laut.de-Kritik

Meisterwerk mit bodenständigem und rauhem Sound.

Review von

Über die musikalischen Fertigkeiten dieser Band Worte zu verlieren hieße eine ganze Voliere voll Eulen nach Athen zu tragen. Nun steht nach zweijähriger - für manchen unendlich langer - Wartezeit "The Interzone Mantras" im Regal. Eine runde Angelegenheit. Wenn man einen Blick auf die Trackliste wirft, erkennt man, dass "Interzone" und "Mantras" die allumspannende Klammer um das Album bilden. Zwischen erstem und letztem Ton sprießt so manches zartes Ballädchen zu Tage und manch derber Rocker geht nach vorne los. Aber der Reihe nach.

Zwar ist das Klangbild der Platte reich an Facetten und Details, aber alles andere als pompös oder überladen. Rauh, ohne den Eindruck einer allzu großen Sound-Politur, wie es sich für ein bodenständiges Rockalbum gehört. Etwas gewöhnungsbedürftig, mit hektischen Bläsersätzen und rollendem donnerartigen Gitarrenlauf gerät der Einstieg "Interzone". Er handelt von einem Stadtteil in Algier, der so genannt wurde, weil dort christliche und islamische Kultur zusammen kamen. Spezieller Ideenreichtum zieht sich auch durch alle anderen Tracks. Ganz gleich ob Literatur, ganz persönliche Erfahrungen, Film, Philosophie oder das altbekannte Liebeslied, Jeff Martin findet immer den passenden Text zur Stimmung. Heftig gerät in dieser Hinsicht das erschütternde "Soulbreaking". Diese Geschichte basiert auf einem anonymen Brief, den Jeff Martin von einem sechzehnjährigen Mädchen erhielt, in dem sie schildert, dass ihr Vater sie immer wieder vergewaltigt. Entsprechend klingt das Lied: Voller Emotionalität, aber frei von kitschigem Pathos.

Einen einzigen Fremdkörper gibt es, der so gar nicht ins klangliche Konzept passt. "Walking Wounded" ist zwar eines der besten Stücke der Tea Party, passt in den Zusammenhang aber überhaupt nicht und hat den Charakter eines Kuckuckseis. Aber wie man es macht, ists verkehrt. Der Titel sollte auch teutonische Ohren umschmeicheln, da er bislang nur auf der in Deutschland nicht erhältlichen Kollektion "Tangents" vertreten ist. Richtig passend wäre eigentlich kein Platz auf dem Album, vor allem nicht der hinterste. Dieser ist nämlich einer genialen Sound-Bombe vorbehalten. "Mantra" heißt das achtminütige Epos und besser kann man einen Song nicht aufbauen. Erst trommelt sich Jeff Burrows den Wolf, unterstützt von sanften orientalischen Streicherarrangements und Jeffs leisem Saitengeklimper. Die einzelnen Songfragmente führen immer wieder zielgerichtet auf ein Zwischenhoch hin, bevor der Track zum Ende immer exstatischer wird. Ein Tea Party Meisterwerk!!

Ich frage mich ernsthaft, wer diesen verrückt-genialen Musikern das Wasser reichen sollte. Maximalpunktzahl auch für dieses Meisterwerk.

Trackliste

  1. 1. Interzone
  2. 2. Angels
  3. 3. The Master & Margarita
  4. 4. Apathy
  5. 5. Soulbreaking
  6. 6. Lullaby
  7. 7. Must Must
  8. 8. Walking Wounded
  9. 9. White Water Siren
  10. 10. Catharsis
  11. 11. Dust To Gold
  12. 12. Requiem
  13. 13. Mantra

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