laut.de-Kritik

Zurück in die Rave-Dance-Euphorie der frühen 90er.

Review von

Mit dem neuen Charlatans-Album verhält es sich wie mit den zahlreichen Tweets des Sängers und Andy Warhol-Gedächtnisfrisurträgers Tim Burgess: Manchmal berühren sie einen, dann auch wieder nicht. Aber die 13 Gitarren-Pop-Rock-Stücke mit elektronischen Elementen passen wunderbar in die immer wieder auftauchende Nostalgie-Hysterie und erinnern zumindest entfernt an die Madchester-Zeit ("Not Forgotten"), als Bands wie Happy Mondays, The Stone Roses, The Farm, New Order, James, Inspiral Carpets und eben The Charlatans für mächtige Rave-Dance-Euphorie auf der Insel sorgten. Knappe fucking 30 Jahre später präsentieren The Charlatans nun ihr 13. Studioalbum, das den ein oder anderen Hit mitbringt.

Man muss sich beim Hören nicht mit tiefgründiger Lyrik beschäftigen, sondern lässt die Welt da draußen für ein paar Minuten alleine. Einfach mal in den Himmel glotzen und die graue Fassade für ein paar Momente vergessen. Die Melodien klingen gelassen und teilweise ruhig und immer noch schwebt der Burgess-Gesang hymnenartig über den Wolken ("Hey Sunrise"). Beim Titelsong gibt es weitere positive Erinnerungen an Tims großartiges Soloalbum "I Believe" von 2003. Die warmen Country-Pop-Einflüsse unter der Sonne Kaliforniens sind noch heute über den Dächern von Manchester zu hören. Einfache Songzeilen mit offensichtlichen Reimen schaden hier nicht und prägen sich ganz gut ein. "Different days, different ways".

Neben Tim gehören Bassist Martin Blunt, Gitarrist Mark Collins und Keyboarder Tony Rogers zum festen Inventar. Aber auch viele Gäste kamen ins bandeigene Studio nach Cheshire in den Nordwesten Englands: Die Spoken Word-Schnipsel in "Future Tense" und "The Forgotten One" stammen von Kurt Wagner (Lambchop) und dem schottischen Krimi-Autor Ian Rankin ("Schlafende Hunde"). Gitarren-Held Johnny Marr und Brian Jonestown Massacre-Chef Anton Newcombe sind auf "Not Forgotten" und "Plastic Machinery" zu hören. "Plastic Machinery" ist neben "Solutions" die einprägsamste Hymne.

Seitdem der Charlatans-Drummer Jon Brookes 2013 verstarb, sorgen Stephan Morris (New Order) und Pete Salisbury (The Verve) für den stimmigen Rhythmus. Für "The Same House" brachte Morris gleich noch seine Ehefrau Gillian Gilbert mit. Das groovy Dance-Stück dürfte nicht nur New Order-Fans entzücken. Zum finalen Song harmonieren dann noch Tim Burgess und Paul Weller gemeinsam in "Spinning Out".

Es ist offensichtlich, dass der Charlatans-Frontmann seine langjährigen Kontakte ordentlich pflegt. Da passt dann auch wunderbar "Let's Go Together" ins Adel-Programm. Hier blühen sämtliche Britpop-Gefühle wieder auf und der wilde englische Popzirkus der 90er erhellt die Gemüter. "The only one I know, has come to take me away". Zu "Plastic Machinery" erschien übrigens ein Remix der großartigen Nottingham-Mods Sleaford Mods, die Burgess schon lange verehrt.

Trackliste

  1. 1. Hey Sunrise
  2. 2. Solutions
  3. 3. Different Days
  4. 4. Future Tense
  5. 5. Plastic Machinery
  6. 6. The Forgotten One
  7. 7. Not Forgotten
  8. 8. There Will Be Chances
  9. 9. Over Again
  10. 10. The Same House
  11. 11. Let's Go Together
  12. 12. The Setting Sun
  13. 13. Spinning Out

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1 Kommentar

  • Vor 6 Monaten

    Danke! Toller Text.Dachte ja,dass nach den B-Singles und anschliessender Tour(Batschkapp!) nichts mehr kommen kann. Aber das hier ist ja wieder ein echtes Album!
    Hätte ich nicht für möglich gehalten,dass sie immer noch so gut sind!