laut.de-Kritik

Ist Jayceon T. Taylor gut für einen Klassiker?

Review von

Eine Dekade ist es her, dass The Game die Ärmel hochkrempelte und mit fünf Millionen verkauften Einheiten die West Coast zurück auf die Karte setzte. "It's time to put Compton on the map", wieder mal. "The Documentary" aus dem Jahre 2005 ist und bleibt Games größter Erfolg. Aber war es wirklich sein Verdienst oder pumpt die Platte vor allem deshalb so saftig aus den Boxen, weil die Hintermänner Großes leisteten? Dr. Dre im Arbeitskollektiv mit Scott Storch hat auch vorher schon großartig funktioniert. Und J. Taylor, hungrig wie er war, durfte zubeißen.

Der Zeitpunkt, um die Fortsetzung unters Volk zu bringen, ist klug gewählt. Der Kinofilm "N.W.A." spülte Millionen Fans im Sommer in die Kinos, Dres Album "Compton" kam im Anschluss und jetzt mit etwas Verzögerung eben "The Documentary 2" (und eine Woche später noch "The Documentary 2.5"). Doch so sehr er es auch versuchen mag, The Game wird niemals auf einer Stufe mit seinen Idolen stehen - auch wenn er sie auf einem Track ("Don't Trip") vereint und sich damit wohl einen Jungendtraum erfüllt. Vielleicht ist er einfach zu sehr Fan und zu nah dran, um einen echten Klassiker zu schaffen.

Was mich an der Vortragsweise Games stets störte, war das groß angelegte Namedropping und der Versuch, so zu klingen wie seine Featuregäste. Auf "The Documentary 2" reduziert er beides auf ein erträgliches Minimum. Lediglich hier und da vergleicht er sich mit seinen Vorbildern oder wäre gern Biggie (oder wahlweise Eazy E). Einzig die Beats lässt er für Drake oder Future so zurechtschneidern, damit diese sich zuhause fühlen - und er als Ergebnis dessen ein wenig neben dem Spielfeld steht.

Doch größtenteils bewahrt er sich seinen eigenen Stil, seine Reimtechnik und Thematik, was der Fülle an Gastparts den wichtigen, roten Faden verleiht. Auch hier kommt wieder der Verdacht auf, dass The Game so sehr Fan ist, dass er viele erfolgreiche und angesagte Rapper unterbringen will, um mittendrin zu sein: Es gibt weniger Songs als Features auf der Platte, und das bei einer Tracklist, die 19 Songs umfasst.

Sieht man mal von dem verkorksten Versuch "Bitch You Ain't Shit" ab, in dem er in Spätneunziger-Eminem-Manier versucht, Frauen auf zwei Löcher zu reduzieren, gibts keinen Totalausfall. Dem stehen einige unterhaltsame, bangende, durchschnittliche und groovige Songs gegenüber. Besonders mit "L.A." und einem lässig flowenden Snoop Dogg im Ohr will man mit runtergelassenen Scheiben der kalifornischen Sonne entgegenrollen.

Ein fast schon grölend-rappender, an kratzigen, ungeölten Stimmbändern leidender Jay Roll macht in "Hashtag" den feinen Unterschied zum ansonsten anständig vorgetragenen Gangsta-Rap. Und Kendrick? Der fühlt sich pudelwohl und legt den wohl besten Part der Platte im - so scheint es - Vorbeigehen hin.

Ob Game nun wirklich seinen Erstling fortgeführt sieht oder ob der Titel der Promo geschuldet bleibt, beantwortet er selbst, indem er "The Documentary 2" noch vor der Veröffentlichung zum Klassiker ausrief. Es mag in dem Sinne eine Fortsetzung sein, als dass er seine Beats an die damalige Zeit anlehnt und ihm dabei der Spagat gelingt, nicht altbacken zu klingen. Ob das am Ende wieder am Einfluss Dres liegt?

Wie dem auch sei, der noch recht unbekannte Bongo The Drum Gahd und vereinzelt auch Will.I.Am, Cool & Dre und Jahlil Beats versorgen den Familienvater und mittlerweile 35-Jährigen mit anständig ausproduzierten Beats, die mal nach West Coast, mal nach New York klingen, ohne den Staub der 90er anzusetzen. Für den Titeltrack schraubten Premo und Dr. Dre einen abwechslungsreichen, mit Bombast versetzten Beat zusammen, für den sich Game ordentlich ins Zeug legt, um ihn zu killen. Schönes Ding!

Sich über die übertrieben lange Spielzeit von 73 Minuten zu ärgern, mag zu Teilen einer gewissen Ungeduld meinerseits geschuldet sein. Aber auch der Tatsache, dass es nur zu einer knapp überdurchschnittlichen Rap-Platte gereicht hat. Es gibt einfach so viel spannendere Themen an der sonnigen Westküste als einen streckenweise sehr guten Rapper in Normalform.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. On Me Ft. Kendrick Lamar
  3. 3. Step Up Ft. Dej Loaf & Sha Sha
  4. 4. Don't Trip Ft. Ice Cube, Dr.Dre & Will.I.Am
  5. 5. Standing On Ferraris Ft. Diddy
  6. 6. Dollar And A Dream Ft. Ab Soul
  7. 7. Made In America Ft. Mvrcus Blvck
  8. 8. Hashtag Ft. Jelly Roll
  9. 9. Circles Ft. Q-Tip, Eric Bellinger & Sha Sha
  10. 10. Uncle (Skit)
  11. 11. Dedicated Ft. Future & Sonyae
  12. 12. Bitch You Ain't Shit
  13. 13. Summertime Ft. Jelly Roll
  14. 14. Mula Ft. Kanye West
  15. 15. The Documentary 2
  16. 16. New York, New York
  17. 17. 100 Ft. Drake
  18. 18. Just Another Day
  19. 19. L.A. Ft. Snoop Dogg, Will.I.Am & Fergie

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9 Kommentare mit 15 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    4 Punkte, auch wenn ich mit 2.5 noch nicht ganz durch bin. Sowas wie 'L.A.' braucht es natuerlich nicht, zumindest nicht mit Fergie und will.i.am und nicht im Herbst.

    Besser als 'Compton' und TPAB, aber nicht besser als '90059'.

    • Vor 3 Jahren

      Wow, das Teil ist bei der Fülle an Tracks, Produzenten und Features kein Reinfall geworden? Bin gespannt. Habe seit dem Zweitling keinem Game-Album mehr so richtig was abgewinnen können.

      "90059" werde ich mir dann wohl mal genehmigen müssen.

    • Vor 3 Jahren

      Es ist wohl gerade wegen der Fülle an Tracks kein Reinfall geworden, denn bei mehr als 30 Songs oder so kann selbst The Game immer noch ein paar Volltreffer landen. Er ist ja eigentlich ein guter, imitiert halt aber nach wie vor penetrant oft den Flow seiner prominenten Gäste und eifert auch mal angesagten Sounds nach...und das nervt. Er will es halt jedem recht machen. Und das klappt ja auch. Auch bei mir. Hätte er das, was er als "zu schlecht" erachtet, wieder auf ein Free-Mixtape gebracht, hätte ich die Hälfte an guten Songs womöglich gar nicht auf CD im Schrank!

    • Vor 3 Jahren

      Stimmt schon. Wenn die Banger-Quote ähnlich hoch ist wie bei "Compton", könnte ich sogar einen starken Nachfolger in angenehmer Album-Länge zusammenbekommen. Ob das dann tatsächlich stimmig ist und vom Vibe her in irgendeiner Form an sein Debüt erinnert, ist natürlich eine andere Frage. :D

    • Vor 3 Jahren

      "animals" von compton ist nach wie vor saustark

    • Vor 3 Jahren

      Alleine die ersten 10, 11 Stuecke von 2.5 sind dick. Das ist bei 2.0 aehnlich, bei 'Mula' mit Kanye faellt es dann langsam etwas ab, danach folgt noch Drake, klar, und zum Schluss eben 'L.A.' Ich will die beiden Alben auch nicht unnoetig hypen, ich bin nur extrem positiv ueberrascht, denn wie gesagt: in meinem Leben kein Game-Album gekauft oder gehoert.

      Jay Rock sollte man haben. Im TDE-Shop mit Autogramm fuer wenig Muecken und ganz schnell im Briefkasten. ;)

    • Vor 3 Jahren

      Kann den Hate gegen The Game nicht so recht nachvollziehen. Seinen "OKE"-Flow zieht er ja eigentlich auch schon länger durch. Klar passt er sein Beatpicking den Trends an, aber will ernsthaft jemand noch die gleichen Beats aus der Dre-Ära 2000f. hören?

      Überrascht war ich von dem Album allerdings auch, OKE fande ich insgesamt doch etwas enttäuschend. Die Alben zwischen Doctor's Advocate und The Documentary 2 jetzt sind hier anscheinend nicht sehr viel beachtet, ich kann nur empfehlen auch noch mal in LAX und Jesus Piece reinzuhören, sehr gute Alben m.M.n.

  • Vor 3 Jahren

    2.5 ist aber allein aus dem Grund schon besser, weil DJ Eazy Dick wieder auf W-Balls auflegt! ;-) #BesterMann

  • Vor 2 Jahren

    Ich kann dem letzten Abschnitt der Review recht geben, beide Alben sind gut, jedoch nichts außergewöhnliches und ich würde seine alten Alben (eigentlich fast jedes seiner Alben) auf jeden Fall vorziehen. Jedoch, und das ist ein wenig ärgerlich, wenn man das beste der über 30 Tracks zu EINEM 15-20 Track starken Album kondensieren würde, wäre es ohne jeden Zweifel sein bestes Album, denn einige hochkarätige Banger sind wie immer dabei, und Game bzw. seine Features wissen reihenweise zu überzeugen.
    Das Konzept eines Doppel-Albums ist sicher interessant, jedoch meistens damit verbunden viele Filler drauf zu packen um es voll zu kriegen. Das ist schade, nichtsdestotrotz kann man sich 2.0 und 2.5 geben :)