laut.de-Kritik

Splendid! Ein Konzeptalbum über Briten und ihre Büros.

Review von

Eigentlich müsste man hier mit einem Satz beginnen, der das perfekte Timing für so ein Quasi-Konzeptalbum über Behaviourism in britischen Büros anspricht, nur: Die Sache mit dem Brexit dehnt sich mittlerweile in ein derart breites Zeitfenster, dass es quasi kaum noch möglich ist, dran vorbei zu schreiben, ob nun inhaltlich oder zeitlich, ob kommentierend, kritisierend oder einfach nur dezent nachfragend.

Neil Hannon ist natürlich ein schlauer Typ und vermeidet allzu offensichtliche aktuelle Anküpfungspunkte. Vielmehr bietet das Titelbild von "Office Politics" einen gut informierten Crossover aus 80s-Computer-Aufbruch und surrealen Cover-Collagen im Stile von 10cc, ein Mix aus Stockfoto-Idylle und Hipgnosis-Style für Teilzeit-Designer.

Seine Schnurren über die Eigenarten der britischen Landsleute verpackt er in Anekdoten aus dem Arbeitsleben: Mal referiert er, wie im Titeltrack, über die ungeschriebenen Gesetze im 9to5-Kosmos, an anderer Stelle erzählt er davon, wie man sie bricht: "I jump the queue, because I'm smarter than you".

Was Fans von Divine Comedy und damit ihre Erwartungen an den gelernten Hannon-Sound angeht, herrscht hier ein etwas anderer Ton als zuletzt. Schwelgerisch-Orchestrales, Kammerpop, Epen in Reihe - all das findet man auf dem mittlerweile zwölften Studioalbum der Band kaum in der gewohnten Dichte. Stattdessen hat Hannon, passend zum retrofuturistischen Look der Platte, ein paar alte Synthesizer entstaubt und zitiert mal mehr, mal weniger dezent, die Granden der Knopfdruck-Ära.

"Office Politics" gemahnt an Kraftwerks Taschenrechner-Zeiten, "Psychological Evaluation" verbaut Vocoder-Effekte und nervöse Beats zu einem Daft Punk/Human League-Crossover, "The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale" klingt wie Workshop von Cabaret Voltaire mit Devo.

Ganz ohne den Pomp früherer Platten geht es natürlich nicht. In "Norman und Norman" klingt Hannon wie der späte Bowie beim Einsingen eines ABBA-Demos, "A Feather In Your Cap" flirrt wie ein wehmütiger Sundowner, "When The Working Day Is Done" lässt die Streicher und Chöre den wohlverdienten Feierabend einläuten.

Unterm Strich ein überraschend verqueres Album, das sich wohl etwas setzen muss, um mit dem nötigen Abstand über die Einordnung ins Ouevre entscheiden zu können. Inspiriert und auf etwas skurrile Art unterhaltend ist es in jedem Fall.

Trackliste

  1. 1. Queuejumper
  2. 2. Office Politics
  3. 3. Norman And Norma
  4. 4. Absolutely Obsolete
  5. 5. Infernal Machines
  6. 6. You'll Never Work In This Town Again
  7. 7. Psychological Evaluation
  8. 8. The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale
  9. 9. The Life And Soul Of The Party
  10. 10. A Feather In Your Cap
  11. 11. I'm A Stanger Here
  12. 12. Dark Days Are Here Again
  13. 13. Philip And Steve's Furniture Removal Company
  14. 14. Opportunity' Knox
  15. 15. After The Lord Mayor's Show
  16. 16. When The Working Day Is Done

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