laut.de-Kritik

Aufheulende Gitarren vom Pop-Rock-Sofa.

Review von

"Wir wollen, dass dies unsere letzte Platte ist. Uncle Ho Must Be Destroyed", kündet das Booklet vom kommenden Ende der Wuppertaler Band. Und: "Am 31.12.2003 spielen wir unser letztes Konzert und segnen als Band das Zeitliche". Uncle Ho machen sich also auf den Weg der Selbstzerstörung ihres rockigen Crossover-Pops. Ironie des Schicksals dabei ist, dass Gründungsmitglied Jens "Doc" Schmidt schon kurz vor der Album-Veröffentlichung seinen Ausstieg erklärt hat.

Musikalisch gab es dafür keinen Grund. 16 neue Songs beweisen, dass alle Bandmitglieder ihr Handwerk beherrschen. Schlagzeug, Gitarre und Bass erklingen in kraftvollen und handgemachten Songs. Dennoch wünscht man sich bei manchen eher belanglosen Texten einen genialen Songschreiber.

Die ersten vier Songs laden den Hörer zum gemütlichen Verweilen auf dem Pop-Rock-Sofa der Uncle Ho-Welt ein. "Talk To The Dead" reißt den Hörer jedoch plötzlich aus diesem imaginären Sitzmöbel. "Hilfe, was suchen Fools Garden auf der Platte?!", denkt man angesichts einer fröhlichen Marschmelodie mit Bläsern und einem wirklich happy Sänger.

Versöhnlicher sind da die rockigen Stücke, die natürlich auch nicht lange auf sich warten lassen. Konzertbesucher können sich für "There Are Too Many Songs Already" schon mal auf heftiges Haareschütteln und den Ellenbogen des Nebenmannes vorbereiten. Schnelle Schlagzeugrhythmen und aufheulende Gitarren unterstützen die wütend schreiende Stimme des Sängers.

Bei Stücken wie "Open Weave" kehrt aber schnell wieder Ruhe ein und man lauscht der angenehmen Akustikgitarre. Die langsamen und leisen Lieder sind die eigentlichen Soundperlen der Platte. Geschlagene 9 Minuten und 38 Sekunden kann man bei "Substance" der weichen Stimme des Sängers und einer unauffälligen Instrumentierung lauschen.

Einige Songs erinnern wiederum stark an andere Künstler. Eine Lieblingsband der Wuppertaler ist nicht schwer zu erraten. 1997 spielten Uncle Ho als Vorband der Smashing Pumpkins in Madrid – und haben sich bei der Gelegenheit ein bisschen was abgeschaut. Die Stimme von Julian Hanebeck hört sich in "Ready For Love" doch sehr nach Billy Corgans Vergangenheit an. Langsam anschwellende Gitarren- und Drumsounds erinnern an Songs der Chicago-Combo.

Sieht man aber über dieses Manko hinweg, so gefallen einem die Songs bei jedem Hören besser. Vielleicht überdenken die Jungs ihren Vorsatz "Uncle Ho Must Be Destroyed" ja doch noch und bescheren uns weiterhin stilübergreifende Rockmusik.

Trackliste

  1. 1. International Klein Blue 75
  2. 2. All Must Be Destroyed
  3. 3. Euphoria
  4. 4. Forever For Ever
  5. 5. Talk To The Dead
  6. 6. Open Weave
  7. 7. Single
  8. 8. Substance
  9. 9. There Are Too Many Songs Already
  10. 10. Greven
  11. 11. Kill The Man You Love
  12. 12. Coming Round
  13. 13. Ready For Love
  14. 14. Heckinghausen
  15. 15. Repeat
  16. 16. Reprise
  17. 17. Incommunicado
  18. 18. You Ain't Seen Nothing Yet

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