laut.de-Kritik

Chaos trifft auf Kitsch, Prog-Rock auf bunte Psychedelica.

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Bei The Besnard Lakes handelt es sich um ein kanadisches Künstlerkonglomerat, das sich um Olga Goreas und Jace Lasek gruppiert und auf diesem Werk mit illustren Gästen wie Sophie Trudeau von Godspeed You! Black Emperor, Chris Seligman von den Stars und Jonathan Cummins (Bionic, Doughboys) beeindruckend in Erscheinung tritt.

Es ist bezeichnend, wenn es im Opener "Disaster" heißt: "You've got A disaster in your mind", klingt doch "The Besnard Lakes Are The Dark Horse" wie die musikalische Umsetzung einer sich überschlagenden Geistestätigkeit. Chaos trifft auf Kitsch, Prog-Rock auf bunte Psychedelica, opulente orchestrale Klangwände auf Indierock, Synthesizer-Klänge auf E-Gitarren. Harmonische, epische Melodiebögen und meist übereinandergeschachtelte Stimmen bilden dabei das Zentrum der acht Songs. The Besnard Lakes klingen wie eine krude Mischung aus Brian Wilson, Spiritualized und Pink Floyd.

Lasek eröffnet "Disaster" mit seinem Falsett-Gesang, zuerst nur von einem Banjo begleitet, ehe sich Bläser und Streicher dazu gesellen. Angenehme Beach Boys-Harmonien prägen den folgenden Refrain. Mit einem Pianolauf startet "For Agent 13" ähnlich leise und melancholisch, immer ein wenig klaustrophobisch. Zweistimmig tragen Lasek und Goreas zu Synthesizer und Glockenspiel eine eingängige Melodie vor, eine sanfte Dramaturgie, die sich nach drei Minuten mit impulsivem Gitarrenspiel eruptiv entlädt.

"And You Lied To Me" überzeugt mit neo-psychedelischen Elementen, wie man sie von My Morning Jacket oder Mercury Rev kennt. Eine epische Klanglandschaft entfaltet sich, der Gesang steigert das Tempo, nimmt sich wieder zurück und gibt den Raum frei für ein infernalische Gitarrensolo, das aus einer dichten Klangkulisse herausragt. "Devestation" verbindet kernigen Stoner-Rock mit Chorgesang, eine verstörende Mischung, die sich als Space-Rock-Nummer umschreiben lässt.

Ergreifend schön ist der sphärische Gesang von Olga Goreas in "Because The Night", der sich in zwei schlichte Gitarrenakkorde und sanfte Streicher bettet. Schön auch, wie im weiteren Verlauf die Instrumentierung breiter wird und zusehends die Lautstärke anhebt, ohne dabei in Atonalität zu verfallen. Der sinistre und langgezogene Gesang Laseks fügt sich in "Rides The Rails" organisch in einen repetitiven Basslauf, gezupfte Violinen und Hörner. Dann wieder die E-Gitarre, das Schlagzeug, der sich steigernde Gesang und der plötzliche Ausklang. Überraschend lieblich endet das Album mit "Cedric's War". Drums und akustische Gitarre begleiten den harmonischen zweistimmigen Gesang, der schließlich von einem wunderbaren Backgroundchor fröhlich ergänzt wird.

Erstaunlich, wie viel Kreativität und Opulenz man auf einen 45-minütigen Silberling packen kann. Acht imposante Dramaturgien, die tief in der Musikgeschichte wühlen. Der instrumentale Überschwang, die pompösen, aber leichfüßigen Arrangements und der vielseitige Gesang machen "The Besnard Lakes Are The Dark Horse" zu einem ungewöhnlichen, fast halluzinogenem Hörerlebnis. Im Spannungsfeld von Harmonie und Verstörung haben The Besnard Lakes den Space-Rock zurück auf die Erde geholt.

Trackliste

  1. 1. Disaster
  2. 2. For Agent 13
  3. 3. And You Lied To Me
  4. 4. Devastation
  5. 5. Because Tonight
  6. 6. Rides The Rails
  7. 7. On Bedford And Grand
  8. 8. Cedric's War

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