laut.de-Kritik

Die Warholsche Space-Opera langweilt zu Tode.

Review von

Auslassungspunkte sind Satzzeichen - drei Punkte hintereinander; man benutzt sie, wenn ein Teil des Satzes fehlt oder der Autor etwas in der Schwebe lassen möchte. "...Earth To The Dandy Warhols..." schreibt sich gleich zweimal mit Auslassungspunkten, das bedeutet: Da fehlt vorne und hinten was.

Der Vorgänger brachte neben miesen Kritiken so schlechte Verkaufszahlen, dass die Warhols die Beziehung zu ihrem Label Capitol prompt beendeten. Jetzt wäre es eine große Geste gewesen, für den Nachfolger eine eigene Plattenfirma zu gründen und Hörer und CEOs qualitativ vom Hocker zu hauen.

Wäre gewesen. Einen Teil dieses DIY-Plans haben die Warhols jedenfalls erledigt: "...Earth To The Dandy Warhols..." ist von Sänger/Gitarrist Courtney Taylor-Taylor produziert, das Album auf dem flugs aus der Taufe gehobenen Label Beat The World Records erschienen. Das mit der guten Musik hat allerdings nicht ganz geklappt.

Das 70 Minuten lange epische Werk nudelt und dudelt vor sich hin, ohne einen erkennbaren Spannungsbogen und ohne zumindest eine Speiche im sprichwörtlichen Rad neu zu erfinden. Die etwas halbherzige Space-Aufmachung des Booklets steht Pate dafür, dass Taylor-Taylor, nun mit erboxter maximaler Freiheit ausgestattet, offenbar mehr Bongs als Gitarren im Studio hatte und die Bandrakete weit ins All hinausgeschossen hat - von der Erde kaum mehr erkennbar, treibt sie seitdem irgendwo ins Nichts.

Das Gros des Albums ist ein semi-psychedelischer, unscharfer Brei. Da reißt auch Mark Knopfler mit seinem Banjo-Part auf "Love Song" wenig raus. Wahrscheinlich wollten die vier lässig und zurückgelehnt klingen, Stärken endlich mehr Platz lassen und so. Das Ergebnis ist leider einfach nur lahmarschig.

Einziger Anspieltipp ist ausgerechnet der Song mit dem längsten Namen: "The Legend Of The Last Of The Outlaw Truckers aka The Ballad Of Sheriff Shorty" twangt wunderbar trocken und cowboy-cool vor sich hin, aber leider hat Taylor-Taylor im Alleingang die restlichen Melodien ersoffen im Effektschleim.

So zitatstark die Band immer war, zitiert sie auf diesem Album nur mehr sich selbst in besseren Zeiten (und vielleicht noch Spiritualized) - und das nicht mal gut. 50 Prozent der Songs klingen tatsächlich nach früheren Ideen und unverholener Klauerei von "Ladies And Gentleman We Are Floating In Space". Na gut, bis auf "The World The People Together (Come On)", der Track hört sich an wie ein langatmiger Remix des Futurama-Titelsongs. Sogar der Duran Duran-angehauchte White Funk "Welcome To The Third World" schleppt sich unausgegoren voran und versinkt mit beleidigend dämlichem Text in eine belanglose Radiosülze.

In der zweiten Hälfte lösen sich die Songstrukturen langsam in einen schnarchigen, zähen Pamp auf, und sogar Coreys generell nicht tolle Stimme wird so müde und dünn, dass der Text kaum noch vernehmbar ist - was aber nicht viel ausmacht, wenn man genau hinhört. Die letzte Viertelstunde dann riesige Synthieflächen im "Musée de Nougat": danke, geschenkt.

So stehen die Auslassungspunkte vor und nach dem Albumtitel tatsächlich für etwas, das fehlt, nämlich Schwung und neue Ideen. Die Dandy Warhols 2008 klingen repetitiv statt innovativ und progressiv, und während man nach 70 Minuten todmüde die Glieder streckt, fragt man sich: Kommt die Rakete irgendwann wieder zurück auf die Erde?

Trackliste

  1. 1. The World The People Together (Come On)
  2. 2. Mission Control
  3. 3. Welcome To The Third World
  4. 4. Wasp In The Lotus
  5. 5. And Then I Dreamt Of Yes
  6. 6. Talk Radio
  7. 7. Love Song
  8. 8. Now You Love Me
  9. 9. Mis Amigos
  10. 10. The Legend Of The Last Of The Outlaw Truckers Aka The Ballad Of Sheriff Shorty
  11. 11. Beast Of All Saints
  12. 12. Valerie Yum
  13. 13. Musee D'Nougat

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