laut.de-Kritik

Undergroundrap-Compilation mit Rockstah, Prezident, Cr7z etc.

Review von

"Find dich damit ab, deutschen Rap machen jetzt Trottel" - soweit Rockstahs Einschätzung im gleichnamigen Titeltrack des Labelsamplers von Embassy of Music. Na, na, na! Es mag im Deutschrap ja einige Trottel geben, die rund 30 an dieser Platte Beteiligten gehören rein musikalisch jedenfalls nicht dazu.

Darunter befinden sich Urgesteine wie Akte One, der "Mit dem Teufel Hand in Hand" einen starken Auftakt abliefert. Auch Lakmann überzeugt jenseits von Creutzfeld & Jakob, sei es als Verstärkung von Mistah Nice oder als Teil seiner neuen Crew Witten Untouchable: "Tee In England" ist sicher einer der stärksten Tracks der Compilation, denn auch die Parts der drei anderen Crewmitglieder bestechen mit sauberen Flows und zahlreichen Wortspielen - die vier haben eben "den Dreh raus wie geglättete Locken". Zum Teekränzchen gesellt sich außerdem Rockstah "mit 'nem Pizzarest im Bart und 'ner Kippe im Maul" und inszeniert sich mal wieder gekonnt als Außenseiter des ganzen Rapzirkus.

Auf diesem Sampler scheint er aber ganz gut aufgehoben zu sein, schließlich geht es hier nicht um testosterongeschwängertes Muttergeficke und Street-Credibility. So gefällt nicht nur Prezidents "Antimärchen" des vom Mainstream weithin übersehenen Albums "Kunst Ist Eine Besitzergreifende Geliebte", auch Cr7z entführt uns in eine "Neue Welt", die zwar düster und schmerzhaft ist, musikalisch aber mit Tiefe, Intelligenz und Vielseitigkeit glänzt. Neben gestandenen Größen bietet der Sampler auch Rappern jenseits des kommerziellen Erfolgs eine Plattform. Gute Sache, vor allem wenn es sich um vielversprechende Talente wie VBT-Rapper Schote oder Allround-Talent Silvio Vincent handelt.

Ali A$, der sich mit dem Einstieg beim Kellerkommando der Verbindung von traditioneller Volksmusik mit Rap-Elementen verschrieben hat, lässt Erstgenanntes zum Glück links liegen und sorgt mit "Neuzeithippie" für Reggae-Feeling und entspanntes Kopfnicken. Genauso "Was ist los" von Afrob, dessen markante Stimme mit Unterstützung von Lisi über den monoton schleppenden, aber wuchtigen Beat rollt. So, jetzt aber genug der Lobhudelei.

Was bitte hat ein vier Jahre alter "Graustufenregenbogen" von Maeckes auf dem Ding zu suchen? Der Mann hat in der Zwischenzeit eine EP, ein Mixtape und ein weiteres hörenswertes Album veröffentlicht – Warum also so ein asbach-uralter Track? Dessen melancholischer Grundton, der auf der zweiten Hälfte der Compilation zu stark die Überhand gewinnt (bei "Drück Auf Play" von Marc Reis ist der Titel zehnmal aufregender als der Track selbst) trübt den guten Eindruck des Beginns, in dem der zugezogen-maskuline Grim104 und Absztrakkt mit seinem "Bodhicheck" für die nötige Aggressivität sorgen.

Ziemlich deplatziert wirken hier auch Celo & Abdi, die sich mit den Brüdern von SAM aus dem Chimperator-Clan über "Klischees" auslassen; erschienen bereits im Januar auf dem Produzentenalbum von Psaiko.Dino, war das schon auch schon damals eine gewöhnungsbedürftige Kombi. JAW mit seinem verzweifelt authentisch wirkenden "Elena" ist ein Lichtblick, der leider vom Michael Jackson-Gedächtnis-Track von Jom & Tony und dem faden Sentence-Remix verdunkelt wird.

Den "krönenden" Abschluss bildet ein gut achtminütiger Allstar-Track, auf dem 20 Rapper ihr Können zum Besten geben, darunter einige, die es nur auf die sechs zusätzliche Tracks enthaltende Bonusversion geschafft haben. Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Der Absprung hat hier leider nicht ganz geklappt. Schade drum, denn eine etwas gezieltere Auswahl hätte "Könige ohne Krone" zu einem rundum gelungenen Labelsampler gemacht.

Trackliste

  1. 1. Akte One - Mit dem Teufel Hand in Hand
  2. 2. Witten Untouchable - Tee in England
  3. 3. Grim104 - Dreck, Scheisse, Pisse ft. Testo
  4. 4. Rockstah - Trevor Philipps
  5. 5. Ali As - Neuzeithippie
  6. 6. Separate - Deutscher Traum
  7. 7. Mistah Nice - 12 Munchies ft. Lakmann
  8. 8. Silvio Vincent - Ohne Titel
  9. 9. Prezident - Antimärchen
  10. 10. Cr7z - Neue Welt
  11. 11. Absztrakkt - Bodhicheck
  12. 12. Psaiko.Dino - Klischees ft. Celo & Abdi & SAM
  13. 13. Afrob - Was ist los ft. Lisi
  14. 14. Sentence - Durch die Tür (C Milli Remix)
  15. 15. Marc Reis - Drück auf Play
  16. 16. Maeckes - Graustufenregenbogen
  17. 17. JAW - Elena
  18. 18. Jom & Tony - Idiot ft. Amin
  19. 19. Architekt - Schluss
  20. 20. Schote - Chefhaltung
  21. 21. Könige ohne Krone (Allstartrack)

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3 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    Irgendwie fehlt in der Review, dass so gut wie fast jeder Track schon einmal veröffentlicht wurde und es hier kaum Exclusives gibt.

  • Vor 5 Jahren

    Find ich auch schade und vor allem nicht nur schon veröffentlichte Songs, sondern vor allem alte, wie eben Maeckes und auch JAW... Den Allstartrack gibts auf Youtube und sonst für mich nichts interessantes neues. Wird maximal auf Spotify durchgezappt, was ich noch nicht kenne

  • Vor 5 Jahren

    Der Allstar Track ist ja nun auch mehr so durchwachsen. Größter Knaller: Seperate bringt tatsächlich die Lines: "Neben mit seht ihr blöd aus wie Idioten" und "Phoenix aus der Asche - High wie ein Vogel" (!!!). Hammer! Das wär wohl schon 2003 irgendwie peinlich gewesen... Fehlt nur noch fly wie ein Flugzeug. Dabei mag ich den eigentlich.