laut.de-Kritik

Der Eindruck des nahen Endes ist deutlich zu spüren.

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"Ein perfektes Timing!" würde Warren Zevon mit seinem Sinn für Humor wohl sagen, wenn er seit wenigen Tagen nicht mehr unter uns wäre. Am 28. August ist "The Wind" in den USA erschienen, am 7. September ist der Singer/Songwriter gestorben. Mit einer kurzen Zeitversetzung ist das Album nun auch in Europa zu haben.

Texte und Aufnahmen kamen nach der Ankündigung seines Arztes im August letzten Jahres zustande, dass er unheilbar an Krebs erkrankt sei. Der Eindruck des nahen Endes ist deutlich zu spüren.

"An manchen Tagen habe ich den Eindruck, dass mich nur mein Schatten stützt, an manchen Tagen scheint keine Sonne. Manchmal frage ich mich, was der Morgen bringen wird, wenn ich an mein durchzechtes Leben denke", singt er zu Beginn des Openers . "He Leute, manchmal fühle ich mich ein bisschen einsam, ihr wisst, was ich meine. Ich suche nach einer Frau mit wenig Selbstbewusstsein, die mich zurecht legt und meine Unruhe stillt", heißt es wenige Zeilen später mit einem Anflug von Selbstironie.

Zwar gibt es die eine oder andere Abrechnung wie "Disorder In The House" ("Unruhe im Haus, es gibt einen Fehler im System, die Fliege auf der Scheiße wird alles zum Einsturz bringen"), die Hauptthemen des Albums sind jedoch Einsamkeit und Abschied. Die Krankheit ist eine Gefängniszelle ("Prison Grove"), die einerseits Gefühllosigkeit erzeugt ("Numb As A Statue"), aber auch ein Bedürfnis nach Geborgenheit ("Dirty Life & Times", "Please Stay"). Auch die unvermeidlichen Liebeserklärungen fehlen nicht ("El Amor De La Mi Vida" und das rührende "She's Too Good For Me"). Das schmissige "The Rest Of The Night" verdeckt kaum die dahinter liegende Verzweiflung ("Warum jetzt schon aufhören? Lass uns den Rest der Nacht feiern! Bis neun, zehn oder elf. Es könnte unser letztes Mal sein!"). Angesichts der heiklen Situation kann auch seine Version von Bob Dylans x-fach gecovertem "Knockin' On Heaven's Door" durchgehen.

So sehr die Texte unter die Haut gehen, so wenig überzeugt die musikalische Begleitung. Das ist überraschend angesichts der Riege an Stargästen, die hier aufwarten, darunter Tom Petty, Bruce Springsteen, Jackson Browne, Ry Cooder, Don Henley, Joe Walsh, Billy Bob Thornton und Jim Keltner. "Disorder In the House", "Numb As A Statue", "The Rest Of The Night" und "Rub Me Raw" kommen angerockt daher, aber lediglich Joe Walsh' Slidegitarre kann bei letzterem einen Akzent setzen.

Es sind eher die ruhigen Stücke mit wenig Begleitung, die einen Eindruck hinterlassen. Auf "Please Stay" begleitet Emmylou Harris Zevons brüchige, fast flehende Stimme, es ist aber das abschließende "Keep Me In Your Heart", das sein letztes Anliegen beinhaltet. "Diese Räder drehen sich weiter, aber der Dampf ist fast alle ... es gibt einen Zug, der jede Nacht abfährt und 'wenn alles gesagt und getan ist' heißt ... wenn du morgens aufwachst und diese verrückte Sonne siehst, schließe mich kurz in dein Herz", lautet seine Bitte.

Schade, dass Zevon sein letztes Album nicht alleine aufgenommen hat. Schnörkel- und kitschlos, wie es eigentlich ist, hätte es ohne Ablenkung durch namhafte Kollegen wirklich etwas Besonderes sein können.

Trackliste

  1. 1. Dirty Life & Times
  2. 2. Disorder in the House
  3. 3. Knockin' On Heaven's Door
  4. 4. Numb As A Statue
  5. 5. She's Too Good For Me
  6. 6. Prison Grove
  7. 7. El Amor De Mi Vida
  8. 8. The Rest Of The Night
  9. 9. Please Stay
  10. 10. Rub Me Raw
  11. 11. Keep Me In Your Heart

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