laut.de-Kritik

Undurchsichtig, verwoben und gefährlich wie ein Schilfmeer.

Review von

Wie eine verschlüsselte Botschaft in antiken Hieroglyphen und mystisch wirkt das schlicht gehaltene Cover. Und viel greifbarer klingt auch die Musik der Platte nicht - schon eher traumhaft, transzendent und verwoben wie das stille, statische Miteinander von Schilfpflanzen. Getreu dem Albumtitel, der im alten Ägypten für das ewige Leben steht: Ein Leben, das nach dem Tod weitergeht, in einem traumhaften Flussdelta, bis in die Unendlichkeit gesäumt mit Schilf.

Schöner als mit These New Puritans hätten sich die alten Ägypter die Reise ins "Field Of Reeds" nicht ausmalen können. Die Band, inzwischen zum Trio geschrumpft, entwickelt ihre Musik weiter, entledigt die Songs ihrer Grenzen und Schemen – ohne ziellos zu sein. "These are all words lost in dreams" säuselt Gastsängerin Elisa Rodriguez zum Anfang von "Dream". Ein Statement, wie es zur Charakterisierung des Albums nicht besser passen könnte.

Lange vor diesem achten von neun Stücken steht fest: So oft sich die Platte aufgrund der langen Dauer der einzelnen Tracks langweilig anfühlt - die Klangkonstruktion, oft gläsern, klirrend und klar, dann wieder orchestral und opernhaft, ist sehr sachte durchdacht. Die Musiker spielen mit dem Hörer und dessen Verstand, ähnlich wie es CocoRosie auf ihrer letzten LP tun. Songs wie "The Light In Your Name" oder "V (Island)" stehen oft am Scheideweg, wenn die Briten poppige Melodien in ihre verstörenden Post-Rock-Felsen einstreuen.

Wird die hymnische Welle den Track einholen? Denkste! Schon bald geht es weit hinab in eine tiefblaue, verwobene See. Alles unaufdringlich, schwebend, aber niemals energisch. Dabei sind es meist minimalistische Klaviermotive, die die Stücke tragen. Wie in "Fragment Two", in dem sich außerdem erstmals Jack Barnetts gesäuselten Vocals hervortun. Oft als rhythmischer Sprechgesang und silhouettenartige Silben-Gestrüppe angelegt, was zum undurchschaubaren Gesamtbild beiträgt. Trotz Minimalismus plätschert die Platte keinesfalls vor sich hin – dazu bieten These New Puritans zu viel Abwechslung.

Mal verdunkeln trauernde Blechbläser ("Spiral") oder Mönchsgesang ("Field Of Reeds") die Stimmung, der quietschende Kitsch inklusive Synthorgel in "Organ Eternal" hellt die Atmosphäre dann wieder auf. Teilweise fühlt man sich wie auf dem Klassik-Konzert. An Schilfrohr kann man sich jedoch auch leicht verletzen. In diesem Fall bedeutet das, dass der Langspieler einfach seine Entfaltungszeit braucht. Und davon nicht zu wenig.

Songs, die teils volle neun Minuten in Anspruch nehmen, zehren nunmal. Spannend ist das nicht über die volle Spieldauer. Mit den harten Beats auf "Beat Pyramid" hat das wirklich nicht mehr viel zu tun. "Field Of Reeds" kommt da eher sanftem Balsam für die Seelen aller Weltschmerz-Mumien dieser Erde gleich.

Trackliste

  1. 1. This Guy's In Love With You
  2. 2. Fragment Two
  3. 3. The Light In Your Name
  4. 4. V (Island Song)
  5. 5. Spiral
  6. 6. Organ Eternal
  7. 7. Nothing Else
  8. 8. Dream
  9. 9. Field of Reeds

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1 Kommentar

  • Vor 9 Jahren

    Erinnert mich stark an ein abstrakteres "Spirit of Eden." Schon interessant, das sich gerade These New Puritans so künstlerisch entwickelt haben, unter all den HYPE-Bands, mit denen sie damals bekannt wurden.