laut.de-Kritik

Selbstreferentielle Status-Pflege ohne Überraschungen.

Review von

Beim zehnten Album wird es für Ufo361 Zeit für einen Schulterblick. Angefangen mit der "Berliner"-Trilogie, als er Boom Bap und Trap zusammenführte, sich im weiteren Verlauf durch das strebsame Aneignen von US-amerikanischen Vorbildern als bester deutscher Ami-Rapper etablierte und sein Label Stay High nannte, war es nur eine logische Konsequenz, so nun auch sein Jubiläumsalbum zu nennen.

Ufuk verarbeitet auf "Stay High" in gewohnter Weise seinen Weg zum Erfolg und Reichtum, erklärt Zusammenhänge und streut an etlichen Stellen Querverweise auf seine eigenen Werke, wie man unschwer auch an den Songtiteln erkennt. Klangtechnisch kredenzen vor allem The Cratez und Jimmy Torrio atmosphärische Trap-Beats mit knatternden Hi-Hats, Gezin von der 808 Mafia sorgt für wuchtige Bässe. Sonus030, Partner in Crime aus "Nur Für Dich"-Zeiten, sitzt nur bei "Flawless" hinter dem Mischpult. Anders ausgedrückt: "Stay High" ordnet sich zwischen "808" und "Rich Rich" ein.

Wo Ufo drauf steht, ist auch Ufo drin. Er ackert viel, hat haufenweise Neider, wird von Dämonen verfolgt, frönt seiner Leidenschaft für Porsche (mittlerweile besitzt er drei), "From Rags to Riches"-Geschichten, leichte Mädchen, durchgehend am Lean und Dom P sippen. An diesen Elementen arbeitet er sich hartnäckig ab, bleibt seiner Linie aus murmelndem, teils undeutlichen One-Linern auf Autotune treu. Zudem sprechen die Länge des Albums und die Kürze der Tracks eine eindeutige Sprache: 36 Minuten verteilt auf 16 Stücke. Lediglich das sakrale, mit Kirchenglocken veredelte "Teufelskreis" bekommt etwas mehr Zeit zu atmen. Die Kurzweil überdeckt zum Glück die inhaltlichen Redundanzen, ansonsten wäre das Ganze eine zähe Veranstaltung.

Zu Beginn fährt Ufo jedoch groß auf. Das pluckernde, von harten Bässen verwöhnte "Angeldust" kommt ohne Hook aus und beinhaltet die thematische Synposis des Albums. Durch sein unermüdliches Ackern gelangt er an "die Spitze des Bergs", denn "Hard Work Pays Off". Ein typischer Future-Beat, der jedoch das klassische Strophe-Hook-Schema gegeneinander austauscht. Dafür verantwortlich zeigt sich ATL Jacob aus Atlanta, der u.a. für Future die Beats macht.

Selbstreferentielles gibt es auf "Pinky Ring" ("Fokus Auf Die Zukunft") und beim großartigen "No Hugs", wenn Ufo über einen mystischen Beat mit Niki Haris-Sample "Alpträume" ("808") zitiert. Im Übrigen zielt der Songtitel auf seine gleichnamige Modemarke ab. "Kontostand 2.0" suggeriert zumindest musikalisch, vom weinerlich-leidenden Vortrag sowie vom Titel her eine Fortsetzung von "Kontostand", paradoxerweise finden sich etliche "Wave"-Verweise in den Texten. "Kann Nicht Mehr Verlieren" fungiert indes als indirekte Hommage an die 808-Ära, wenn tiefe Bässe und weiche Synthies Ufos Schmerz ummanteln. Im asiatisch angehauchten "Angekommen" leiht er anderen Musikern zumindest ein Ohr, wenn sie ihm sein Tape geben, auf "Scheiß Auf Eure Party" hatte er noch nicht mal reingehört.

Auch wenn er gerne sein Geld alleine zählt, leisten ihm namhafte Rap-Kollegen Beistand. Das funktioniert nur bedingt: Data Luv liefert einen vollkommen substituierbaren Part - das untalentierte Weichbrot muss wirklich nicht auf jedem Ufo-Release platziert werden. Kalim gibt sich hyperaktiv sowie staksig, und Bonez MC positioniert sich als Ekelbert auf dem misogynen "7". Sein 187-Kollege Gzuz hingegen überzeugt mit dem bissigsten und dynamischsten Beitrag und stachelt sogar Ufo zu mehr Lebhaftigkeit an. Auch Rin spittet auf "Low Life" motiviert und frisch ins Mikro.

Bei all der Selbstbeweihräucherung bleiben weitere Unstimmigkeiten nicht aus, wie beispielsweise in "Jimmy Torrio": Es ehrt Ufo zwar, dass er einen Song einem seiner Produzenten widmet, aber er spricht dann nicht weiter über ihn, außer in der Zeile "Ihr werdet kein Teil meiner Story / Ich bleib' in der Lane, so wie Tory". Ansonsten hört man das typische Runterrattern der alt bekannten Rap-Tropen. "Wings 2.0" referiert auf eine lose Single im Vorfeld zu "Stay High" und erhält hier ein uninspiriertes Feature mit Luciano.

"What for?" fragt sich da auch der geneigte Love Island-Zuschauer. Doppeldeutige Zeilen entpuppen sich zudem als nicht tiefer als besagter Drink im Glas: "Sie ist 'ne Skinny Bitch, sie trinkt nur Wodka-Soda / Sie steht auf mich und auf Fashion / Sie ist der Plug, gut connected."

SHBZT - Stay High Bis Zum Tod, so das Mantra Ufuk Bayraktars. Seine Karriere besticht mit einem bemerkenswerten Arbeitseifer, mit dem er alles Erfahrene direkt in Musik und neuerdings Fashion umzuwandelt. Dabei vergisst er nie seine Wurzeln, weiß jedoch, dass Stillstand Gift für jeden Künstler ist. "Stay High" dient als stabile Aufrechterhaltung seines Status in konziser, kontemporärer Form. Die Beats sind auf den Punkt und wuchtig produziert, Ufo rappt in guter Form, muss aber hinter "Rich Rich" zurückstecken. Es mangelt einfach an der gewissen Abwechslung.

Trackliste

  1. 1. Angeldust
  2. 2. Hard Work Pays Off
  3. 3. Pinky Ring
  4. 4. No Hugs
  5. 5. Flawless
  6. 6. Teufelskreis
  7. 7. Bad Bih
  8. 8. Kontostand 2.0
  9. 9. Jimmy Torrio
  10. 10. Angekommen (feat. Data Luv)
  11. 11. Kann Nicht Mehr Verlieren
  12. 12. Ready (feat. Gzuz)
  13. 13. Wings 2.0 (feat. Luciano)
  14. 14. Low Life (feat. Rin)
  15. 15. 7 (feat. Bonez MC)
  16. 16. Kein Rental (feat. Kalim)

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7 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 13 Tagen

    Größte Kek im Game. Wie lang ist das Album? 30 Minuten und man kann nichtmal mehr die Songs voneinander unterscheiden, weil Lyrics immer gleich, Beat immergleich.

  • Vor 13 Tagen

    "das untalentierte Weichbrot muss wirklich nicht auf jedem Ufo-Release platziert werden"

    Also bitte, das geht doch bestimmt auch ohne gleich auf persönlicher Ebene beleidigend zu werden, oder?!
    Der Junge macht Musik und wird von denen die sie fühlen dafür gefeiert.
    Einfach traurig sowas hier zu lesen.

  • Vor 11 Tagen

    Da hat sich das "harte" Schreiberlingkerlchen ja richtig ausgetobt: Wie kann man als Journalist so peinlich entgleisen, von einem "untalentierten Weichbrot" zu reden, der der jüngste deutsche Goldrapper aller Zeiten ist. Vielen Hörern gefällt es offenbar, was der 15-jährige abliefert. Natürlich auch wieder die neidvollen Seitenhiebe gegen Bonez MC, der ja angeblich schon vor Jahren seinen Zenit übertroffen hat.....
    Was it das für ein erbärmlicher Musikjournalismus........

  • Vor 10 Tagen

    Es macht einfach spass die mucke. Beats sind aufhöchstniveau, drücken schön. Aber das letzte drittel mit den features fällt etwas ab.

    Erste 8-9 Song ballern durchgehend.

    4/5

  • Vor 6 Tagen

    Die Produktionen sind schon stark, aber ist bisher eher an mir vorbeigerauscht. Da hinterließen "Rich Rich" oder das Album mit Ezhel erstmal mehr Eindruck bei mir. Mal sehen, ob weitere Durchgänge das noch ändern.

  • Vor 4 Tagen

    Gutes Album, den Sound kennt man eben von vorherigen Alben. Der Verfasser des Artikels sollte unbedingt lernen, sachlich zu schreiben. Traurig, dass man Künstler direkt persönlich angreift und Gesinnungen unterstellt.

    • Vor 4 Tagen

      Was meinst du genau? Mir kommt die Rezension sehr fair vor und Unterstellungen habe ich auch keine herauslesen können. Man könnte Ufo viel mehr dafür in die Mangel nehmen, wie einfallslos und repetitiv seine Lyrics oftmals sind. Würde ihm auch empfehlen, sich mal bessere oder überhaupt Co-Writer ins Boot zu holen.