laut.de-Kritik

Es zuckt und zappelt: Die Disko rockt.

Review von

Die Disko rockt. Das weiß die Musikwelt spätestens seit "Echoes", dem fulminanten Debüt aus dem Jahr 2003. Vier Elektro-Punk-Weirdheads, die - DFA sei Dank - der angestaubten Glitzerkugel den längst überfälligen Tritt in den Hintern verpassten und dieser Tage mit "In The Grace Of Our Love" zum dritten Full-Length-Schlag ausholen.

Fast schon weinerlich hisst die Stimme von Sänger Luke Jenner auf dem Opener "Sail Away" die Segel. Die Hi-Hats klatschen wild im Studio 54-Takt, während sich epische Synthieflächen ausbreiten. Weit weniger opulent kommt "Miss You" daher. Simple Hand-Claps bilden das Fundament, auf dem sich akzentuierte Spielereien auf einem Toys'R'Us-Keyboard sowie ein schmissiger Refrain austoben - ein nachhaltig wirkendes Stück.

Funktioniert aber nicht durchgehend, und so begibt man sich bei "Blue Bird" auf verzweifelte Rhythmussuche. Eine chaotische Ansammlung von sperrigen Abschnitten, die in seiner Ganzheit zwar ein hohes Maß an Punkattitüde versprüht, letztlich aufgrund der nicht enden wollenden musikalischen Anarchie aber schnell an Reiz verliert und eher Fragen aufwirft, als Antworten liefert.

Seis drum. Nimmt man den etwas lieblos platzierten Rausschmeißer "It Takes Time To Be A Man" noch in die Liste der Ausfälle mit auf, bleiben am Ende immer noch reichlich innovativ wirkende Perlen zwischen Acid-House, Pop und Punk übrig.

Untermalt mit Akkordeon pumpt sich etwaa das wummernde "Come Back To Me" seinen Weg durch knapp sechs Minuten, während Jenners Organ auf dem Titeltrack sein weinerliches Jauchzen fortführt. Fast schon eingängig und etwas funkig setzt sich "Never Gonna Die Again" vom Rest des Materials ab. Der Song wirkt wie ein kurzweiliger Waffenstillstand im Kampf der musikalischen Elemente.

Schunkelnd und verschmitzt setzt die Band ihren reißerischen Pop-Art-Feldzug mit "Roller Coaster" fort. "Children" gibt fast schon radiotauglich die krönende Speerspitze des Albums. Auch die verbliebenen Songs "Can You Find A Way?" und das von einem harmonischen Klavierlauf begleitete "How Deep Is Your Love?" reihen sich perfekt in das kontrollierte Durcheinander der Scheibe ein.

"In The Grace Of Your Love" zuckt und zappelt an allen Ecken und Enden und auch wenn oberflächlich wenig zu passen scheint, steht das Gesamtbild am Ende wie der berühmte Fels in der Brandung.

Trackliste

  1. 1. Sail Away
  2. 2. Miss You
  3. 3. Blue Bird
  4. 4. Come Back To Me
  5. 5. In The Grace Of Your Love
  6. 6. Never Gonna Die Again
  7. 7. Roller Coaster
  8. 8. Children
  9. 9. Can You Find A Way?
  10. 10. How Deep Is Your Love?
  11. 11. It Takes Time To Be A Man

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LAUT.DE-PORTRÄT The Rapture

Als The Rapture ihr erstes Album veröffentlichen haben sie schon zehn Jahre lang alles hinter sich, was man für einen Rockstar-Traum hinlegen muss: …

8 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Musikalisch auf jeden Fall wieder reichhaltiger, opulenter und in jeder Sekunde mitreißender und leidenschaftlischer als der ekelhaft sterile und blutleere Vorgänger beim Major. Und doch will sie einfach nicht so radikal in die Hüften rein, wie es das Debut tat...
    Tiefpunkt definitiv überwunden und auch soundtechnisch auf der Höhe der Zeit, fehlen mir bislang noch so ein bissl die Clubkracher wie "house of jealous lovers" oder eben das Titelstück der "Echoes".
    Aber ich denke, die Platte ist ein Grower und wird die nächsten Durchläufe noch hin zur soliden, gerechtfertigten 4-Punkte-Wertung des Rezensenten wachsen, der ebenfalls an einigen Stellen so wirkt, als sei er durch die wieder aktuelle Sound- und Arrangementvielfalt von The Rapture noch etwas orientierungslos auf der Platte, was der Rezi jedoch keine Qualität absprechen soll...

  • Vor 7 Jahren

    ein extrem seltsames album. tracks wie "blue bird" klingen für mich wie ein schlechter electro-beach boys hybrid. allgemein muss ich sagen, dass ich nach dem kauf erstmal geschockt war - jaja, blind kaufen sollte man nicht bei jeder band, aber ich mochte den vorgänger auch wenn er nicht echoes II war. also, tracks 1, 3, 7 und 8 finde ich absolut beschissen. irgendwie rufen sie auch teilweise yeasayers "odd blood" in erinnerung, nur nichtmals annähernd so facettenreich.
    das komische ist jedoch, dass der rest des albums fantastisch ist. naja, ich werde die genannten tracks aus meiner playlist löschen und habe dann ca +30 mins verdammt guter musik. ;)
    /
    @soulburn:
    komm, gib wenigstens zu, dass "get myself into it" 'ne hammer single war... das saxophon!!!!!!!! :D

  • Vor 7 Jahren

    @catweazel (« ein extrem seltsames album. tracks wie "blue bird" klingen für mich wie ein schlechter electro-beach boys hybrid. allgemein muss ich sagen, dass ich nach dem kauf erstmal geschockt war - jaja, blind kaufen sollte man nicht bei jeder band, aber ich mochte den vorgänger auch wenn er nicht echoes II war. also, tracks 1, 3, 7 und 8 finde ich absolut beschissen. irgendwie rufen sie auch teilweise yeasayers "odd blood" in erinnerung, nur nichtmals annähernd so facettenreich.
    das komische ist jedoch, dass der rest des albums fantastisch ist. naja, ich werde die genannten tracks aus meiner playlist löschen und habe dann ca +30 mins verdammt guter musik. ;)
    /
    @soulburn:
    komm, gib wenigstens zu, dass "get myself into it" 'ne hammer single war... das saxophon!!!!!!!! :D »):

    das meinst du nicht ernst... oder? Ich kann mir von der letzten Platte nur das Titelstück geben, das hat so einen lässig-schmissigen Groove, und glänzt ja überwiegend durch, von The Rapture eher ungewohnte, Zurückhaltung.
    Zurückhaltunng steht The Rapture aber nicht so gut im Vergleich zum exaltierten, hibbeligen und überboardenden Sound des Debuts. Insofern konnte ich auf der aktuellen Platte noch keine Totalausfälle festmachen.
    Witzig, dass du Yeasayer nennst - die hatte ich auch im Ohr, jedoch geht mir (als einzigem Menschen?) "Odd Blood" nicht so rein wie "All hour cymbals" - Stücke wie Sunrise oder Wait for the summer sind für mich schon beinahe Neo-Klassiker.
    Eigentlich bin ich verdammt froh, dass The Rapture mit dieser Platte nicht so eine Bauchlandung hingelegt haben, wie es die "Brüder im Geiste", The Faint, mit "Fasciination" vor 3 Jahren schafften...

  • Vor 7 Jahren

    jetzt wollte ich eben schreiben dass das Album mich stark an Yeasayer erinnert....Album an sich ist sehr geil, einzig Rollercoaster und Children sind zum wegskippen.... Der rest der Songs sind für mich allesamt Übersongs, ein absoluter Favorit ist unmöglich auszumachen. Interessant finde ich auch das ich jeden Song mit einer Discoepoche verbinde. In the Grace of your Love klingt total nach 70ern... und bin ich der einzigste der bei Come Back to Me sofort an Kalkbrenners "Self" album denken muss?

  • Vor 7 Jahren

    Kenn die Band garnicht aber sail away ist defintiv meine Kerbe.

  • Vor 7 Jahren

    ich bin noch immer geschockt, wie verdammt gut echoes sich gehalten hat. ach, die lautis...