laut.de-Kritik

Was haben die sich bloß in ihren Tee gemischt?

Review von

Ja, was kommt denn da um die Ecke gebogen? Ein neues The Tea Party-Album? Sogar die Band selbst muss sich dieser Tage des Öfteren zwicken: "Vermutlich hat keiner von uns dreien noch daran geglaubt, dass wir nochmal gemeinsam ein Studio betreten würden", gesteht Sänger Jeff Martin.

Die erste Frage, die sich aufdrängt, lautet: Was haben die drei Kanadier nach zehn Jahren Business-Abstinenz noch drauf? Lässt man das neue Album – so wie meine Wenigkeit – versehentlich mit dem dritten ("The Maker"), statt mit dem ersten Song von der Leine, kommt man schon ins Grübeln. Hier treffen doch wirklich schunkelnde Avantgarde-Rock-Klänge auf eingängige Liedermacher-Harmonien.

Aber es kommt noch schlimmer. Wer hätte gedacht, dass das tiefe Timbre von Jeff Martin im Verbund mit gewöhnungsbedürftigen Background-Sounds schaurige ZDF-Hitparade-Erinnerungen weckt? Kennt noch jemand Roger Whittaker? Oh je.

Auch das anschließende "Black Roses" vermag es nicht, die geistigen Bilder vom adrett gekleideten Grauhaar-Charmeur mit dem Faible für quadratischen Bartwuchs und zwölfseitige Akustikgitarren wegzuwischen. Die Hoffnung schwindet. Was haben sich die Ahornblätter in den vergangenen zehn Jahren bloß in den Tee gemischt?

Zeit, die Stopp-Taste zu betätigen und das Album so anzugehen, wie es sich gehört – nämlich von vorne. Und siehe da: Plötzlich orientieren sich die Mundwinkel wieder in Richtung Backenknochen. Es sei schließlich ein Rock'n'Roll-Album geworden, so die Band. Das leicht verfrickelte "The L.O.C." schält sich zwar noch ziemlich handzahm instrumentiert durch die Boxen, doch spätestens mit dem düsteren Atmo-Schlepper "The Black Sea" und dem anschließenden mit schaukelnden Distortion-Einschüben aufgepeppten "Cypher" beweisen Jeff Martin und Co., dass man durchaus noch weiß, was es braucht, um Freunde detailverliebt arrangierter Rock-Klänge zum Applaudieren zu bewegen.

Mit "The 11th Hour" und "The Cass Corridor" wagen sich die Kanadier sogar bis in Spacerock-Gefilde vor. Hut ab. Zwar gehen dem Dreier am Ende mit dem einschläfernden Titeltrack und dem völlig überflüssigen Ein-Ton-Instrumental "Into The Unknown" hörbar die Kräfte aus, doch ändert das nur wenig am grundlegend positiven Gesamteindruck, den "The Ocean At The End" beim Hörer hinterlässt – trotz Roger-Whittaker-Gedenkohrfeigen.

Trackliste

  1. 1. The L.O.C.
  2. 2. The Black Sea
  3. 3. Cypher
  4. 4. The Maker
  5. 5. Black Roses
  6. 6. Brazil
  7. 7. The 11th Hour
  8. 8. Submission
  9. 9. The Cass Corridor
  10. 10. Water's On Fire
  11. 11. The Ocean At The End
  12. 12. Into The Unknown

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