laut.de-Kritik

Fran Healy schnappt sich die schrammelige E-Gitarre.

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Was eine beinahe einjährige Tour um den Globus alles bewegen kann, beweisen Travis mit ihrem neuesten Output "Ode To J.Smith". Ungeahnte Energien sammelten sich an, die die vier Schotten dazu nutzten, die Platte in rund sechs Wochen zu produzieren.

Auf Album Nummer sechs beschreitet die selbst ernannte unsichtbare Band neue Wege. Neben dem Verzicht auf biografische Details klingen sie nun ungemein rockig. Fran Healy ließ für die Aufnahmen der neuen Scheibe die Akustikklampfe meistens zu Hause und schnappte sich stattdessen die laute und schrammelige E-Gitarre.

"J Smith" gebärt sich als mitreißendes Rockoperstück. Der Song plätschert zu Beginn ruhig und melodisch dahin, doch Healys Stimme wird kontinuierlich kraftvoller und treibender. Auf ein ungewöhnlich rauhes "Yeah, Yeah, Yeah" im Mittelteil folgt ein kurzes Gitarrensolo, das in einen leisen Choral mündet und doch wieder sofort von einem erneuten Gitarrensolo unterbrochen wird. Doch auch nach dem vermeintlichen Höhepunkt, einem dramatischen Chor, endet die Nummer nicht ...

Die UK-Single "Something Anything" fungiert in der Folge als Paradebeispiel für das Album, denn Travis gelingt es, kantige Gitarrenriffs mit melodiöser Eingängigkeit zu paaren. Ebenso beim darauffolgenden "Long Way Down", in dem der leicht ergrauten Charmebolzen beweist, dass in ihm ein echter Rocker steckt.

Gegen Ende der Scheibe fallen Travis dann doch in alte Muster zurück. "Friends" ist eine wahrlich intensive und berührende Ode an die Freundschaft. Hier greift Healy doch wieder zur Akustischen: "I'm glad you're better now. But I'm sad, you're not around." Der pompöse, eingängige und mit pathetischen Streicherpassagen gespickte "Song To Self" vertont Einsamkeit und das Gefühl, einen neuen Lebensabschnitt zu bestreiten: "Singing a song to myself / Cause I don’t belong any longer."

Vielleicht gehören die vier Musiker zu der Sorte Mensch, die während eines Essens erst das lästige Gemüse in sich schaufeln, damit die Geschmacksknospen das saftige Steak richtig aufnehmen können. Zumindest lässt "Before You Were Young" diese Vorgehensweise vermuten, denn, um bei nahrhaften Metaphern zu bleiben, mit dem letzten Song setzen sie eine riesiges Sahnehäubchen auf den leckeren Kuchen. Selten hat man Healy so emotional gehört.

Laut dem Sänger, der die neue Scheibe übrigens sehr filmisch findet, beschreibt die Nummer, wie der Hauptcharakter in den Sonnenuntergang zieht, auf sein Leben zurückblickt und mit einem geliebten Menschen spricht. "I take the breathe away from your sighs / and wipe the tears away from your eyes / I hope the fire never dies / Inside you". Mit einem fortschreitenden Crescendo gipfelt "Before You Were Young" mit treibenden Trommeln und Gitarrensoli in ein fulminantes, zu Tränen rührendes Feuerwerk.

Nach starkem Beginn und durchschnttlichem Mittelteil kehrt die Begeisterung mit den drei Abschlusssongs wieder voll und ganz zurück: Schön, dass Travis noch die Energie finden, sich weiterzuentwickeln, ohne auf ihre gefühlvolle Seite zu verzichten.

Trackliste

  1. 1. Chinese Blues
  2. 2. J. Smith
  3. 3. Something Anything
  4. 4. Long Way Down
  5. 5. Broken Mirror
  6. 6. Last Words
  7. 7. Quite Free
  8. 8. Get Up
  9. 9. Friends
  10. 10. Song To Self
  11. 11. Before You Were Young

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