laut.de-Kritik

Morbide Romantik, Sample-lastige Elektroparts und noisige Heavy-Eruptionen.

Review von

Die Vergleiche mit Porcupine Tree beruhen wohl auf dem ruhigen, gemäßigten, oft mystisch verfremdeten Gesang und dem dominanten Mastermind, der beiden Bands gemeinsam ist. Das Songverständnis von Pineapple Thief lässt sich kaum auf eine Stilistik reduzieren, meist aber verbündet sich Minimal Music mit spannungsreichen Soundscapes.

Die ersten beiden Songs von "3000 Days" arbeiten mit 7er Rhythmen, die in ihrer Repetition den Song zusammenhalten. Spartanische Akustik-Gitarren wiegen sich in einem vielschichtigen Klangspektrum bestehend aus wohl temperierten Synthie-Flächen und Sounds. Sample-lastige Elektroparts und noisige Heavy-Eruptionen stecken den Rahmen ab.

Was dazwischen passiert, entzieht sich jeder gerafften Darstellung. Auch im dynamischen Verlauf, der die Bezeichnung hier wirklich verdient, zeigt sich ein weiterer wichtiger Baustein des Klangkosmos der Ananasdiebe. Assoziationen zu Billy Corgans Stimmorgan oder Radiohead drängen sich auf.

Melancholie, Carpe Diem, Liebe; romantische Gefühlswallungen wohin man schaut, jedoch ohne in Selbstmitleid abzudriften. Eher bedient man sich der Selbstironie. Lullen Soord und Co. den Hörer mit einem Wohlfühlrefrain ein, so karikiert dies die Textzeile "I'm Doing All I Can, But All I Get, Is A Suicidal Plan" und entlarvt die kuschelige Geborgenheit als morphium-getränkte Abfahrt Richtung Tod.

Die autonome Arbeit im hauseigenen Studio ohne nerviges 'über die Schulter schauen' trendanbiedernder Plattenfirmenfuzzis ist eine wichtige institutionelle Voraussetzung für die Kreativität. Minimalistisch und unprätentiös wählen The Pineapple Thief den Weg der Fasslichkeit, wobei die genaue Beschäftigung mit der Produktion die Mehrschichtigkeit und den Ideenreichtum freilegt, der sich unter der Oberfläche verbirgt.

Pineapple Thief präsentieren sich nicht als Langfinger im Genre-Dschungel, sondern als geschulte Großwildjäger mit Plan und dem Auge für das Wesentliche. Allein dafür verdient die Band Respekt und musiziert für uns hoffentlich noch mindestens 3000 weitere Tage.

Trackliste

CD 1

  1. 1. God Bless The Child
  2. 2. Shoot First
  3. 3. Part Zero
  4. 4. 137
  5. 5. We Love You
  6. 6. Clapham
  7. 7. Dead In The Water
  8. 8. Kid Chameleon
  9. 9. Tightly Wound (Acoustic)
  10. 10. Remember Us

CD 2

  1. 1. The World I Always Dreamed Of
  2. 2. Wretched Soul
  3. 3. All You Need To Know
  4. 4. Vapour Trails
  5. 5. How Did We Find Our Way
  6. 6. I Will Light Up Your Eyes
  7. 7. Subside
  8. 8. Private Paradise
  9. 9. Snowdrops
  10. 10. Too Much To Lose

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