laut.de-Kritik

Wirr und weird: Die Bohèmiens pfeifen auf Hits.

Review von

Seit 25 Jahren und mit dem jetzt mittlerweile zehnten Album geistern The Dandy Warhols nun schon durch die Musikszene. Und immer noch denkt man als erstes an ihren Megahit aus dem Jahr 2000 – "Bohemian Like You".

Der Bohèmien als Hipster hat sich in der Popkultur irgendwie ja nicht richtig durchgesetzt, doch diese Band mit dem Pop-Art-Wortspielnamen hat sich die Definition dessen einverleibt. Auf ihrem neuen Album "Why You So Crazy" ist diese unbekümmerte und unkonventionelle Herangehensweise schön zu beobachten.

Es beginnt einlullend mit einem Leierkasten-Sound, doch bereits der zweite Track schlägt andere Töne an: Minimal und elektronisch erinnert "Terraform" ein wenig an die Synthierocker von Trans Am, und es folgt Track für Track ein kurioser Ritt durch Genres. "Highlife" ist eine weirde Westernparodie, inklusive "Yihaaa"-Lyrics und einer Melodie, die auch Rednex nicht schlimmer hinbekommen hätte. Auf "Be Alright" besinnt sich die Band auf ihre Psychedelic-Wurzeln, "Motor City Steel" erinnert frappant an Iggy Pops "Real Wild Child", und "Sins Are Forgiven" spielt mit einem simplen Country-Muster.

Und das ist auch das Grundproblem aller Songs auf "Why You So Crazy": Das Simple, das unter der schillernden Oberfläche dieses Stilmixes, wabert. Die Melodien sind einfach, monoton und plätschern vor sich hin. Der letzte Track "Ondine" entlässt den Hörer schließlich ein wenig ratlos mit einer Komposition von "Bolero"-Komponist Maurice Ravel und dem Wunsch, jemand möge einem Weintrauben reichen, auf das man sich dem Müßiggang hingeben könne.

Als Inspiration für "Why You So Crazy" nennt die Band rätselhafterweise "Modern Love" von David Bowie, einem ziemlich straighten Pop-Song mit catchy Hookline. Einen solchen Song sucht man auf dem Album vergebens, es sind eher Dekonstruktionen eines Hits wie der swingende Bowie-Track.

Und so bleibt von all den eklektischen sowie experimentellen Songs leider nichts hängen. Es drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass The Dandy Warhols auf jeden Fall einen erneuten Hit wie "Bohemian Like You" verhindern wollen. Das ist ihnen in jedem Fall gelungen.

Trackliste

  1. 1. Fred N Ginger
  2. 2. Terraform
  3. 3. Highlife
  4. 4. Be Alright
  5. 5. Thee Elegant Bum
  6. 6. Sins Are Forgiven
  7. 7. Next Thing I Know
  8. 8. Small Town Girls
  9. 9. To The Church
  10. 10. Motor City Steel
  11. 11. Forever
  12. 12. Ondine

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1 Kommentar

  • Vor 2 Jahren

    Bin sehr auf das Album gespannt, aber liebe laut Redaktion ihr habt drei Alben der Band unterschlagen. Nach ...Earth to the Dandy Warhols...kam noch The Dandy Warhols Are Sound, This Machine und Distortland raus. Ok vielliecht bin ich ein Klugscheisser aber ich finde auch diese Band hat einen Anspruch auf eine komplette Discographie.