laut.de-Kritik

Ausschweifende Prog Rock-Epen von und für Schweden.

Review von

Ich war noch nie großer Fan des Progressive Rock, und auch die Flower Kings wären für mich nach wie vor unentdecktes Land, wenn nicht der von mir sehr geschätzte Daniel Gildenlöw von Pain Of Salvation bei den Blumenkönigen ständig aushelfen würde. Somit sind mir die Epik-Rocker zumindest eine Erwähnung wert.

Von den technischen Fähigkeiten her ist das All-Star-Team außerhalb jeglicher Kritik, was sich nicht unbedingt auch auf die Musik übertragen lässt. Entweder man kann mit ausschweifenden Prog Rock-Epen der Marke Genesis, Yes und Pink Floyd oder nicht, falls ja dürfte "Meet The Flower Kings" mehr oder minder einer Offenbarung gleichkommen. Insgesamt sieben Stücke haben die Herren um Sänger/Songwriter/Gitarrist Roine Stolt im Staatstheater im schwedischen Uppsala eingespielt, gleich zu Beginn beweisen sie mit dem 31-minütigen "The Truth Will Set You Free" ihr Können. Dieses ist durchaus beeindruckend und dürfte für einige offene Münder sorgen, nur machen das fehlende Stageacting, der stinklangweilige Hintergrund und auch die äußerst sparsame Beleuchtung einiges kaputt. Würde die Kameraführung nicht ab und an in die Totale gehen und somit auch einen Teil des andächtig schweigenden Publikums zeigen, könnte man auch von einer ganz normalen Probesession ausgehen.

In die Stücke selbst sind immer wieder Szenen zweier Ballett-Tänzer hinein geschnitten, wobei nicht ganz klar ist, ob diese tatsächlich live zu den Klängen der Band agieren, oder ihre Performance nachträglich zur Musik hinzu gefügt wurde. Auch die anderen Kapitel der beiden DVDs sind wirklich nur was für beinharte Fans oder Schweden. Zwar kommt nicht viel verständlicher Text dabei rum, aber das, was verständlich wäre, wird dann auf schwedisch abgesabbelt und ist für den Zentral-Europäer genauso interessant wie ein halbes Kilo Dörrfleisch.

Beim Europa-Gig kann man zwar mal kurz "Wer erkennt die Stadt anhand der Bauwerke" spielen, das erschöpft sich aber auch sehr schnell, und ob's bei der Diskussion zwischen Drummer Zoltan und Roine wohl darum geht, wer jetzt wem den Sack rasiert, ist auch nicht wirklich von Belang. "Oddballs Of Rehearsing" ist in etwa so spontan und witzig, wie Sieben Tage, Sieben Köpfe, und das einzige, was neben den musikalischen Darstellungen so etwas wie Interesse bei mir wecken kann, ist der Studio-Beitrag "In Recording Studio June 2002".

Etwas seltsam finde ich, dass sich die Titel der Zwischenspiele in der Menü-Führung von denen auf der Rückseite der DVD unterscheiden. Da der Sound der Live-Aufnahmen aber wirklich exzellent und jedes Instrument schön zu hören ist, sollte man erst mal überlegen, ob man nicht lieber nur zur Doppel-CD greift. Diese unterscheidet sich in der Songauswahl nicht von der Doppel-DVD, und wie gesagt, die Zwischenszenen sind nur was für ganz harte Fans.

Trackliste

  1. 1. The Truth Will Set You Free
  2. 2. On Tour In USA
  3. 3. Garden Of Dreams Pt. I
  4. 4. On Tour In Europe
  5. 5. Garden Of Dreams Pt. II
  6. 6. Setting Up For The DVD
  1. 1. Humanizzimo
  2. 2. Oddballs OF Rehearsing
  3. 3. Circus Brimstone
  4. 4. In Recording Studio 2002
  5. 5. Silent Inferno
  6. 6. On Tour In South America
  7. 7. Stardust We Are

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