laut.de-Kritik

Die Artpop-Perlen verzichten auf große Gesten und kitzeln die Emotionen.

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Untätigkeit ist das letzte, was man Tim Bowness in den letzten eineinhalb Jahren vorwerfen kann. Das letzte Studioalbum "Flowers At The Scene" datiert auf Frühjahr 2019. Im Herbst 2019 ist schließlich das Comeback von No-Man erschienen, die er gemeinsam mit seinem Intimus Steven Wilson Ende der Achtziger aus der Taufe hob.

"Love You To Bits" klang - nomen est omen - sehr elektronisch und minimalistisch. Im April 2020 legte Bowness mit Peter Chilvers das Ambient-lastige Album "Modern Ruins" nach. Nun steht das nächste Studioalbum mit "Late Night Laments" in den Startlöchern.

Der langjährige Partner von Steven Wilson versteht es, auf seinen Soloalben die Emotionen zu kitzeln. Die Artpop-Perlen verzichten auf große Gesten, sondern mäandern zwischen analogen Instrumenten wie Piano und Vibraphon und digitalen Basics in Sachen Synths und Beats.

Das Cover folgt einer vergleichbaren Detaildichte wie bei "Lost In The Ghost Light", dem Konzeptalbum über die fiktive Band Moonshot Madness. Die Nostalgie springt den Betrachter förmlich an. Der verlebte Protagonist, der bei flimmernder Mattscheibe und inmitten reichlicher Unordnung den großen Geistern der musikalischen Welt auf Vinyl nachspürt.

Bowness, auch bekannt als Mr. Spock des Prog, verzichtet auf dem neuesten Werk nahezu gänzlich auf dynamische Spitzen. Wo auf den Vorgänger mal eine krachende Gitarre zu hören war, regiert auf "Late Night Laments" Klangkonformität. Der 56-jährige spart sich somit auch große Gesten. Das Fundament, und dazu gehört auch sein Gesang, klingt bei allen neun Stücken unaufgeregt. Kontrastierend dazu legt der Musiker die textlichen Inhalte an, die allesamt der dunklen Seite des menschlichen Geistes entspringen und neben existentiellen Fragen, insbesondere konfliktreichen zwischenmenschlichen Zuständen nachspüren.

Unterstützung erhält er von einer Ernst zunehmenden Riege an Gastmusikern, die zwar für einen fetten Sticker auf dem Frontcover gut sind, aber dennoch zum musikalischen Gehalt beitragen. Die halbe Hintermannschaft der mittlerweile leider eingeschläferten Porcupine Tree in Person von Richard Barbieri und Colin Edwin setzen einige gekonnte Farbtupfer.

Für sich genommen stellt Bowness einige fantastische Stücke zur Diskussion wie "The Hitman Who Missed", "Never A Place" oder "The Last Getaway". In der Summe wirkt die melancholische Atmosphäre zu gleichförmig.

Trackliste

  1. 1. Northern Rain
  2. 2. I'm Better Now
  3. 3. Darkline
  4. 4. We Caught The Light
  5. 5. The Hitman Who Missed
  6. 6. Never A Place
  7. 7. The Last Getaway
  8. 8. Hidden Life
  9. 9. One Last Call

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