laut.de-Kritik

Schwermütig, launisch, englisch eben!

Review von

Hat der Sänger Liebeskummer? Ein Lied nach dem andere verbreitet eine so miese Atmosphäre, dass man davon selbst deprimiert wird. Und in der Tat: Sänger der Gruppe "The Good Life" Tim Kasher schrieb die Texte in einer schwierigen Phase seines Lebens mit Alkohol- und Beziehungsproblemen. Die Songs laden den Zuhörer ein, an seinen Problemen teilzuhaben und mit ihm in Selbstmitleid zu zerfließen.

Die ersten Zeilen von "O'Rourke's 1:20 a.m." sollen nur ein kleiner Vorgeschmack sein: "It's different when you go lonely, the whole worlds in love. Holding hands between bar's stools, and you're holding your tongue. Hold on - you're so fucked up..." Instrumental ist es anfangs mit sehr viel Synthies unterlegt, später kommen noch Drums und E-Gitarre hinzu. Zusammen ergibt es aber ein wunderbar trauriges Lied, in das Kasher seinen ganzen Frust gepackt haben muss.

Auch "Some Bullshit Escape" ist textlich total gefühlsbeladen und schwankt zwischen E-Gitarre und Synthesizer. Mit teils rockigen Soli übernimmt die E-Gitarre den dominanten Part und gibt dem Stück sogar einen irischen Touch. Auch "After O'Rourke's, 2:10 a.m." hat einen eigenen Sound. The Good Life setzen eine Kirchenorgel als Begleitung ein, die macht das Stück, wie man sich fast denken kann, schwer melancholisch.

Bei "The Beaten Path" bestehen die ersten 20 Sekunden aus elektronischen Beats, die einfach nur schrecklich anzuhören sind. Doch danach kommt ein Song hervor, wie man ihn von British-Pop-Bands gerne hört - harmonische Melodie, E-Gitarren- und Drum-Begleitung. Ab und zu ertönt in kurzen Zwischenspielen wieder der Synthesizer und erinnert an unangenehme Geräusche, wie man sie von Modems und Ballerspielen her kennt.

Bei "Drinking With The Girls" muss der Songwriter gefühlsmäßig hin und her gerissen gewesen sein. Vielleicht kann er sich nicht für eines der Girls an der Bar entscheiden? Bei dem Stück übernimmt jedenfalls niemand die Melodie. Gesang, Drums, E-Gitarre und Synthesizer sind zwar alle zu hören, aber ohne erkennbare Harmonie. Es scheint so, als ob sich jede Stimme als Melodie durchsetzten möchte und es am Schluss doch niemand schafft.

Die Band probiert auf dem Album musikalisch einiges aus. Die Lieder spiegeln die Launen von Tim Kasher gut wider - und das ist nicht nur an den unterschiedlichen Stilen der Songs zu erkennen. Auch innerhalb eines Stückes selbst wechseln die Stilrichtungen oft überraschend ab. Anfangs fällt es bei vielen Liedern schwer dabei zu bleiben, weil kein Zusammenhang und keine Melodie erkennbar sind. Der Zuhörer hat schnell das Gefühl, nicht durchzusteigen. Die meisten Songs sind aber für nachdenkliche Stunden geeignet, in denen man sich mit der ganzen Welt auseinandersetzt.

Trackliste

  1. 1. Black Out
  2. 2. The Beaten Path
  3. 3. Some Bullshit Escape
  4. 4. O'Rourke's, 1:20 a.m.
  5. 5. Early Out The Gate
  6. 6. The New Denial
  7. 7. Black Out
  8. 8. I Am An Island
  9. 9. Drinking With The Girls
  10. 10. After O'Rourke's, 2:10 a.m.
  11. 11. Empty Bed
  12. 12. Don't Make Love So Hard
  13. 13. Off The Beaten Path
  14. 14. Black Out

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LAUT.DE-PORTRÄT The Good Life

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