Liaison ein.
    (Ich will auch Musikkritiker sein...und Feuerwehrmann.)

    Fühle mich stellenweise an die Killers erinnert, nur finde ich die White Lies-Texte zugänglicher (oder ganz einfach weniger dämlich.)

    Die Killers sind eine Band für die Discogänger unter uns, White Lies sind für all jene da, die nicht reingelassen werden, weil einem Türsteheraffen etwas nicht passt.

    Aber für die, die gerne Streit mit Türstehern anfangen empfehle ich Disturbed, Trivium, etc.

    Und so kommt man in einem Text vom Hype zur Disco.

  • Vor 11 Jahren

    ganz starke platte, oder besser gesagt: ein ganz starker fisch im meer von indie-fischen. unauffällig beim ersten hören, duddelt sich aber herrlich in das gedächtnis, wenn man der platte etwas zeit gibt.

    legt die scheuklappen ab, leute

    ich bin raus...

  • Vor 11 Jahren

    Ist längst aus der Sammlung wieder rausgeflogen. Nicht zuletzt auf Grund dieses unglaublich arroganten Interviews hier auf laut.de

    Die Musik reizte mich nach kurzer Zeit auch schon nicht mehr.

  • Vor 10 Jahren

    Seit dem 3. Durchhören hat sich das Album zum Dauerbegleiter in Bus und Bahn gemausert.
    Kraftvoll und doch intim, druckvoll und gleichzeitig melodiös...einfach perfekt.
    Ich liebe dieses Album und ich bete dafür, dass der Zweitling von Zeitdruck verschont bleibt, damit noch einmal 10 perfekte Songs über den Ärmelkanal wandern!