laut.de-Kritik

Minutenlange Dialoge über Murrays tief sitzende Hosen.

Review von

2006 war auch das Jahr von We Are Scientists. Ihr Album "With Love And Squalor" gehört sicher zu den besseren Scheiben des Jahres, auch wenn sich der ganz große Hype um die drei Amerikaner nicht wirklich einstellen wollte. Was liegt da also näher, als kurz vor Ende des Jahres noch etwas Verwertbares hinterher zu schieben?

"Crap Attack" versammelt eine Reihe von B-Seiten, Raritäten und Coversongs sowie eine DVD mit Videos zu jedem Song des Debütalbums. Das weithin bekannte Video zum Hit "Nobody Move, Nobody Get Hurt" findet sich hier ebenso, wie die eher unbekannteren Spots zu den anderen Singles "The Great Escape". Darüber hinaus finden sich auf der DVD des "Crap Attack"-Doppelpacks mehr oder weniger absurde Filmchen, die die Musik des Trios inkorporieren.

Die Videos spiegeln dabei den Humor der Wissenschaftler wieder, so dass es durchaus Spaß macht, das ganze Album durchzusehen. So sieht sich die Band irgendwo zwischen charmantem Loser-Image und verloren geglaubtem Charmeur-Image. Die zweite Hälfte der DVD bildet eine Live-Aufzeichnung aus dem Shepherd's Bush in London, die man sich wahlweise mit Bandkommentar zu Gemüte führen kann. Sound und Bild bieten nichts Besonderes, gehen aber in Ordnung. Der Gig selbst wartet nicht mit großen Überraschungen auf.

Das bestätigt den Live-Eindruck der Band. Im Konzert stellte sich der Enthusiasmus, den sie auf "With Love And Squalor" verewigt hatten, nicht gleichermaßen ein. We Are Scientist sind eine solide, aber keine überragende Liveband. Somit ist dieser gut einstündige Livemitschnitt lediglich für Fans essentiell. Und für alle, die sich für minutenlange Dialoge über Sänger Keith Murrays tief sitzende Hosen und James Blunt begeistern.

Die CD sammelt dagegen den großartigen Rocker "Ram It Home", eine B-Seite von "Nobody Move Nobody Get Hurt", das langsam groovende "Surprise", das fester Bestandteil ihrer Livesets ist, den sehr WAS-typischen Track "Mucho Más" mit schneidenden Gitarren. Ebenso unverkennbar aus dem Labor der Wissenschaftler: "History Repeats" - dagegen wirkt "This Means War" regelrecht episch. Pathos und Pogo versucht das Dreigestirn hier zu vereinen.

Musikalisch durchaus interessant sind die Coverversionen, derer We Are Scientists sich annehmen. "Hoppipolla", im Original von Islands Klangteppichwebern Sigur Rós zeigt die drei von einer anderen Seite. Ihre von Iggy Pop angehauchte Interpretation von Art Bruts "Bang Bang Rock & Roll" überrascht ähnlich wie "Sie Hat Was Vermisst" von Bela B. himself. Fast sechs Minuten lang versucht sich Frontmann Murray an der deutschen Sprache, er schlägt sich nicht schlecht.

Das live ebenfalls gerne gespielte "Be My Baby" beschließt mit starkem Gitarren-Feedback die Coverstrecke, die "Crap Attack"-CD wird durch einige Remixe und Akustikvariationen abgerundet. Der "Silence Remix" von "The Great Escape" stampft ordentlich mit ganz viel Cowbell, wohingegen "This Scene Is Dead" in der Überarbeitung von Pete Predictable Erinnerungen an die Frühzeit des Technos weckt. "Callbacks Under The Sea" wartet mit einer Gallagher-Gitarre auf, "Nobody Move, Nobody Get Hurt Under The Sea" versprüht mit stelzendem Bass und der hart gepickten Gitarre einen ganz eigenen Charme.

Die beiden netten, aber harmlosen "Under The Sea"-Versionen von "The Great Escape" und "Textbook" beschließen die Scheißattacke, die natürlich gar keine ist. Ob diese Platte der künstlerischen Verwirklichung von We Are Scientist dient oder nur den kommerziellen Interessen der Plattenfirma - Freunden der Band wird es reichlich egal sein, und das kann es auch. Unterhaltsam ist es alle mal.

Trackliste

CD

  1. 1. Ram It Home
  2. 2. Surprise
  3. 3. The Great Escape (The Silence Remix)
  4. 4. Mucho Más
  5. 5. Callbacks Under The Sea
  6. 6. Hoppipolla
  7. 7. Bang Bang Rock & Roll
  8. 8. Nobody Move, Nobody Get Hurt Under The Sea
  9. 9. Sie Hat Was Vermisst
  10. 10. Be My Baby
  11. 11. The Scene Is Dead (Pete Predictable Remix)
  12. 12. History Repeats
  13. 13. This Means War
  14. 14. The Great Escape Under The Sea
  15. 15. Textbook Under The Sea

DVD

Videos

  1. 1. Nobody Move, Nobody Get Hurt
  2. 2. This Scene Is Dead
  3. 3. Inaction
  4. 4. Can't Lose
  5. 5. Callbacks
  6. 6. Cash Cow
  7. 7. It's A Hit
  8. 8. The Great Escape
  9. 9. Textbook
  10. 10. Lousy Reputation
  11. 11. Worth The Wait
  12. 12. What's The Word

Live in Shepherd's Bush Empire

Preisvergleich

Shop Titel Preis Porto Gesamt
Titel bei http://www.amazon.de kaufen We Are Scientists – Crap Attack (CD + DVD) €5,89 €3,00 €8,89

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT We Are Scientists

"Schlaue, kritische Geister mit exzellentem Geschmack und geilen Körpern", so beschreiben die drei New Yorker von We Are Scientists nicht etwa sich selbst, …

7 Kommentare

  • Vor 14 Jahren

    Keine Ahnung was ich davon zu halten habe. Ich liebe den Erstling aber ist dieses B-Seiten Sammelsorium sein Geld wert??

  • Vor 14 Jahren

    Zitat (« Die 15 Songs der CD sind zunächst ... nun ja, nennen wir es etwas schwierig. Die Albernheiten der Band beginnen mit messerscharfen Rammstein-Riffs in "Ram It Homme" und finden ihren Höhepunkt in einer Kombination an Coverversionen, die es so wohl noch nie gegeben hat. "Sie hat was vermisst" von Bela B. - wie sind die bitte da drauf gekommen? - wurde phonetisch eins zu eins nachgesprochen, "Hoppipolla" von den Dreampoppern Sigur Ros sein Flauschekleid genommen und ein kargeres Akustik-Schälchen umgelegt und "Be My Baby" von den Ronettes bis auf ein paar Feedbacks unverändert nachgespielt. Und "Bang Bang Rock'n'Roll" von den Freunden und Labelmates Art Brut können We Are Scientists nicht so viel hinzufügen - das würde bei der Klasse des Originals keine Band schaffen. Aber irgendwie klingt's ein bisschen nach Countrymusik, und das ist doch auch mal was. Dazu kommen nette Akustik-Versionen von "Nobody Move, Nobody Get Hurt", "Textbook" und "The Great Escape" - und einer der besten Songs, die We Are Scientists je aufnahmen: "This Means War" ist kraftvoller New-York-Pop mit grandioser Hook und super Refrain - dass dieses Stück nie auf einem Album landete, ist völlig unverständlich. »):

    triffts wohl ganz gut (cd-kritik von newsflex.de)

  • Vor 14 Jahren

    der albumtitel ist jedenfalls spaßig. vielleicht aber auch nur ehrlich.