laut.de-Kritik

Ganz große Handwerkskunst.

Review von

Eine "Best Of" der amerikanischen Soft-Prog-Jazz-Pop-Rocker Toto, was soll man dazu schon großartig sagen? Gehässig könnte man behaupten "40 Trips Around The Sun" sei Beschallungs-Nachschub für Schlupfhalbschuh-Träger beim Besuch der Gastronomie des Sylter Yachthafens. Oder aber man lässt sich darauf ein, dass Toto weit aus mehr auf der Pfanne haben als nur ihre Über-Hits "Africa" und "Rosanna".

Selbstverständlich muss die Frage erlaubt sein ob die Welt tatsächlich die offiziell zwanzigste (!) Toto-Zusammenstellung braucht. Das Verkaufsargument von "40 Trips Around The Sun" sind sicherlich die drei bis dato unbekannten Songs.

Der Opener "Alone" ist frisch eingespielt, und hält problemlos das Qualitätsniveau des letzten Albums "XIV". Satter Drum- und Percissiongroove, phänomenales Zusammenspiel von Saiten und Tasten (siehe auch das Lukather-Lick in der Bridge) und eine kapitale Hoolkine, fertig ist ein weiterer, zeitloser Hit. Für Toto-Fans sowieso - die erfreuen sich dazu an kleinen Details, wie im deutlich von The Police inspirierten Mittelteil. Aber besseren Pop-Rock mit Anspruch wird man in diesem Jahr vermutlich nicht zu Gehör bekommen.

Warum für "Spanish Sea" übrig gebliebene Aufnahmen des fünften Albums "Isolation" hervorgekramt wurden, ist innerhalb von zwei Takten klar. Das sagenhafte Rhythmus-Flair der beiden verstorbenen Porcaro-Brüder Jeff und Mike katapultiert den Hörer sofort zurück in die Achtziger - dieser Groove ist schlicht unkopierbar! Die zuckersüße Strophe (komplett mit dicken Akustikgitarren) und der treibende Chorus erzeugen eine schönen Spannungsbogen, der von einem Original-Achtziger-Tasten-Solo gekrönt wird. Ganz große Handwerkskunst.

"Struck By Lightning" entpuppt sich im Vergleich als konventionell arrangierter, jedoch unerwartet heftig pumpender Rocker mit kleinen Zeppelin-Licks und erstklassigem Lukather-Gitarren-Solo. Vielleicht nicht ganz so packend wie die beiden anderen 'neuen' Songs, dafür hervorragend zur klar rockorientierten Dramaturgie von "40 Trips Around The Sun" passend.

Denn das ist vermutlich der größte Unterschied zu allen anderen Best-Of-Compilations dieser Ausnahmeband: Songs wie "I'll Supply The Love", "Afraid Of Love", das irrwitzige "Jake To The Bone" und natürlich "Hold The Line" zeigen ganz klar, dass Toto nicht ausschließlich auf Schmusekurs unterwegs waren. Sehr empfehlenswert!

Trackliste

  1. 1. Alone
  2. 2. Spanish Sea
  3. 3. I’ll Supply The Love
  4. 4. I’ll Be Over You
  5. 5. Stranger In Town
  6. 6. 99
  7. 7. Struck By Lightning
  8. 8. Pamela
  9. 9. Afraid Of Love
  10. 10. I Won’t Hold You Back
  11. 11. Jake To The Bone
  12. 12. Stop Loving You
  13. 13. Lea
  14. 14. Hold The Line
  15. 15. George Porgy
  16. 16. Rosanna
  17. 17. Africa

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4 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    sehr zutreffend beschrieben. die fehlen auch sehr in der meilensteinrubrik.

  • Vor 3 Monaten

    Ich bin ja Toto Anhänger seit Toto 4, hab alle auf und abs...Todesfälle, Réunions mitbekommen...aber das hier muss eigentlich nicht sein...ist für mich irgendwie so als ob die Herren für ein neues Album nicht genug Material haben, und dann halt die Xte Best of auf die Menschheit loslassen...aufgefüllt mit 3 "neuen Titeln"...werds mir erst holen wenn es bei 5/6 Euronen liegt die Scheibe...
    Oh, wie gesagt das ändert nix an dem Gesamtpaket Toto, da muss ich jetzt mal den Ulf fragen:
    Welche Toto käme für dich als Meilenstein in Frage???

    P.S. Ich bin ganz klar bei Toto 4....

  • Vor 3 Monaten

    das ist nicht leicht.

    das debüt bietet den übersong "hold the linne".das album ist auch besser als es im damaligen zeitgeist aufgefasst wurde. dennoch wäre es nicht meine erste wahl bzgl meilenstein.

    - "hydea" und "turn back"? schöne platten; taugen aber nicht zum meilenstein. haben ja auch popkulturell nichts gerissen.

    - toto IV= kommt man in keinerlei hinsicht dran vorbei. nicht nur wegen "africa" und "rosanna". hätte ich also die wahl zwischen dem durch kimball im ohr gebliebenen "toto I" und der von paich geprägten "IV", wäre es eindeutig die "IV".

    • Vor 3 Monaten

      “Toto IV“ wäre wahrscheinlich der sicherste Meilenstein der Band, wobei das Debut oder vor allem “Seventh One“ auch verdient wären, letzteres ist für mich ihr bestes der 80er Jahre. Mein persönlicher Meilenstein der Band ist ihr progressivstes Album “Falling In Between“, die perfekte Mischung aus großen Songs und grandioser Musikalität. Aber klar, von der popkulturellen Relevanz her ist das natürlich nicht so meilensteinig.

    • Vor 3 Monaten

      verstehe ich. "falling" mag ich auch sehr. die "fahrenheit"-scheibe ist (m)ein rein privater favorit.

    • Vor 3 Monaten

      “Fahrenheit“ hat auch einige Perlen parat.

  • Vor 3 Monaten

    Schön, dass die unterschätzteste Band der Welt langsam auch in der breiteren Wahrnehmung die Anerkennung kriegt, die sie verdient und nicht nur auf ihre drei großen Hits reduziert wird. Diese Best Of brauche ich nicht aber dann irgendwie doch aufgrund der drei neuen Songs. Die Zusammenstellung der Best Of ist aber schon sehr balladenlastig. Gut, dass “Jake To The Bone“ drauf ist, so ein Knüllersong.