laut.de-Kritik

Sechs Melodic-Death-Metalisten streiten sich um den Platz an der Sonne.

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Die finnische Metal-Szene hat einiges zu bieten. Kaum ein Starkstrom-Subgenre bleibt unterbesetzt, wenn in den nordischen Wäldern die Amps auf Anschlag gedreht werden. Die fünf Mannen von Tracedawn reizen die Dinge ebenfalls gerne aus. Allesamt wurden sie bereits von Kindesbeinen an mit der hohen Kunst der Instrumenten-Beherrschung "gemaßregelt", und so präsentiert sich auf dem mittlerweile dritten Longplayer "Lizard Dusk" dementsprechend vortrefflich Eingespieltes.

Bei einer Ansammlung derartig talentierter Einzelkönner mangelt es oft an der musikalischen Einheit. Natürlich lässt die Melodic-Death Metal-Branche einiges an Spielraum zu, doch Tracedawn verzetteln sich auf ihrem Drittwerk noch allzu sehr in ausufernden Ego-Alleingängen. Ob die archaischen Growls von Neu-Frontmann Niko Kalliojärvi, die klassischen Duett-Vocals von Yli-Jaskari oder das filigrane Tastatur-Inferno von Keyboarder Vili Itäpelto: Ohne Rücksicht auf Verluste roten Faden tobt sich ein jeder innerhalb seines individuellen Schaffens aus.

Dazu kommen noch zwei Gitarren-Streithähne, die sich mit ihrem pompösen Gefrickel ebenfalls dauerhaft um den Platz an der Sonne streiten. Richtig leid tun kann einem da schon Schlagzeuger Perttu Kurttila, der emsig trommelnd versucht, das fragile Gebilde einigermaßen auf Kurs zu halten. Das gelingt aber recht selten. Zwar kommt es bisweilen ("Breed Insane", "Machine") durchaus zu Ansätzen von gemeinschaftlichem Spielfluss, doch insgesamt verfallen Tracedawn zu oft in interne Ellbogenkämpfe.

Den Alleinunterhalter-Höchstpreis ergattert letztlich Keyboarder Vili, der sich während der insgesamt neun Songs nahezu permanent in seinem eigenen Kosmos bewegt und mit seinen plastischen Klanglandschaften fast schon wie ein Fremdkörper wirkt. Zur Ruhe kommt der Fünfer nur ganz selten. Fast durchgehend läuft die melodische Todesmetall-Maschinerie auf Hochtouren.

Die Strukturen innerhalb des Songwritings sind klar definiert. Genre-typische Dino-Growls in den Strophen werden im Refrain durch klare und harmonische Metal-Vocals abgelöst. Das Wechselspiel funktioniert bisweilen auch recht ordentlich, auch wenn die Übergänge mitunter etwas abrupt geraten.

Lediglich "You're Fired" schwimmt sich etwas frei. Hier wird das eingebrannte Konzept für einige Minuten über Bord geworfen und frontal und ohne Abwege der Weg ins Ziel gesucht. Spätestens beim dritten Durchlauf stellt sich dann unweigerlich die Frage, ob sich die Band mit ihrem Hauptkonzept einen Gefallen tut. Vielleicht sollte man eher überlegen, ob die überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten eines jeden Einzelnen in Zukunft nicht besser in einem musikalischen Geradeaus-Bulldozer Platz nehmen sollten.

Trackliste

  1. 1. Arabian Nights
  2. 2. Breed Insane
  3. 3. Sick Fire
  4. 4. The Crawl
  5. 5. You're Fired!
  6. 6. Machine
  7. 7. Nothing And Nowhere
  8. 8. Thanks For Asking, I'm Just Obsessed
  9. 9. Taught My Eyes To Lie

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1 Kommentar

  • Vor 8 Jahren

    Danke wenigstens jm. der im Metal den Überblick behält und diese Ergüsse unkreativen Schmotzes mit einer korrekten Wertung belohnt. Muss ja zu gut im Metal zu verdienen sein - trotz bösen illegalen Download - wenn jede 0815-Band einen Plattenvertrag bekommt und mit ihrer drölftausenden Version von Modern Melodic Death Metacore whatever langweilt.