laut.de-Kritik

Shock-schwere Not!

Review von

Tesla stehen für qualitativ hochwertigen Hardrock - als Anspieltipp für diese These dient das vielgestaltige Meisterwerk "Edisons Medicine" vom '92-Kracher "Psychotic Supper". Nach ihrer Reunion Anfang der Nuller Jahre veröffentlichte die Band mehrere coole Platten ("Into The Now"), was im puristischen "Simplicity" und in dessem schlichten, schwarz-weiß gehaltenen Artwork gipfelte. Die Aufführung ihres Debüts "Mechanical Resonance" nebst Live-Nachlese stellte ein weiteres Bekenntnis zu den Wurzeln dar.

Die Amis zeichnet seit jeher eine rootige Blues-Attitüde aus. Auch die Texte sprechen mehr Hirn denn Unterbauch an. Dies hebt die Gruppe merklich vom Glamrock/Hairmetal der Achtziger ab, auch wenn sie auf dessen Erfolgswelle mitsurften. Diese zugrundeliegende DNA erfährt nun auf "Shock" eine gehörige Politur. Vorbei die Zeilen aus dem Opener des Vorgängers: "Oh my God it's taking me, From the phonograph record to the MP3, All the world is overrun with Technology, Oh my God it seems to me, We've gotta get back to Simplicity, All the world's out of touch with reality."

Für Neuerungen sorgt nicht nur der Arzt von Sänger Jeff Keith, der ihm ein künstliches Hüftgelenk verpasste und die Bewegungsfreiheit des Fronters wiederherstellte, sondern insbesondere die Liaison mit Def Leppard-Gitarrist Phil Collen. Collen passt mit seiner Produktions-Attitüde gar nicht zum Tesla-Ursound und mischt zudem fleißig im Songwriting mit. Der für Megaseller wie "Photograph" verantwortlich zeichnende Musiker lernte offenkundig bei Hitmaschine Mutt Lange und trug schon in den Achtzigern kurze Haare. "Taste Like" klingt entsprechend wie eine Mischung aus AC/DCs "Stiff Upper Lip" und dem Hit von "Pyromania". Multitrack-Experimente, Synths und Beats machen noch keinen schlechten Song, wie der fluffige Titeltrack beweist.

Es steht und fällt mit der Qualität des Songmaterials. Wer mit drei Schnulzen à la "I Don't Want To Miss A Thing", dem Aerosmith-Armageddon schlechthin, sowie einer waschechten Country-Nummer um die Ecke kommt, muss gegen den Sellout-Vorwurf gewappnet sein. Der Titel des Country-Tracks "California Summer Song" spricht Bände. Dagegen klingt Kid Rock wie der geborene hartrockende Härtner. "Sweet Home Alabama All Summer Long"? Gott bewahre!

Entsprechend beeindruckt die Platin-dekorierte Band vor allem mit Songs, die sie stiefmütterlich im letzten Drittel versteckt. Das mit einem hypnotisch-betörenden Riff versehene "The Mission" mit seiner akustisch gehaltenen Strophe und dem Reibeisen-Refrain glänzt ebenso wie das mit zeppelinesker Folklore arbeitende "Afterlife". Hier zeigt auch das Gitarrendoppel Hannon/Rude wozu es fähig ist. Die beiden Mucker klingen dann am besten, wenn sie sich nicht in platten Brian May-Zitaten verlieren, sondern ihrem innersten Hardrock-Monster Ausdruck verleihen.

Respekt gebührt den Herren in jedem Fall für den Mut zur Neubesinnung. Tesla schielen offenkundig auf Radioeinsätze mit Entertainement-Songs der Marke "Tied To The Tracks" oder dem Opener "You Want Take Me Alive", der an einen One-Night-Stand von Bon Jovis "Keep The Faith" und Robbie Williams' "Let Me Entertain You" erinnert. Gemeinsam mit der Kürze der Songs, die auf den kurzen Rausch als auf ein sich-Verlieren zielen, dürfte dies für viele Fans der "Touch Too Much" sein. Die Modernisierung im Soundbild ist Geschmackssache, die offenkundige Koketterie mit der Kiss- und Crüe-Klientel passt hingegen nicht zum Fünfer aus Sacramento.

Trackliste

  1. 1. You Won't Take Me Alive
  2. 2. Taste Like
  3. 3. We Can Rule The World
  4. 4. Shock
  5. 5. Love Is A Fire
  6. 6. California Summer Song
  7. 7. Forever Loving You
  8. 8. The Mission
  9. 9. Tied To The Tracks
  10. 10. Afterlife
  11. 11. I Want Everything
  12. 12. Comfort Zone

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