laut.de-Kritik

Justins neuer Zwirbelbart bremst den irren Kehlkopfgesang.

Review von

Ach, The Darkness. Die perfekte heimliche Lieblingsband für die lichten Tage im Rock-Universum. Mögen die Briten von Nörglern als peinlich oder schlechter Witz verschrien sein, Hits wie "Get Your Hands Off My Woman" oder "One Way Ticket" können einem immer noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und rocken nebenbei ganz amtlich.

Klar haben The Darkness in ihrer Karriere nicht nur solch flotten Gassenhauer rausgehauen, aber im Gedächtnis (und auf dem MP3-Player oder smarten Phone) bleiben am Ende eben genau diese hängen. Entsprechend verblüfft da der Auftakt zu Album Nummer 4: Die Wikinger-Hymne "Barbarian" kommt heavy stampfend statt leichtfüßig und setzt düstere Klangwolken an den Himmel. Die Gitarrenriffs peitschen wie Wellen auf hoher See, und der neuerdings zwirbelschnauzbewehrte Justin Hawkins agiert geradewegs reserviert. In den Refrain streut der Fronter zwar eine Kostprobe seines berüchtigten Kehlkopfgesangs ein, doch den Todesstoß setzt dann das Gitarrensolo.

"Open Fire" bietet kraftstrotzenden Classic Rock, aber indem Justin auf eine ungewohnte, tiefere Stimmlage zurückgreift, klingt das überraschend wenig darknesslike. Wo bleibt denn nun das Hochfrequenz-Jaulen, dieser schräge Touch? Kommt noch, aber erst im Titeltrack: In "Last Of Our Kind" setzt Leadgitarrist Dan Hawkins erst auf gezupfte Klänge, die er im Refrain zu einem knackigen Riff anschwellen lässt, während sein Bruder Justin das hohe C rauspresst. In der Summe ergibt das jenen Pomp-Rock an der Grenze zwischen augenzwinkernd und überzogen, der so manchen Hörer wohl entnervt das Handtuch werfen lässt. Tja: Pech gehabt.

Die Band lebt ihren Hang zur Knallköpfigkeit anno 2015 in geradewegs homöopathischen Dosen aus: In "Mighty Wings" gehen mit den Hawkins-Brüdern zwar einmal mehr die Queen-Fanboy-Fantasien durch, was in eine herrlich abgedrehten Bombast-Nummer samt spaciger Keyboardklänge mündet. Ansonsten ist "Last Of Our Kind" eine unerwartet gradlinige Angelegenheit geworden. Straighter Rock – doch mit genügend Hooks, Energie und Witz, um das Ganze stets frisch zu halten.

"Roaring Waters" kommt funky daher, und auch "Mudslide" verführt zu Hüftzuckungen. Dazwischen findet sich mit "Wheels Of The Machine" die erste balladeske Nummer, die sich allerdings aufgrund einiger listiger Falsett-Eruptionen nur bedingt zur Schlafzimmer-Beschallung eignet. Dennoch kann der alte Weirdo Justin nicht raus aus seiner Haut. Und seien wir ehrlich: Wenn der Kerl mit schriller Stimme "I'm dynamiiiiiiiiiite" schmettert, ist das grandios uncool.

Das finale Drittel eröffnet "Sarah O'Sarah", das die Lungen mit Stadionluft vollgepumpt hat und streng nach Mitklatsch-Vorlage für kommende Konzerte riecht. Dass heute nicht mehr Original-Drummer Ed Graham, sondern erstmals Emily Dolan Davies die Trommeln bearbeitet, fällt jedenfalls nicht negativ auf. Das Hauptriff im knackigen "Hammer & Tongs" wirkt dann wie eine Verneigung vor den Rolling Stones. Mit der eher schwachbrüstigen Schlussballade "Conquerors" gleitet das Quartett schließlich auf dicker Schmalzspur von der Bühne. Bassist Frankie Poullain nutzt seine Premiere als Lead-Sänger hier dazu, sich als billige Kopie des eigentlichen Sängers zu versuchen.

Ein passender Schlusspunkt zu einem zwar vergleichsweise zahmen, dennoch gelungenen Album. Wäre die Welt ein Wunschkonzert, hätte es noch ein Song mehr mit dem Schrägheitsfaktor von "Mighty Wings" sein dürfen. Doch auch so liefern The Darkness mit "Last Of Our Kind" ein dick geschnürtes Gute-Laune-Paket ab. Hoffentlich nicht das letzte seiner Art.

Trackliste

  1. 1. Barbarian
  2. 2. Open Fire
  3. 3. Last Of Our Kind
  4. 4. Roaring Waters
  5. 5. Wheels Of The Machine
  6. 6. Mighty Wings
  7. 7. Mudslide
  8. 8. Sarah O'Sarah
  9. 9. Hammer & Tongs
  10. 10. Conquerors

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2 Kommentare

  • Vor 4 Jahren

    Die waren auch schon immer so richtig behindert.

  • Vor 4 Jahren

    Ah, The Darkness! Da ist er wieder, guter alter Rock N Roll in den unterschiedlichsten Spielarten. Die Zutaten sind wie immer bestens bekannt: Aufregende elektrische Gitarren, jede Menge Power und Spielfreude der dunklen Herren ( inklusive einer Dame an den Drums zumindest bei der Aufnahme des Albums).
    Insgesamt sehr vielseitig und abwechslungsreich. 2-3 richtig harte Titel, einer schon ein wenig in Richtung Stoner-Rock, auch eine Ballade ist dabei und Justins Stimme ist sowieso amazing!
    Kein Titel der wirklich abfällt, wenn man das Album am Stück hört.
    Mein Favorit: Hammer and Tongs, hier lassen dann aber echt die FACES und die STONES grüßen oder werden gegrüßt!

    Es hätten gern auch noch 2 Titel mehr sein können, aber vieleicht gibt es ja wie bei den ersten Alben jeweils zu den Single-Auskopplungen noch nette Überrraschungen