laut.de-Kritik

Bei höchstem Anspruch erstarrt Progrock so in seinen Mustern.

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Der Fokus bei Transatlantic liegt eindeutig auf dem zwanglosen Musizieren von Retro Prog-Versatzstücken, die in ihrer Länge durchaus die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen in Europa durchmessen. Dem homogenen Konzept von "The Whirlwind" haben Neal Morse und Co. auf "Kaleidoscope" abgeschworen. Auf der letzten Platte bestand das einende Band aus dem konzeptuellen Rahmen der Lyrics sowie den in der Ouvertüre eingeführten und im weiteren Verlauf wieder aufgegriffenen Motive.

Nun orientieren sich die Neo Prog-Veteranen an den ersten beiden Scheiben mit je zwei überlangen Longtracks, zwei ruhigen Stücken sowie einer rockigen Nummer und kredenzen das kleine Einmaleins des Prog, aufgehübscht durch Quintenzirkel-Training, rhythmische Akrobatik und solistischen Höchstleistungen. Was in den Siebzigern in musikalischer Hinsicht noch einer Solobesteigung des Mount Everest ohne Sauerstoff gleichkam, ist heute Mainstream, vergleichbar mit dem grassierenden Massentourismus in den Bergen.

Man merkt der Band die kurze Phase des Songwriting-Prozesses an. Patchwork heißt die Devise, und was Morse, Trewawas (Marillion), Stolt (The Flower Kings) und Portnoy (Ex-Dream Theater) im Laufe ihrer Sessions nicht ausgearbeitet haben, mündet in einen Jam-Part.

Auch wenn sich die Sparte Progrock schimpft, erstarrt sie selbst bei technisch höchsten Ansprüchen in diesem Fall in ihren Mustern. Die Produktion wie auch das Songwriting erschöpfen sich in einem inflationären Gebrauch der altbekannten Sounds und Motive. Zudem lassen es die Mannen um Zeremonienmeister Morse an großartigen Melodien vermissen. Die einzige coole Hookline findet sich im Titeltrack und weist starke Ähnlichkeit zu "Wind At My Back" auf, das von der letzten Morseschen Großtat mit Spock's Beard ("Snow") stammt, auf.

Ansonsten gibt es zur Abwechslung mal ein David Gilmour-Picking, das in einen von Trewawas gesungenen Teil mündet, der der Peter Gabriel-Ära von Genesis nachempfunden wurde. Auch Tourmucker Daniel Gildenlöw darf ein paar Vocals übernehmen. Alles klingt nett, wirkt in der bislang starken Diskographie von Transatlantic jedoch verzichtbar.

Transatlantic haben einer ganzen Generation den Progrock der Siebziger gelehrt. Doch streng genommen präsentierte die Supergroup schon vor 13 Jahren Songs mit Second-Hand-Ideen. "Shine" klingt wie "We All Need Some Light", "Beyond The Sun" knüpft an "Bridges Across Forever" an, ohne die Intensität dieser Ballade zu erreichen. Mittlerweile ist man dabei angekommen sich selbst zu kopieren.

Trackliste

  1. 1. Into The Blue
  2. 2. Shine
  3. 3. Black As The Sky
  4. 4. Beyond The Sun
  5. 5. Kaleidoscope

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5 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 6 Jahren

    2 Sterne finde ich zu wenig! Dafür ist Kaleidoscope nicht schlecht genug :) Klar, man bewegt sich im eingefahrenen Fahrwasser, aber trotzdem ist das noch hochwertiger Prog! Für den neutralen Hörer würde ich 3,5 bis 4 Sterne geben. Der Fan (alter Sack, ich :) ) gibt sogar 5 Sterne. Ich mags immer noch :)

  • Vor 6 Jahren

    Trau ich mich grad nicht so wirklich ran. Vielleicht später. Wär schade, wenn es mich so enttäuschen würde, wie die Rezi vermuten lässt. Zumal Yan Vogel auch die 4 Sterne Review zu The Whirlwind geschrieben hat, welches ich sehr mag.
    Ist das einzige Album, zu dem ich eine Special Edition mit Bonus Disk besitze. :D

  • Vor 6 Jahren

    Ich selber habe mich sogar daran gewagt, die "Super duper extra special deluxe hard cover book 3D edition" zu kaufen. Die Aufmachung in Buchform sehr toll, zudem mit Bonusdisc und Coversongs sowie einer DVD mit dem Album in 5.1 Surround Sound (war eigentlich mein Kaufgrund). Leider ist die Surroundabmischung eher mau, aber insgesamt habe ich den Kauf dennoch nicht bereut. Musik gefällt mir sehr gut, auch wenn nichts wirklich Neues geboten wird. Muss es das aber immer?

  • Vor 6 Jahren

    Diese 3D-Wackel- und Hologrammcover scheinen ja gerade im Trend zu liegen...

  • Vor 6 Jahren

    Nach 4 Hörgängen gefällt es mir immer mehr. Keine Ahnung, was der magische Effekt ist. Skepsis am Anfang war groß, weil die Songstrukturen seit je und eh ähnlich sind und es im Grunde nicht viel neues gibt. Wahrscheinlich bleiben unter dem Strich dennoch gute Songs übrig. 3 Sterne würde ich "objektiv" vergeben und als Fan reicht es für vier.