laut.de-Kritik

Abschied nehmen, Zuflucht finden, Licht am Tunnelende sehen.

Review von

Den Vorwurf, ihr Sammelwerk spiegle nicht die gesamte Bandbreite ihres Schaffens wider, wollen Unheilig oder ihr Label erst gar nicht aufkommen lassen. Der Zusatz "Best Of 1999-2014" deutet auf die komplette Unheilig-Karriere hin, die weit vor ESC-Vorentscheiden, Echo-Awards und Goldenen Schallplatten begann.

Mit "Als Wär's Das Erste Mal" und "Wir Sind Alle Wie Eins" finden sich auf der Platte natürlich auch die zwei neuen Titel, mit denen Unheilig die ESC-Teilnahme verpassten. Noch zwei exklusive Instrumental-Tracks draufgepackt ("Zeitgeist", "Rückblende"), und schon ist ein Greatest Hits-Paket geschnürt, das sowohl die Fans der ersten Stunde als auch Neulinge und Skeptiker beglücken soll. Das dürfte nur bedingt gelingen.

So ein Best Of-Album lässt sich natürlich auf unterschiedliche Weise interpretieren und somit auch zusammenstellen. Bei "Alles Hat Seine Zeit" handelt es sich um die wohl ertragreichste Variante. Von "Unter Deiner Flagge" über "So Wie Du Warst" bis hin zum Mega-Erfolg und Türöffner "Geboren Um Zu Leben" sind alle Pop-Schlager-Auskopplungen der letzten drei Alben und der jeweiligen Special Editions enthalten.

Zählt man nun die eingangs erwähnten neuen Songs hinzu, bleibt aber wenig Raum, um die musikalischen Anfänge der Grafen-Band Revue passieren zu lassen. Lange vor RTL II-Werbung und Carmen Nebel bewegten sich die Aachener in deutlich düstereren Klang-Gefilden - ohne den Vergleich mit Oomph! oder Rammstein bemühen zu wollen.

Neben "Maschine" und "Sage Ja" haben es jedoch nur zwei weitere dieser rockigeren Nummern der frühen Werke auf "Alles Hat Seine Zeit" geschafft, fast versteckt am Ende der Platte. So erwecken sie eher den Eindruck, als seien sie nachträglich hinzugefügt worden, um den Titel "1999-2014" zu rechtfertigen. Ansonsten herrschen die aus den aktuellen Radiosongs bekannten Schlager-Sounds mit den gewohnt Pathos triefenden Texten vor: Abschied nehmen, Zuflucht finden, Licht am Ende des Tunnels sehen, Berge versetzen.

Wer Unheilig bislang mit musikalischem Tarotkartenlegen gleichgesetzt hat, dürfte auch nach "Alles Hat Seine Zeit" kaum anders empfinden. Einblicke in die Entwicklung der Gruppe bleiben nämlich weitestgehend verwehrt. Auf die Käufer der jüngsten Alben und Singles kann sich Der Graf aber mit Sicherheit verlassen. Die werden ohnehin zugreifen, auch wenn sich der Mehrwert für den Hörer - wie bei so vielen Best Ofs - nicht erschließt.

Trackliste

  1. 1. Zeitgeist
  2. 2. Geboren um zu leben
  3. 3. Als Wär
  4. 4. Wir Sind Alle Wie Eins
  5. 5. Lichter Der Stadt
  6. 6. Wie Wir Waren
  7. 7. Für immer
  8. 8. Winter
  9. 9. So Wie Du Warst
  10. 10. Unter deiner Flagge
  11. 11. An Deiner Seite
  12. 12. Spiegelbild
  13. 13. Freiheit
  14. 14. Sage Ja!
  15. 15. Astronaut
  16. 16. Maschine
  17. 17. Schutzengel
  18. 18. Stark 2012
  19. 19. Rückblende

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LAUT.DE-PORTRÄT Unheilig

Es mag vielleicht nicht sonderlich gothic-mäßig klingen, aber neben dem Grafen (Gesang) höchstpersönlich wirken an der Gründung von Unheilig noch …

15 Kommentare mit 12 Antworten

  • Vor 7 Jahren

    Frank Zappa: We are only in it for the money!

  • Vor 7 Jahren

    @ Muzi .. ich habe bei diesem Best of das gefühl , das man besonders die vielen neuen fans bei der stange halten will. und um die alten ,die seit jahren unheilig hören und unterstützen, nicht ganz zu vergraulen hat man ein paar alten sachen drauf gepackt. aber natürlich nur die, die auch den neuen fans gefallen dürften. man will die ja nicht erschrecken ;-) . einer dieser neu-fans meinte ja ..das alles vor GROSSE FREIHET schlechte musik sei..sie wäre angsanflösend (wörtlich so geschrieben). wenn die plattenfirma schlau gewesen wäre hätte sie ne doppel-cd, oder 2 einzel cd´s gemacht. 2 einzel-cd´s (1999 - 2009/2010 - 2014) wäre für alle beteiligten gut gewesen..aufgeteilt in vor grosse freiheit ..und ab grosse freiheit. wer alles mag kann beide kaufen. wer die alten oder die neuen mag , kauft dementsprechend das passende album.

  • Vor 7 Jahren

    Sind der Graf und dieser Saviour Na-Du eigentlich verwandt? Haben jedenfalls höchst verdächtig ähnliches Kalender-Abreißblatt-Lyrik-Niewooh. Und dieser pathosschwangere Gesang, mit dem die uns noch ihre Kochrezepte aus Bild der Frau als Verkündigung unterjubeln wollen, super-eklig.