laut.de-Kritik

Altbackener Rock'n'Roll im positivsten Sinne ...

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Altbackener Rock'n'Roll im positivsten Sinne ist genau das, was man von einem neuen Crowes-Album erwarten darf. In dieser Hinsicht geben sich die Krähen äußerst berechenbar und fanfreundlich und servieren uns - wieder einmal - eines dieser Alben, das die Rolling Stones heute gerne fabrizieren würden, so sie denn noch könnten.

Schon beim zweiten Track "Walk Believer Walk" springt dem Hörer ein rotzegeiler Bluestrack mit dem Arsch voran ins Gesicht. In absoluter Topform krächzt sich Waldschrat Chris Robinson die Seele aus dem Leib. Der Text korrespondiert ganz vortrefflich mit der ersten Seite des Klappcovers. Dort prangt eine abgeänderte US-Flagge, auf der statt der obligatorischen Sterne das Friedenszeichen zu sehen ist.

"Can you taste the poison in your mouth", lauten die anklagenden Worte. Der Adressat wird zwar nicht namentlich genannt, dürfte aber irgendwo in Washington DC zu suchen sein. In dieser Manier könnte es dann ruhig weitergehen, tut es aber leider nicht.

Was in guten Momenten einfach nur abgehangen und cool klingt, muckert im nächsten Augenblick furchtbar kratzig und nervtötend durch den Gehörgang. Assoziationen, die man eventuell mit "Evergreen" - "Immergrün" - verbindet, sind Sachen wie Frühling oder Heiterkeit, was einem der gleichnamige Track aber gründlich aus dem Oberstübchen pustet. Skip.

In "We Who See The Deep" zitieren Robinson und Co. etwas "Gimme Shelter" von den Stones, was aber in Ordnung geht, rockig, griffig, eingängig, schlicht gut. Wer besinnlichem Liedgut etwas abgewinnen kann, kommt bei den soliden, aber etwas belanglosen Tracks "Oh Josephine" und "Locust Street" auf seine Kosten. Wer dem Kuschelzwang nicht so viel abgewinnen kann, skippt eben weiter. Skip.

"Movin' On Down The Line" humpelt gerade noch mittelprächtig über die Ziellinie, wohingegen das nachfolgende "God's Got It" wieder famos die Hütte rockt. Juke Joint-Mucke wie sie in keinem Buche steht. Das klingt ganz dunkel, müffelt herrlich dreckig nach Swamp aus dem Mississippi-Delta und ist irgendwo zwischen den frühen ZZ Top und Muddy Waters anzusiedeln. Am Ende fasert es etwas aus und rhythmisiert monoton im besten Sinne vor sich hin. Gerade dieser Song dürfte live eine herrliche Spielwiese für Improvisationen sein.

"There's Gold In Them Hills"? Skip.

"Whoa Mule"? Bitte gerne. Gospel, Spiritual, Blues, die Crowes haben immer dann ihre besten Momente, wenn sie ganz tief in die Geschichte schwarzer Musik hinab tauchen. Leider machen sie davon nicht allzu häufig Gebrauch, sonst wäre "Warpoint" ein großer Wurf geworden. So bleibt es bei einem guten, nicht überragenden Album.

Trackliste

  1. 1. Goodbye Daughters Of The Revolution
  2. 2. Walk Believer Walk
  3. 3. Oh Josephine
  4. 4. Evergreen
  5. 5. We Who See The Deep
  6. 6. Locust Street
  7. 7. Movin' On Down The Line
  8. 8. Wounded Bird
  9. 9. God's Got It
  10. 10. There's Gold In Them Hills
  11. 11. Whoa Mule

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LAUT.DE-PORTRÄT The Black Crowes

Die Geschichte der Black Crowes reicht ganz, ganz weit zurück. Der damals 12-jährige Rich Robinson bekommt von seinem Vater eine Gitarre geschenkt.

2 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Mit Warpaint, ihrem ersten Album nach sieben Jahren, meldet sich die um zwei neue Mitglieder Luther Dickinson (North Mississippi Allstars) und Adam MacDougall reformierte Band zurück. Der Sound des Albums steht ganz im Markenzeichen der Black Crowes: eine dreckige Mischung aus Rock, Blues, Country, Soul und Gospel.

    Schreibt eure Meinung zu dem Silberling

    Liebe Grüsse
    Kilu
    www.thecorleons.com

  • Vor 12 Jahren

    hat ja gut 7 Jahre gedauert,
    hören sich immer noch saugut an
    einfach guter, erdiger, dreckiger Bluesrock

    3/5 sind ok, da zu routiniert