laut.de-Kritik

Im Herbst der Karriere läuft Blackie noch einmal zur Hochform auf.

Review von

Das letzte Mal so richtig gepackt haben mich W.A.S.P. mit "The Crimson Idol". Das gute Stück parkt nun aber auch schon seit über 20 Jahren in meinem CD-Schrank. Seitdem konnte mich das Treiben von Blackie Lawless und Co. nur noch selten in seinen Bann ziehen. "Helldorado" ging kurz vor der Jahrtausendwende noch ganz gut nach vorne. Auch das letzte Studiowerk der Mannen aus dem sonnigen Kalifornien hatte hier und da seine Momente. Aber Songs der Kaliber "Chainsaw Charlie" oder "The Idol" suchte man auch auf "Babylon" vergebens. Von noch breitbeinigeren Klassikern wie "Mean Man", "Wild Child" oder "I Wanna Be Somebody" ganz zu schweigen.

Die Erwartungen waren also nicht allzu groß als das neue Album namens "Golgotha" auf meinem Tisch landete. Doch dann das: Bereits der Opener zeigt den meisten W.A.S.P.-Songs der vergangenen zwei Jahrzehnte die lange Nase. Keine Experimente, keine unnötigen Kurvenfahrten: Mit reichlich Schwung im Hintern rocken die Herren Lawless, Blair, Duda und Dupke endlich mal wieder amtlich nach vorne ("Scream").

Das anschließende "Last Runaway" setzt sogar noch einen drauf. Schon nach dem ersten Refrain bekommt man das tragende Harmoniethema der ersten Arena-Hymne der Band seit gefühlten hundert Jahren nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht hätte man am Ende auf den dann doch etwas überzuckerten Nanana-Part verzichten sollen. Dennoch greift die Band hier nach den Sternen. Und das nicht mit blutbesudelter Skandal-Attitüde, sondern mit klassischem Dur-Hardrock der alten Schule. Wow!

Nach furiosem Beginn dann aber der erste kurze Einbruch: "Shotgun" scheitert trotz guter Ansätze an der "Wild Child"-Hürde. Auch das balladeske "Miss You" muss sich seinem Mentor geschlagen geben. Ähnlich aufgebaut wie der Zartbitterklassiker "Forever Free" hinterlässt der Song nur wenig Spuren.

Mit dem episch angehauchten Schlepper "Fallen Under" befreien sich W.A.S.P. aber schnell wieder von ihren selbst angelegten Ketten. Genau rechtzeitig, um es in fünf Minuten so richtig knallen zu lassen. "Slaves Of The New World Order" kommt als vollgepackte Retrospektive um die Ecke. Spätestens hier schießen jedem eingefleischten Fan der Band Freudentränen in die Augen.

Mit den beiden dynamisch ausgeklügelten Songwriting-Perlen "Hero Of The World" und "Golgotha" serviert die Band zum Finale noch einen nahrhaften Nachtisch, so dass am Ende beide Daumen hoch gehen. Wer hätte gedacht, dass W.A.S.P. noch einmal so auftrumpfen würden? Ich jedenfalls nicht. Applaus!

Trackliste

  1. 1. Scream
  2. 2. Last Runaway
  3. 3. Shotgun
  4. 4. Miss You
  5. 5. Fallen Under
  6. 6. Slaves Of The New World Order
  7. 7. Eyes Of My Maker
  8. 8. Hero Of The World
  9. 9. Golgotha

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