laut.de-Kritik

Kurz, knapp, leidenschaftlich. Hardcore wie er sein muss.

Review von

Songs unter zwei Minuten, voller emotionalem, deprimiertem und leidenschaftlichem Hardcore: Dafür waren Touché Amoré bisher bekannt. Deswegen waren sie mit Rise Against auf Tour und deswegen sind sie die beste Band der The Wave-Truppe. Gerade ihre Tagebuch-artigen Texte zwischen Selbstzweifel, Pathos und intimen Gefühlen machten die Band authentisch und großartig.

Und jetzt sagt Jeremy Bolm, Sänger und Texter, doch tatsächlich, dass er zu gut drauf sei, um weiter traurige Texte zu schreiben. Grundgütiger! Ist "Is Survived By" etwa ein gut gelauntes Postcore-Album? Definitiv nicht. Es ist lediglich nicht mehr ganz so aussichtslos, niedergeschlagen und melancholisch wie die Vorgänger.

Immer noch schreit Jeremy so, das man meint, seine Stimme müsste gleich brechen. Seine Texte klingen immer noch so, als ob er sie direkt aus seinem Tagebuch vorlesen würde. Nur klingt er nicht mehr so verloren und einsam, sondern kräftiger, mutiger und lebhafter: "Every love can't always stay and the dead will soon decay. With time we'll all be gone but how you lived can live on."

Seine Band macht auf "Is Survived By" genau das, was sie auf den Vorgänger-Alben auch schon großartig gemacht haben – nur länger und ausdauernder. Die zwölf Songs sind rappevoll mit Ideen. Auf "DNA" findet man in gut zwei Minuten mindestens sieben unterschiedliche Parts. Und das ohne einen Chorus. Die Gitarren wechseln sich dabei fröhlich in der Melodieführung ab oder dreschen auf Schlagzeug und Bass ein. Den Blick für große Momente und kleine Breaks haben die Jungs nicht verloren.

So geraten die Songs unheimlich dicht und atmosphärisch. Gerade weil sie selten die Drei-Minuten-Marke knacken wirken die Lieder vielseitig wie bei keiner anderen Hardcore-Band zur Zeit. Die Band ackert sich durch Jeremys Texte, vertont gekonnt, lässt ihm Raum zum atmen oder umarmt ihn brüderlich.

Das großartige "Non Fiction" steigert sich in bester Postcore-Manier ganz langsam und behutsam und kommt dabei wie eine kompakte Version von Envy rüber. Inklusive dem Wechsel von Reden zu Schreien. Im Opener "Just Exist" mit seinem spritzigen Gitarren und treibenden Drums klingt die Band so optimistisch wie noch nie. "Is Survived By" ist mit 3:30 Minuten das längste Stück der Platte und macht deutlich, dass sie es auch länger aushalten können ohne eine Sekunde zu langweilen.

Nach gut einer halben Stunde ist der Trip vorbei. Kurz ist die Platte schon, aber verdammt gut. So gut, dass es gar nicht stört und auffällt, wenn man sie einfach noch mal von vorne laufen lässt. Und noch mal.

Trackliste

  1. 1. Just Exist
  2. 2. To Write Content
  3. 3. Praise / Love
  4. 4. Anyone / Anything
  5. 5. DNA
  6. 6. Harbor
  7. 7. Kerosene
  8. 8. Blue Angels
  9. 9. Social Caterpillar
  10. 10. Non Fiction
  11. 11. Steps
  12. 12. Is Survived By

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11 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 5 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 6 Jahren

    Ha verschreckte Realisten und mit den guten alten Kamellen um sich werfend...der Nachruf gilt doch in Wahrheit genau Euch. Wunderbares Futter für genau die gescholtene Fraktion würde ich sagen. Wichtig ist aber natürlich seine Verachtung besonders herabwürdigend breitzutreten und das können wir hier doch immernoch meisterlich. Sicherlich wird aus Jeremy kein Goldkehlchen mehr und selbst alles Glück der Welt wird wohl Touché Amoré zu keiner christlichen Kapelle mit Happy End werden lassen. Mit Authenzität und Qualität zurückschlagen, damit glänzen Jungs schon etwas länger. "Is Survived By" ist wie immer engmaschig aber mit dem Extra an Focus für den Song. Es soll sogar Menschen da draußen geben die hier von richtig gute Laune bekommen...und 5/5 Sternen geben. Auf jeden Fall aber gute Rezi von Herrn Dittmann Wie wäre es auch mal mit der "fast" neuen Scheibe von "Modern Life is War" ?

  • Vor 6 Jahren

    @Cyclonos Hab mich auch gefragt was das mit Hardcore zu tun hat?? Hää?