laut.de-Kritik

Verkopfte Beatles-Oden führen ins Nirgendwo.

Review von

The Dodos machen sich nicht viel aus gängigen Song-Formaten. Standardisierte Schemen aus Vers, Bridge und Chorus kommen bei den kalifornischen Indierockern nur sehr selten zum Zuge. Stattdessen verlieren sich die beiden Hauptverantwortlichen Meric Long (Gitarre, Gesang) und Logan Kroeber (Drums) viel lieber in ausufernden Klanglandschaften jenseits der Masse.

Auch auf ihrem mittlerweile fünften Album "Carrier", drehen die beiden Indie-Träumer mit Vergnügen am knarzigen Psychedelic-Zeiger. Dabei steht Spontanität und Experimentierfreudigkeit ganz oben auf der Liste.

So bedarf es diverser Durchläufe, um die Schlüssel zu verkopften Hypnose-Ergüssen wie "Transformer", "Substance" oder "The Current" ausfindig zu machen. Wer dann einmal einen Fuß in die Tür gesetzt hat, zieht selbigen aber auch schnell wieder zurück; denn hinter zunächst verschlossenen Toren präsentiert sich nur selten Langlebiges. In sich gekehrt und die Köpfe gen Boden gesenkt, spielen die beiden Protagonisten aneinander vorbei.

Nur selten kommt es zu einer freundschaftlichen Umarmung. Schade eigentlich, denn sobald sich der Zweier dazu entschließt, als Einheit zu fungieren, präsentieren sie durchaus wohlklingende Indie-Folk-Rock-Ansätze ("Relief", "Family"). Plötzlich spazieren Pilzkopf-Anleihen über die Golden Gate Bridge und verbinden Antikes mit der Gegenwart. Geht da noch was?

"Destroyer" und "Death" kuscheln sich ebenfalls in flauschige Lennon und Co.-Kopfkissen, wobei sich bei Zweitgenanntem die eine oder andere zu viel geschluckte Schlaftablette letztlich als Stimmungskiller erweist. Dennoch: Die Richtung stimmt. Longs glasklares Liverpool-Organ, das akzentuierte Schreddern seiner Strat und die unaufgedrängte Rhythmik Kroebers, scheinen den Knoten zu lösen.

Vier Minuten später ist die Stimmung jedoch wieder im Keller; denn das abschließende "The Ocean" treibt abermals einen Keil zwischen die beiden Musiker. Erneut schwebt das Duo in getrennten Fliegern gen Nirgendwo. Das Ziel mag dasselbe sein – die jeweiligen Routen sind es definitiv nicht.

Trackliste

  1. 1. Transformer
  2. 2. Substance
  3. 3. Confidence
  4. 4. Stranger
  5. 5. Relief
  6. 6. Holidays
  7. 7. Family
  8. 8. The Current
  9. 9. Destroyer
  10. 10. Death
  11. 11. The Ocean

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2 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Und ich hab' noch vor zwei Tagen über das Ausbleiben von Dodos-Kritiken gejammert ...!

    Wirklich freuen kann ich mich über die Rezension aber auch nicht, weil ich die zwei Sterne etwas streng finde.
    So gut wie das Vorgänger-Album oder gar "Visiter" ist "Carrier" sicher nicht geworden, aber drei Sterne hätten drin sein sollen. Das Album braucht seine Zeit, ja, und auch nach Band-internen Maßstäben ist noch Luft nach oben.

    Aber wenn das hier schon nur zwei Sterne sind, wäre "Time To Die" wohl ein Fall für den einen Stern gewesen. Und Miley-Liga spielen die Dodos dann ja wohl doch nicht.

  • Vor 6 Jahren

    Stimme ich zu. So schwach ist das ganze nicht!