laut.de-Kritik

Eine Platte wie ein schwarzes Loch.

Review von

War was? Hier kommen elf neue Train-Songs und es könnte egaler nicht sein. Train – DIE Larifari-Band schlechthin war stets so bezaubernd engagiert und konsequent in ihrer Beliebigkeits-Mission, dass man ihnen eigentlich nicht böse sein wollte. Schließlich taten sie niemandem weh und ab und an fiel sogar ein Ohrwurm ab ("Drops Of Jupiter", "Hey, Soul Sister", "Drive By"), der einem ein kurzes Lächeln in die Fresse trieb, wenn man ihm in Einkaufszentren, Mitfahrgelegenheitsradios oder auf Filmsoundtracks begegnete.

Aber wir haben es hier bereits mit dem achten Album der Typen aus San Francisco zu tun und irgendwann ist auch mal gut. "A Girl, A Bottle, A Boat" ist musikalische Midlife-Crisis in peinlichster Form, kredenzt von Pat Monahan und Anhang. Allein der Titel weckt schlimmste Vorstellungen: Vermutlich saßen Train mit einem schönen Testosteron-Whiskey im Studio herum und überlegten: "Tja, wie können wir das Ding nun nennen? Hmmm, was braucht ein Mann denn so zum Glücklichsein? Hehe." Und dann das. Antizyklisch zur Entwicklung vieler anderer Bands wollen Train nicht reifen oder sich überhaupt weiterentwickeln, sondern zurück zur Pubertät und bestenfalls weiter. Die Hemd-Aufreiß-Stimme von Monahan wirkt dabei immer gequälter, knatschiger, die Texte konsequent lächerlicher. Die Musik ist zu albernstem Teeniepop verkommen.

So ist "Drink Up" direkt der verkrampfte Versuch, eine Saufhymne für Jungs zu kreieren, die irgendwo zwischen Maroon 5 und Pink landet - aber hoffentlich niemals in Bars. "Take this moment and put it in a glass" - Nee, komm, geh weg. Mit der ersten Single bedienen sich Train hingegen an einem genialen Trick: "Play That Song" erinnert an etwas, das wirklich jeder kennt, den volkstümlichen Grundschul-Smashhit "I Like The Flowers". Der einzige Moment der Platte, der bleibt.

Bei "The News" versucht man sich an schlechtem R'n'B und zu diesem Zwecke wird ganz oft "Baby" gesungen. "Lottery" versammelt wieder die mediterranen Klänge, auf die man sich als Band seit "Hey, Soul Sister" wohl geeinigt und die Train als Themesongspender für Pro7-Shows so attraktiv gemacht hat. Dazu wird ein bisschen getrommelt und sich Halsketten umgelegt. Hey na, Mallorca! Selbstverständlich ist es von dort nicht weit bis zum In-Die-Hände-Klatsch-Song des Albums, hier "Working Girl", der auch wieder einiges über das Frauenbild der Band verrät. "If you ain't sweet like Aspartame / Let me get the door for ya". Das macht doch richtig geil. Außerdem: Eine arbeitende Frau - wie spezifischer kann es denn noch werden? Wird es in "Silver Dollar": "A man is just a man, but a woman's a queen / Now I finally understand what she needs / It's real simple, if your woman is good / The sky is the limit". Es ist zum Heulen.

Und es kommt noch schlimmer. "Valentine" startet mit einem A-cappella-"Bombombom" und kurz entsteht die Hoffnung, Bruno Mars kommt gleich um die Ecke und reißt das Ruder nochmal rum. Nope. "I never gonna say goodbye" klingt an dieser Stelle wie eine Drohung. Die Probleme von Train müsste man haben: "What good is Saturday if you’re not here to say / I made you French toast and coffee come over / When ya coming back to California / Baby, I’m hungry". Vielleicht ist dieses Album auch nur ein genialer Trollversuch.

Bei "Loverman" gibt es dann Unterstützung von der Singer/Songwriterin Priscilla Renea. Sie macht einen guten Job, weil sie eine tolle Stimme hat. Leider darf sie nur immer wieder die gleichen zwei Zeilen wiederholen, wie bei einem Kinder-Abzählreim. Aber es klingt gut, was auch Monahan noch mal zu stimmlichen Übertreibungen anstachelt. "You Better Believe" stellt endlich die obligatorische Super-Ballade dar, die schon Bryan Adams mehrfach so ähnlich, aber viel besser in den Achtzigern aufgenommen hat. "They say that nothing lasts forever / They say that good times fade away": Ja, liebe Trains, eure good times sind ganz schön away gefaded. Stop it.

In einer Welt, in der jetzt alle schwermütig und wichtig klingen wollen, weil es gerade so drängt, machen Train einfach: Nichts. Das muss man auch erstmal wagen. I like the flowers, I like the daffodils.

Trackliste

  1. 1. Drink Up
  2. 2. Play That Song
  3. 3. The News
  4. 4. Lottery
  5. 5. Working Girl
  6. 6. Silver Dollar
  7. 7. Valentine
  8. 8. What Good Is Saturday
  9. 9. Loverman feat. Priscilla Renea
  10. 10. Lost And Found
  11. 11. You Better Believe

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