laut.de-Kritik

Plattenfirma sucht den Supermönch.

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Interessant: Casting-Shows machen inzwischen auch vor Klostermauern nicht mehr Halt. Per Inserat in verschiedenen kirchlichen Zeitschriften begab sich der britische Zweig einer großen Plattenfirma auf die Suche nach dem besten gregorianischen Chorgesang. Den Siegern winkte ein Plattenvertrag. Universal sucht den Supermönch?

Das Konzept scheint aufzugehen. Aus den Fluten von Zuschriften aus Abteien weltweit pickten die Verantwortlichen die Zisterziensermönche des Stifts Heiligenkreuz im Wienerwald heraus. Deren Album "Chant - Music For Paradise" erfreut sich inzwischen einer beachtlichen Platzierung in den Popcharts.

Darüber, ob Musik dieser Art dort etwas zu suchen hat, lässt sich gewiss ebenso verbissen streiten wie darum, wie sich mönchische Tugenden wie Demut und Bescheidenheit und offensichtlicher Ausverkauf unter einen Hut bringen lassen. Mittels offensiver Vermarktung werden die getragenen rituellen Gesänge zumindest sichtlich erfolgreich massenweise unters Volk gebracht.

An der Erhabenheit, der schlichten Schönheit und der meditativen Wirkung des Gebotenen ändert eine solche Debatte nichts. Dankenswerterweise verzichtete man bei den Aufnahmen auf jeglichen Modernisierungs- oder Verpoppungsversuch. Die wahren "Music Monks", das Wort Gottes, einfache Melodiebögen und die stets mitklingende Stille, die das Gewölbe einer Kirche akustisch erfahrbar macht: Das genügt.

Das Wechselspiel zwischen Vorsänger und Chor versetzt den Hörer direkt in einen Gottesdienst. Neben "In Paradisum", das bei der Beisetzung eines verstorbenen Mönchs angestimmt wird, intonieren die Brüder ein Requiem, die traditionelle Totenmesse. Statt deprimierend oder beklemmend, gestaltet sich die Stimmung im Angesicht soviel Todes geradezu optimistisch: An die Auferstehung zu glauben, scheint doch etwas für sich zu haben.

Zudem lassen die Mönche am Completorium, ihrem Abendgebet teilhaben, bei dem mehrere Psalmen rezitiert werden. Die Bitte um Schutz und innere Ruhe steht hierbei im Mittelpunkt. Vor den Texten ist keine Furcht angezeigt: Für alle, die des Lateinischen nicht mächtig sind oder deren Latinum bereits einige Spinnweben angesetzt hat, liegen englische Übersetzungen der meist ohnehin der Bibel entnommenen Texte bei. Deren Sinn erschließt sich allerdings auch ohne, dass man den genauen Wortlaut versteht: Ehre sei Gott in der Höhe!

Ich stelle, ähnlich wie bei Conscious-Reggae oder Gospel, fest, dass man die religiöse Inbrunst und die Überzeugungen weder teilen oder nur im Ansatz nachvollziehen können muss, um die enthaltene Kraft zu spüren. Möglicherweise handelt es sich dabei tatsächlich um den gepriesenen Heiligen Geist. Papst Benedikt XVI. jedenfalls zeigte sich begeistert von den Mönchen aus Heiligenkreuz. Und der irrt ja angeblich nicht.

Trackliste

  1. 1. In Paradisum
  2. 2. Requiem
  3. 3. Completorium
  4. 4. Spiritus Domini

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18 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    @Jan Dilba («

    Vielleicht müsste ich ja beichten, aber der Sprecher (Father Carl) im Clip hat ein dermaßen holperig-sympathisches "Austria"-English drauf, alleine die Beschreibung des Klosters war köstlich. »):

    Symphatisch...kann man drüber streiten aber holprig triffts..

    buaah mir haben sich einige gedärme eingedreht, ich konnte den clip nicht zu ende sehen^^

  • Vor 11 Jahren

    Die Padres sind halt keine Profis. ;)
    Ich fand es sympathisch, teils ein wenig naiv und ungeübt im Umgang mit der PR-Maschinerie, aber nett.

  • Vor 11 Jahren

    wieso is das you-tube vid an mir vorbei gegangen?!
    ich hab noch überhaupt nichts von denen gehört!
    oh nein ich werde alt und schaff es nichma mehr, auf die bereits fahrenden trend züge aufzuspringen :damn:

    ach ja und dani nimmt sich dem bestimmt nur an, damit die top 10 album liste auf laut.de komplett mit rezis verlinkt is :kiss: