laut.de-Kritik

Manchmal tut es einfach nur weh.

Review von

Zum fünften Mal spielen sieben Künstler bei "Sing Meinen Song" in Südafrika Bäumchen-Wechsel-Dich mit ihren Liedern. Bei manch einem Protagonisten dürfte das Tränchen nicht aus Rührung oder übermäßiger Beweihräucherung geflossen sein. Vielmehr sollte den einen oder anderen eigentlich das blanke Entsetzen gepackt haben.

Bei Rea Garvey etwa beschleicht einen schnell das Gefühl, dass erbarmungslose Sadisten für die Wahl der ihm zugewiesenen Titel verantwortlich waren. Irgendwie rettet sich der sonst durchaus solide Sänger zwar durch die muttersprachlich gesungenen Strophen von Revolverhelds "Lass Uns Gehen". Den irischen Knödel kauend, versucht er dann aber den Chorus auf Deutsch. Hoffnungslos irrt er "swischen Hämbörg, Börlin oder Körln" im Kauderwelsch umher. Lieber Himmel, so lasst ihn doch "gäin"!

Ein noch deutlicherer Anflug von Fremdscham, beinahe schon Mitleid, überkommt den Zuhörer bei Wir Sind Heldens "Guten Tag". Vom geforderten Tempo überfordert, stolpert Rea durch den Song, dem weder seine Aussprache noch seine Stimmfarbe auch nur ansatzweise gut zu Gesicht stehen.

Johannes Strate bekommt mit einem weiteren Holofernes-Song "Denkmal" ein dankbares Cover zugeteilt. Das Lied fiele auf einem Revolverheld-Album gar nicht weiter auf. Mit "Damage Done" beweist er aber, dass seine Band sich mit englischen Texten wohl tatsächlich noch selbst unterbieten könnte. Der Hannoveraner singt Leslie Clios Song mit der Aussprache eines Sextaners im Englischunterricht.

Was Alphaville-Frontmann Marian Gold allerdings zum Besten gibt, grenzt an Körperverletzung. Dabei ist nicht eindeutig klar, für wen die Sache am schmerzhaftesten ist. Angestrengt presst er jeden einzelnen Ton in einer derart emotionalen Inbrunst, als platzten ihm gleich die Eier. "Bring Mich Nach Hause", quetscht er gequält hervor, und man hofft inständig, dass das bald irgend jemand übernimmt. Vielleicht der Gastgeber dieser fünften Staffel, Mark Forster, aber der leiert lieber in gewohnter Manier "Nur Die Liebe Lässt Uns Leben" und "Bow Before You" daher.

Das spezielle Stimmchen von Judith Holofernes kann man mögen oder eben auch nicht. Die Songs für ihre Band schneidert sie sich selbst auf den Leib. Hier merkt man bald, dass sie sich bei ihren Covern in fremder, entsprechend unpassender Klamotte bewegt. Da hilft nur bedingt, dass sie Reas Song "Armour" in eine eigene deutsche Version umarbeitet und damit wenigstens soetwas wie gewohnte Unterwäsche trägt.

Die beiden anderen Damen zeigen sich wandlungsfähiger. Was die Sound-Mixer im Hintergrund veranstalten beziehungsweise verunstalten, sei mal dahin gestellt. Mary Roos verleiht ihrem "Spinner"-Cover zweifellos einen eleganten Touch. Bei ihrer Interpretation von Alphavilles "I Die For You Today" fragt man sich zwischendrin aber doch, ob man nicht vielleicht schon den Bestatter rufen sollte.

Leslie Clio sticht klar aus der schmählichen Runde heraus. Ihre jugendliche und auf angenehme Weise unauffällige Stimme fügt sich in jedes Lied ein, als sei es ihr eigenes. Während man sich an vielen Stellen auf der CD voller Entsetzen den Kopfhörer vom Haupte reißt, bleibt man bei "Auf Dem Weg" und "Arizona Man" wenigstens durchweg entspannt.

Also ist tatsächlich nicht alles schlecht. Immerhin ein Fünftel der Songs erscheint erträglich bis gut hörbar. "Sing Meinen Song - Das Tauschkonzert Vol. 5" stellt aber lediglich die fast noch wohlduftende Spitze des Müllberges dar. Mit der 42 Songs umfassenden Doppel-CD "Deluxe-Edition" erhält man den kompletten stinkenden Haufen, der diese fünfte Staffel über produziert wurde. Besonders hervorzuheben ist da das "Forever Young"-Cover von Johannes Strate, das einem wirklich die Tränen in die Augen treibt.

Trackliste

  1. 1. Lass Uns Gehen
  2. 2. Ich Lass Für Dich Das Licht An
  3. 3. Spinner
  4. 4. Armour
  5. 5. Bow Before You
  6. 6. Guten Tag
  7. 7. Bring Mich Nach Hause
  8. 8. Denkmal
  9. 9. I Die For You Today
  10. 10. Arizona Man
  11. 11. Nur Die Liebe Lässt Uns Leben
  12. 12. Game Changer
  13. 13. Damage Done
  14. 14. Auf Dem Weg

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3 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 15 Tagen

    1* Album, 5* Rezension. Alleine schon für das verlinkte Youtube-Video.

  • Vor 14 Tagen

    Dieses Album hat's geschafft: Ich gebe meinen Echo zurück!

  • Vor 13 Tagen

    Da hat sich Irene doch so ihren eigenen Winklerzug aus dem Sonnenhut gezaubert um die Musik von einer Judit Holfeners schlecht dastehen zu lassen wofür ich gerne meinen eigenen zum Ziehen bereit währe. Aber festhalten muss man doch mal das unter den umstehenden veriösen Artisten die Judit und ihre Mannen noch die größten zweiäugigen Helden mit voller Seestärke unter den blinden sind. Wenn littl Irenchen selbst mal ihren Kopf nicht nur als Sonnenhutstender vernutzen würde dann währe doch sonnenklar wie ein Song wie Denkmal eben nie auf eine Pistolenhelden platte draufkämen kommt weil schlicht zu sehr Denkmal von einen Song. Alleine schon dafür ist doch nur ein point geben zu tun eine Verhohnung der gedienten Kunstfigur Hololerne! Die Helden der Pistole dagegen: ein Fall für verscherfte gun control :P

    • Vor 13 Tagen

      Messerscharf analysiert Kojot. Ludwig Hirsch hätte es nicht besser benennen können

    • Vor 13 Tagen

      danke Corvo, Hirsch und Koyote sind ja durch aus verwand und das darf ich doch auch bemerken oder etwa nicht ;) Denn noch war es nicht shcwier für mich den Heldensong als Vorderung und an Sporn zu sehen (``Denk mal!``) und sollte es doch gerade für eine Sirene Winkel nicht auch das sein? Beim denk-malen entgeht man auch nicht, wie änlich die Bandnamen Revolvoheld und Radiohead gleichen, und sie äneln sich auch was die einfeltige Kauboi music antrift bis aufs lichte werdene Sackhaar ein ander. Wer da noch an Zufäle glaubt (denk mal!) der hat wohl auch das amen in der Kirche überhört und betet dort immernoch zum aber tausenden Abendmal den Rosenstolzkranz, Batterie im hör Gerät ist ihm wohl lehr geganen ;) so und jetzt spiele ich den Denkball wieder an euch zurück