laut.de-Kritik

Der Soundtrack zur eigenen Totenmesse.

Review von

Nach den Architects trägt nun eine weitere Kombo aus finster dreinblickenden Männern in schwarzen Shirts ihren ursprünglichen Bandsound zu Grabe. Vorbei das fiese Geballer, jetzt werden zärtlichere Töne angeschlagen.

Der Opener "Coffin" klingt dabei wie der Soundtrack zur eigenen Totenmesse. Düstere Pianoakkorde treffen auf mächtige Trommelschläge, Chorgesang und die mechanisch präzise Doublebass-Arbeit von Drummer Jon Longobardi.

Nach diesem für Amity-Verhältnisse recht verhaltenem Intro gibt es mit "All My Friends Are Dead" voll aufs Fressbrett. Die Band hämmert sich durch den Song, als gäbe es kein Morgen. Im Kontrast dazu steht der Clean-Gesang von Bassist Ahren Stringer, der immer wieder durch die Shouts seiner Bandkollegen scheint.

Generell gehen The Amity Affliciton auf ihrem siebten Studioalbum konsequent den Weg weiter, der sich schon seit längerer Zeit abzeichnete: Immer mehr poppigere Nuancen durchziehen das martialische Post-Hardcore-Geballer. Immer häufiger streut die Band Piano-Melodien ein, die nicht selten Richtung Pathos oder Kitsch abdriften.

"All My Friends Are Dead" oder auch "Forever" bekommen diese Gratwanderung einwandfrei hin, "Soaked In Bleach" kippt dafür ganz schön in Richtung Teenie-Pop à la Panic! At The Disco. Dazu klingen die Clean Vocals so, als habe man sie vor dem finalen Mix durch unverschämt viele Filter gejagt. Wenn dann auch noch Songzeilen mit gepitchter Stimme nachgesungen werden, stellen sich dem geneigten Fan beim Hören die Nackenhaare auf.

"Wir haben für den Großteil des Albums unsere heavy Seite wieder rausgelassen", ließ Bassist Ahren im Vorfeld verlauten. Nur hört man davon herzlich wenig. Vielmehr überfrachten The Amity Affliction viele der sowieso schon mittelmäßigen Songs ("All I Do Is Sink", "Soaked In Bleach") derart mit elektronischen Sounds, Synthesizern und Stimmeffekten, dass am Ende nicht viel mehr bleibt als ein Brei aus Klängen mit dem ein oder anderen Breakdown. Die Formel "gefühlvolle Strophe plus gescreamter Refrain" reizen sie dabei bis zum Gehtnichtmehr aus.

Der Tiefpunkt des Albums ist mit "Aloneliness" erreicht, wenn Fingersnaps und Piano auf Zeilen wie "There's a cabin in my heart, there's a cabin in the woods, let's get them both together" treffen. Dazu klingen die Vocals alles andere als menschlich, sondern eher wie ein Humanoid aus der Producer-Hölle. Da fragt man sich beim Hören, ob man gerade in der richtigen Plattenabteilung ist oder sich in die Schmuserock-Sektion verirrt hat.

Letzlich kann man einer Band schwerlich vorwerfen, dass sie neue Wege geht und den eigenen Sound modifiziert. Bei The Amity Affliction endet dieses Unterfangen aber in einem Album, das nur so strotzt von aufgepumpten Effekten und Pathos, dabei aber, von einigen Ausnahmen abgesehen, weder Punch noch Eingängigkeit mitbringt.

Trackliste

  1. 1. Coffin
  2. 2. All My Friends Are Dead
  3. 3. Soak Me In Bleach
  4. 4. All I Do Is Sink
  5. 5. Baltimore Rain
  6. 6. Aloneliness
  7. 7. Forever
  8. 8. Just Like Me
  9. 9. Born To Lose
  10. 10. Fever Dream
  11. 11. Catatonia

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