laut.de-Kritik

Pop mit einem Schuss Emo.

Review von

Die Jungs aus Oklahoma pfeifen auf alle Kritikerstimmen und präsentieren sich erwachsener. Den kreativen Weg dorthin pflasterten zahlreiche Selbstfindungstrips der Marke ellenlange Bustorturen, künstlerische Blockaden oder typische Beziehungsprobleme. Lostprophets, Fall Out Boy oder Panic! At The Disco lassen grüßen, und angesichts deren letzter Machwerke schaudert es manchem Emo-Szenekenner vor dieser Ankündigung.

Das Gros der Songs fällt entsprechend poppig aus und ist ausfallend instrumentiert: In "Fallin Appart" etwa bittet eine flotte Geigenstimme zum Tanz; die Single "Gives You Hell" hegt wohl den Anspruch, sämtliche Facetten des Pop-Genres zu durchmessen. Wie im Titel schon angedeutet, dreht es sich hier um die Aufarbeitung eines zwischenmenschlichen Supergaus, allerdings in ironischer Form. Sänger Ritter badet in Rockstarklischees und amüsiert sich über die Tristesse von Nine-To-Five-Schichtenkloppern. Ich schwelge mit dem Quartett durch eine schmusige Bridge, die sich jedoch in Augenzwinkern auflöst und in einen Mitgröhl-Refrain mündet. Natürlich klingt das nicht neu, geschweige denn innovativ. Man vergleiche den Song nur mal mit dem Wheatus-Klassiker "Teenage Dirtbag".

Zum Mitpfeifen animiert die auf oben angesprochener Bustour fertiggestellte Roadmovie-Untermalung "Breaking". Typische Trademark-Rocker, wie sie auf den letzten Alben zuhauf zu finden waren, gibt es hingegen nur mit dem Opener "I Wanna" und "Real World".

Believe klingt verdächtig nach "Best Of You" von den Foo Fighters. Einfach die Moll-Parallele gegen die Tonika vertauscht, das Tempo ein wenig hochgeschraubt und fertig ist der neueste Hit. Merkt kein Mensch? Doch!!! Auch die Balladen sind typische Ramschware aus dem Standardsetzkasten für Schmusesongs, inklusive der obligatorischen Falsetteinlagen und Herzschmerz-Rhetorik.

Mein persönliches Waterloo: Der letzte Song "The Wind Blows". Rumpeldrums im Zepp-Sound werden auf einmal von einer Synthesizer-Lawine für ihre niederträchtigen Zwecke okkupiert. Die Stimme quält sich durch diese Keyboardlandschaften, attackiert von Leadgitarren-Einsprengseln. Am Firmament bezieht schon ein monströser Chor Stellung. Die gefürchtete Schweineorgel feiert ihre Wiederauferstehung: ein gruseliges Gesäusel.

Der Sänger schmettert trotz des düsteren Albumtitels zünftige Durchhalteparolen. Was sich anhört wie makrokosmische Niedergangsbeschreibungen, sind in Wirklichkeit typische zwischenmenschliche Themen. Fatalismus trifft auf Eskapismus: "You can sit beside me, when the world comes down".

Von den Zuschreibungen im Promotext trifft 'ambitioniert' die Arbeit der Band sicherlich am besten. Durchdachte Arrangements, die nur so vor Breaks und Spielereien strotzen und die opulente Produktion von Eric Valentine zeugen durchaus von Reife und vor allem von Zeit, die man in dieses Produkt investiert hat. Positiv hervorzuheben sind hier die Backing-Vocals, die im Mix sehr effektvoll eingesetzt wurden. Man beachte nur die Kosaken-Chöre im Call and Response mit einem Mädelschor in "Another Heart Breaks".

Trotz aller Effekthascherei trübt die Arbeit mit vorhersehbaren Songstandards das Gesamtbild dagegen erheblich. Hier bleibt abzuwarten, ob die Klientel nicht von der stilistisch eher dem Pop denn dem Emo zugewandten neuen Ausrichtung verprellt wird. Einzig die Lyrics lesen sich wie ein letztes Zugeständnis an die Emoszene. Getreu dem Motto "Make It, Or Break It", das man gerne einem dritten Album voranstellt, kreuzen einige alte Fans sicherlich "Break It" an.

Trackliste

  1. 1. I Wanna
  2. 2. Fallin' Apart
  3. 3. Damn Girl
  4. 4. Gives You Hell
  5. 5. Mona Lisa
  6. 6. Breakin'
  7. 7. Another Heart Calls
  8. 8. Real World
  9. 9. Back To Me
  10. 10. Believe
  11. 11. Wind Blows
  12. 12. I Wanna (Demo)
  13. 13. Damn Girl (Demo)
  14. 14. Fallin' Apart (Demo)
  15. 15. Mona Lisa (Demo)
  16. 16. Real World (Demo)
  17. 17. Here I Sit (Demo)

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