laut.de-Kritik

Entzückende schottische Melodien in freundlichem Moll.

Review von

"12 Memories" ist das derweil vierte Album der sympathischen Schotten, die mit "The Man Who" und "The Invisible Band" zwei UK-Spitzenreiter nacheinander und auch hierzulande beachtliche Platzierungen erreichen konnten. Zuletzt allerdings machten Travis weniger durch ihre Musik, als vielmehr durch einen spektakulären Unfall von sich reden, bei dem Drummer Neil Primrose sich schwer verletzte.

Nigel Godrichs Dienste, bekannt von Radiohead, Pavement und Beck, hatten Travis bei ihren letzten beiden CDs in Anspruch nehmen dürfen. Diesmal produzierten sie lieber alles alleine. Gleich im Opener "Quicksand" brummeln die Background-Männer ein liebenswert schräges "Hey hey hey" in ihre diversen Bärte, und auch sonst sind stellenweise gesangliche Unebenheiten zu hören, die durchaus dem Bandmotto "Travis stehen für Bescheidenheit und Ehrlichkeit" entsprechen.

Dafür entlockt uns ein warmes sehnsuchtsvoll getragenes Cello-Solo tiefe Seufzer, ein swingkapellenartiger Schlussakkord in "The Beautiful Occupation" überrascht mit spontaner Endgültigkeit, und die erste Single "Re-Offender" ist ebenso wie "Love Will Come Through" ein so wundervoller Song, dass man sich in Erinnerung daran die Repeattaste drücken sieht. Mindestens zwölfmal.

"12 Memories" sind entzückende schottische Melodien, die sich mit freundlichem Moll und vollendentem Nichtperfektionismus zielstrebig in unsere Herzen schleichen und sich dort gerne als schöne Erinnerungen einnisten dürfen. Mit Travis ist ein heller Stern am Britpop-Himmel empor gestiegen, und der wird hoffentlich auch Deutschland weiterhin erleuchten.

Es müssen eine Menge Erinnerungen sein, die vor dem inneren Auge vorbei rauschen, wenn man sich beim Kopfsprung in einen Swimming-Pool drei Halswirbel bricht. Es muss eine Menge Kraft in einem Neil Primrose sein, wenn er eben diese Halswirbel mit Schlagzeugspielen gesund trommeln kann. Es muss eine Menge Stärke in einer Band sein, wenn trotz eines solchen Traumas am Ende ein wunderschönes Album steht.

Trackliste

  1. 1. Quicksand
  2. 2. The Beautiful Occupation
  3. 3. Re-Offender
  4. 4. Peace The Fuck Out
  5. 5. How Many Hearts
  6. 6. Paperclips
  7. 7. Somewhere Else
  8. 8. Love Will Come Through
  9. 9. Mid-Life Krysis
  10. 10. Happy to Hang Around
  11. 11. Walking Down The Hill

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LAUT.DE-PORTRÄT Travis

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119 Kommentare

  • Vor 17 Jahren

    Hi!

    Da ich noch keinen Thread bezüglich Travis entdecken konnte, habe ich mir erlaubt, einen neuen zu eröffnen.

    Was haltet ihr vom neuen Machwerk der Schotten? Hat es eure Erwartungen erfüllt, oder seid ihr eher enttäuscht, weil es in eine etwas andere Richtung als "The Invisible Band" geht?

    Eines vorweg: An "The Man Who" kommt es meiner Meinung nicht ran, "The Invisible Band" könnte es aber den Rang ablaufen. Es klingt einfach erfrischender, neuer. Zudem setzt man vermehrt auf Klavieparts. Anfangs war ich zwar überrascht, es fügt sich mit der Zeit aber gut in diesen unvergleichlichen Travis-Stil ein.

    Starke Melodien gibt es in Masse, über keinen Song könnte ich sagen, dass er mir nicht gefällt. Trotzdem fehlt es teilweise an Songs, bei denen man sofort auf die Repeat-Taste drückt. Das Album macht einen homogenen Gesamteindruck, klingt etwas rauher und ehrlicher, starke Einzelsongs hat es aber nicht. Zumindest habe ich bis jetzt noch keinen gefunden, aber das dauert bekanntlich ja. ;)

    Komisch fand ich auch, dass ich mit dem Album eigentlich sehr schnell warm geworden bin. Ansonsten dauert es bei mir ziemlich lange, bis es "Klick" macht.
    Dafür währt die Begeisterung sehr, sehr lange.
    Die Gefahr beim neuen Album ist also da, dass man sich ziemlich schnell sattgehört hat. Wie gesagt, ich kann das noch nicht beurteilen, dafür muss ich es noch öfter anhören.

    Fazit: Das was ich jetzt geschrieben habe, ist eher eine Momentaufnahme denn ein abschließender Review. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Für Travis-Fans ist es auf jeden Fall ein Muss, Britpop Fans generell sollten auch zugreifen, da dieses Jahr ja nicht mehr viel verspricht.

    Zum Laut Review: Wieder mal ein exzellenter Review.

  • Vor 17 Jahren

    Habs mir auch gekauft und die ersten 3 Songs sind schon ne klasse Sache. Re - Offender ist so herrlich traurig mit den Streichern und dem melancholischen Gesang , einfach toll. Mal sehen wie die anderen Tracks so ausfallen.

    FRAGE: Ich hatte den Tag eine Diskussion mit einem Kumpel. Wie würdet ihr die musikalischen Unterscheide beschreiben zwischen Coldplay und Travis. Es geht nicht um Geschmack oder Qualität, sondern rein um die Unterscheide oder auch Gemeinsamkeiten.

  • Vor 17 Jahren

    Hm,bisher weiss ich noch nicht,was ich von der Platte zu halten habe.Nach mehrmaligem Hören schmeicheln sich nur 3-4 Songs relativ schnell in meine Gehörgänge.Re-Offender ist für mich DER Song auf dem Album,aber auch Quicksand,Beautiful Occupation und Walking Down The Hill(plus dem versteckten Anhang/Song) sind gute Songs.
    Ich hoffe doch aber sehr,dass die Platte wie viele andere mit der Zeit noch wächst.Live schau ich sie mir auch an. :)
    Unterschiede zwischen Coldplay und Travis?Schwierig festzuhalten.
    Die liegen natürlich im Detail,ich kann nur die Unterschiede aufzählen,die es vom Gefühl oder der Bedeutung für mich gibt.
    Coldplay-Musik ist sehr fragil,aber auch hymnisch.Eine traurige Schönheit,die anfangs sehr melancholisch ist,aber im Generellen sehr viel positiven Atem hat.
    Travis' The Man Who hat sehr starke Songs(für mich auch das stärkste Album),die beiden anderen Alben sind zurückhaltender von der "Aufmachung" wie ich finde.Insgesamt wachsen Travis-Stücke langsamer in der Wirkung als Coldplay-Stücke(die sind viel schneller und klarer im Ohr finde ich).Das soll nicht heissen,dass die Songs der einen mehr Gewicht hätten als die der anderen.Es ist auch eine Erbsenzählerei,weil die Vergleiche nur von Song zu Song gehen und diese auch nicht wirklich.Es wäre jetzt auch falsch zu sagen,Travis machen im Grunde genommen die gleiche Musik wie Coldplay,ich sehe es aber so.Die Unterschiede sind lediglich die Machart und der Sound.Auch habe ich bei beiden ein anderes Gefühl....ka...ich schreibe weiter,wenn ich die richtigen Worte gefunden habe.